Ökumenische Einblicke

Der "Trauerkoffer" zur Trauerbegleitung an Schulen

„Keinem Menschen, erst recht keinem Kind oder Jugendlichem wünscht man traurige Erfahrungen. Dennoch kann sich niemand die eigene Geschichte aussuchen. Es gibt Freude, es gibt Tränen, es gibt Sonne und Regen, Leben und Tod. … Kinder in Trauerzeiten zu beschützen, heißt nicht, sie vor Traurigem zu bewahren, sondern sie zu begleiten. Und sie zu unterstützen, einen eigenen Ausdruck für ihre Gefühle zu finden. (M.Schroeter-Rupieper, 2020)

Macra Joha, Dekanatsbeauftragte für Schulpastoral/Kirche und Schule des Katholischen Dekanats Böblingen, hat für den Trauerfall an der Schule einen ausleihbaren "Trauerkoffer" entwickelt und zusammengestellt. Dieser ermöglicht Klassen oder Gruppen, mit Hilfe von Gegenständen, Bildkarten, Musik und Malvorlagen über das Ereignis zu sprechen, sowie einen Austausch über verbundene Gedanken und Gefühle stattfinden zu lassen. Der Koffer ist für die Sekundarstufe konzipiert und sofort einsetzbar; im  Elementar- bzw. Primarbereich gibt es eine "Trauertasche", deren Inhalt dem Alter der Kinder entsprechend angepasst ist.

Bei Überlegungen, für die Schule eigenes Material zum Thema Trauer zusammenzustellen, kann der Trauerkoffer durchaus als Anregung dienen. Ebenso ist er für den Religionsunterricht zum Thema "Umgang mit Trauer und Tod" zu entleihen. Bei Interesse wenden Sie sich gerne an Frau Joha: macra.johadontospamme@gowaway.drs.de

Segen für homosexuelle Paare

„Niemand sollte wegen seiner sexuellen Ausrichtung ausgeschlossen oder unglücklich werden“,  sagt Papst Franziskus in einem jüngst veröffentlichen Dokumentarfilm „Francesco“ und spricht sich für die juristische Anerkennung gleichgeschlechtlicher Partnerschaften aus. In Deutschland ist bereits seit 2017 die Ehe von homosexuellen Paaren der von Frau und Mann gleichgestellt. Zuvor war bereits die juristische Eintragung möglich. Ob die Eheleute ihren Bund in der Kirche segnen lassen können, hängt von Ort und Konfession ab.

In der evang. Kirche von Württemberg ist seit Anfang 2020 auf Antrag der Kirchengemeinde eine öffentliche Segnungsfeier möglich. Sie wird aber von der Kirchlichen Trauung von Frau und Mann unterschieden. Die Genehmigung haben sich drei evang. Kirchengemeinden der Stadt Böblingen bereits erteilen lassen. (Mehr zu Württemberg unter www.bkh-wue.de). Im Unterschied zur hiesigen evang. Landeskirche ist in den meisten evang. Kirchen in Deutschland die Kirchliche Trauung von gleichgeschlechtlichen Paaren, der von heterosexuellen gleichgestellt. (Mehr unter www.evangelisch.de/themen/homo-ehe).

In der kath. Kirche ist eine öffentliche Segnung von Frau und Frau oder Mann und Mann weiterhin nicht möglich, obwohl dies u.a. vom Zentralrat der Katholiken gefordert wird und einige Bischöfe, wie beim „Synodalen Weg“ zu hören ist, dieser Segnung gegenüber offen sind. Da und dort empfangen Paare aber im kleinen seelsorgerlichen Rahmen von Priestern einen Segen. (Mehr dazu unter www.katholisch.de/artikel/22758-ist-ein-segen-fuer-homosexuelle-paare-moeglich).

Mit welchem Grund kann sich Kirche dem Segenswunsch eines Paares verschließen?


Anton Feil
Dekan des
Katholischen
Dekanats
Böblingen

 

95 Thesen von Dr. Martin Luther bezo­gen klar Stellung gegen den Missbrauch eines religiösen Anliegens, gemeint ist der Handel mit Ablassbriefen (zur Finanzie­rung des Petersdomes in Rom), und für eine Erneuerung der Kirche aus der Quelle des Christentums, dem Evangelium. Sie lösten eine Entwicklung aus, die - "dank" vieler Faktoren - zur abendländischen Kirchenspaltung führte. Wenn wir zurückschauen auf diese 500 Jahre, dann sehen wir (nacheinander)

  • ein konfliktträchtiges Gegeneinander von Alt- und Neugläubigen
  • ein (mehr oder weniger) "befriedetes" Nebeneinander
  • ein zunehmend geschwisterliches Miteinander seit über 50 Jahren in der Ökumene.

Was bedeutet dies für Christen, Gemeinden, Kirchen im Gedenkjahr 2016/17?

"Evangelisch" kann auch von Katholiken wieder gehört und verstanden werden als Programm: Wir orientieren uns am Evangelium von Jesus Christus als maßgeblicher Grundlage des Glaubens.

"Katholisch" kann auch von Evangelischen wieder gehört und verstanden werden als Zielsetzung: Geh - mit dem Evangelium Jesu - aufs Ganze! (griechisch: "kat' holon"- gemäß dem Ganzen), wie es dem Missions- und Taufauftrag des Auferstandenen entspricht (Mt 28,16 - 20): Alle Menschen, Völker, Kulturen sollen die Botschaft von Gottes bedingungsloser Liebe nicht nur hören, sondern als befreiende und verbindende Kraft erfahren können.

Wie kann das geschehen?
Das Dokument "Vom Konflikt zur Ge­meinschaft" (2013), erarbeitet vom Lutherischen Weltbund und Rom, benennt als Schritte den Dank für das schon Erreichte, "die Heilung von Erinnerungen", und fünf Verpflichtungen für den weiteren Weg zur sichtbaren Einheit im Glauben.

Papst Franziskus und der Präsident des Lutherischen Weltbundes, Mounib Younan, haben in einem eindrucksvollen Gottesdienst am 31. 10. 2016 im schwedischen Lund dazu ein Dokument unterzeichnet: "Mehr als die Konflikte der Vergangenheit wird Gottes Gabe der Einheit unter uns die Zusammenarbeit leiten und unsere Solidarität vertiefen." "In Christus verwurzelt und ihn bezeugend erneuern wir unsere Ent­scheidung, treue Boten von Gottes grenzenloser Liebe für die ganze Menschheit zu sein."

Ich kann sie für Christen jeder Konfession in Kürze so benennen:

  1. Statt uns von Vorurteilen leiten zu lassen, wollen wir das Gemeinsame sehen und schätzen.
  2. Wir wollen einander offen und auf Augenhöhe begegnen und voneinander lernen.
  3. Wir wollen streben nach sichtbarer Gemeinschaft im Glauben, nach Einheit in versöhnter Verschiedenheit und bunter Vielfalt.
  4. Wir wollen in dieser von vielen Meinungen und Einflüssen geprägten Zeit das Evangelium in verständlicher Sprache zum Leuchten bringen.
  5. Wir wollen schon jetzt in sozialen, gesellschaftlichen, politischen Fragen möglichst gemeinsam handeln und Anlässe nutzen, um Gemeinschaft im Gottesdienst zu pflegen.

Nehmen wir das Gedenkjahr zum Anlass, um das Miteinander in der Ökumene zu vertiefen.