Gedanken zum Sonntag, 21. April 2019 - Ostern

 

 

 

 

Götz Krusemarck, Pfarrer in Weil im Schönbuch

Am Ende steht das Leben. Das feiern wir an Ostern. Das Leben ist nicht totzukriegen. Um Gottes willen nicht. Unsere Erfahrung sagt etwas anderes. Sie sagt: Alles was lebt, wird einmal sterben. Früher oder später wird es aus und vorbei sein. Das Leben ist ein wertvolles Geschenk, aber zerbrechlich, nicht für die Ewigkeit. 

Ostern sagt: Am Ende steht das Leben. Gott hat Jesus vom Tod auferweckt. Der Tod hat nicht mehr das letzte Wort. Was bedrückt, was Angst macht, was den Lebensmut nimmt, was uns kraftlos macht, es bleibt nicht für immer. 

Das können wir nicht fassen. Weil wir das so normalerweis nicht erleben. Deshalb suchen wir nach Zeichen, die uns das vor Augen malen. Eines davon ist das der Schmetterlinge. Aus der scheinbar toten, verpuppten Raupe wird ein wunderbarer Schmetterling.  

Jedes Bild vom neuen Leben hat Grenzen. Natürlich, die Raupe war nicht tot. Und Sterben ist nicht nur eine Verwandlung. Manchmal kann es das sein. Ganz leicht, wie ein Hinübergleiten in eine andere Welt. Oft aber ist es nicht so. Sterben ist oft hart, schmerzhaft, grausam, voller Leid, ungerecht und zu früh. So geschieht es millionenfach in dieser Welt. Im Krieg, im Elendsquartier, auf den Flüchtlingsbooten, in den Intensivstationen. Auch Jesu Sterben war keine sanftes Hinübergleiten. Es war hart, grausam und schmerzhaft am Kreuz. Und ich ahne: Gott ist dabei. Auch im Leiden. Auch ganz unten. 

Trotzdem gefällt mir das Zeichen des Schmetterlings. Neues Leben, leicht wie Schmetterlinge. Das frühe Christentum hat dieses Zeichen aufgegriffen und als Verstehenshilfe für die Auferstehung Jesu verstanden. Der Schmetterling ist nicht von Anfang an da. Er macht eine Entwicklung durch. Aus dem Ei kommt zuerst einmal die Raupe, und nach einer ganz bestimmten Zeit verpuppt sich die Raupe in einem Kokon, bis sich dann schließlich der Schmetterling ent-puppt. Am Ende entsteht etwas ganz Neues und Schönes. 

So wurde der Schmetterling zu einem Zeichen der Hoffnung, der Verwandlung und des neuen Lebens. Gott hat den Tod besiegt. Neues ist geworden. Angst und Sorgen haben sich in Freude und neue Hoffnung verwandelt. 

Die Schmetterlinge sind ein Zeichen dafür. Und es kann immer wieder geschehen. Nicht nur am Ende des Lebens. Es kann sich auch in meinem Leben etwas verwandeln und neu werden. Plötzlich entpuppen sich neue Perspektiven. Das Leben gewinnt neue Leichtigkeit. Trauer wandelt sich in Trost. Angst in Hoffnung, Schmerz über den Verlust in Dankbarkeit für alles, was war. Am Ende steht das Leben. Das feiern wir an Ostern.