Gedanken zum Sonntag, 29. November 2020 - 1. Advent

 

 

 

 

 

 

Michael Sinn, Pfarrer i.A. Paul-Gerhardt-Gemeinde, Böblingen

Die diesjährige Vorweihnachtszeit wird eine ganz andere. Hauptsächlich hat das damit zu tun, dass etwas, was sonst den Monat vor Weihnachten so besonders gemacht hat fehlen wird: Nähe und Zusammenkünfte. Dabei denke ich an den Besuch und das gemütliche Beisammensein auf einem der vielen Weihnachtsmärkte, an das Aussuchen von Geschenken für liebe Menschen in vollen Einkaufszentren. Ich denke auch an unzählige Adventsfeiern aber auch weihnachtliche Schulgottesdienste. All das wird dieses Jahr höchstwahrscheinlich ausfallen. Advent ohne Nähe und Zusammenkünfte. Und dabei geht es doch genau darum, oder? Nur schon ein Blick auf die Weihnachtskrippe zeigt: Da kommen Leute zusammen. Von nah und fern. Aus verschiedenen Haushalten und sogar aus ganz verschiedenen Kulturen und Hintergründen. Sie stehen eng beieinander und bestaunen gemeinsam das Wunder von Weihnachten.

Eine ganz andere, zeitgenössische Variante der Weihnachtskrippe hat Franz-Josef Hartmeyer dieses Jahr ausgestellt. Sie ist sehr schlicht. Ansammlungen von Menschen gibt es bei ihr nicht. Keine Hirten, keine Weisen, kein heiliges Paar, nicht einmal Ochs und Esel finden Platz. Nur die Krippe. Sie wird dargestellt in Form eines kugelförmigen Virus und deutet damit deutlich auf die diesjährige, sehr ungewöhnliche Advents- und Weihnachtszeit hin. Sie ist mitsamt der für einen Virus typischen Stacheln aus einem ganzen Stück wunderschönem, massiven Holz geschnitzt. Innen ist die Holzkugel ausgehöhlt und in seiner Mitte ist schlicht das schemenhafte Jesuskind aus Holz zu sehen. Es liegt dort, mittendrin in allem was für uns momentan Chaos, Distanz und Bedrohung bedeutet. Als Titel steht unter dem Holzwerkstück: "Corona – das Geheimnis des Lebens kommt von innen".

Wenn man genau hinsieht, liegt auch bei den "normalen" Krippen der Fokus nicht auf Nähe und Zusammenkünften zwischen Menschen, sondern vielmehr auf der Nähe und der Zusammenkunft zwischen Gott und Mensch. Das Geheimnis des Lebens kommt von innen. Und genau mitten hinein in diese chaotische Welt kommt Jesus Christus mit seiner Liebe und mit seinem Frieden und verändert von innen heraus. Er kommt uns Menschen nahe. Nahe, bis in unser Herz. Nach innen eben. Das ist das große Wunder und Geheimnis von Weihnachten: Gott nimmt Wohnung in uns.

Diese Botschaft brachte damals, in der heiligen Nacht, die Menschen am Stall zusammen, um dort das Wunder von Weihnachten - Jesus - zu bestaunen. Vielleicht liegt ja in der Unterbrechung unserer üblichen Adventszeit dieses Jahr eine Chance dieses Geheimnis, das von innen kommt, ganz neu zu bestaunen.