Gedanken zum Sonntag, 16. Mai 2021

 

 

 

Pfarrerin Eva Schury

Martin-Luther-Kirche Böblingen

"Frau Pfarrerin, was ist denn wirklich wahr? Was soll ich denn glauben?" fragt mich die Frau am Telefon, unsicher angesichts all der Nachrichten und Nicht-Nachrichten zu Corona. Ich erzähle ihr von den Freunden, die am Virus erkrankt sind und das nicht nochmal erleben wollen. Von meinen Erfahrungen im Pflegeheim. Von den Beerdigungen, die ich begleiten muss. Wir reden davon, wie schwer es ist, genau hinzuschauen, Informationen zu unterscheiden und einzuordnen.

"Schaut hin" - sagt das Motto des digitalen Ökumenischen Kirchentags. Bei der Geschichte von der Speisung in Markus 6 geht es ums Hinsehen: Jesus sieht den Hunger der Menschen, die ihm lange zugehört haben. Die Jünger sehen, dass die Ressourcen, die da sind - fünf Brote und zwei Fische - nicht reichen. Und alle sehen, dass sie mit Gottes Hilfe doch alle satt werden.

In einem Jahr, das mit der Pandemie alles von uns verlangt und in dem mit dem Klimawandel die Zukunft unserer Welt auf dem Spiel steht, werden wir aufgefordert hinzuschauen: mit klarem realistischem Blick die Probleme unseres Lebens zu sehen, weder sie zu verklären noch aufzubauschen. Wie leicht lassen wir uns den Blick von Unseren Ängsten trüben.

"Geht und seht nach!" sagt Jesus. Guckt genau hin, analysiert die Lage gründlich. Der Glaube ist keine rosarote Brille.

Jesus fordert uns auf, unsere Ressourcen anzuschauen: Wieviel habt ihr? Ich sehe: Die Zahl der Menschen, deren finanzielle Ressourcen nicht mehr ausreichen, steigt. Und wie lange reichen unsere emotionalen Ressourcen? Dass die Ressourcen unserer Erde nicht für die kommenden Generationen reichen, wissen wir.

Jesu Reaktion auf den Mangel ist aber nicht Resignation oder Wut. Sondern: Jesus dankt für das Vorhandene und teilt es mit allen - und siehe, es ist genug für alle da.

Könnten wir das lernen: Für das, was wir haben zu danken - und das bedeutet auch: einen dankbaren achtsamen Umgang damit zu lernen? Und dann hingehen und es mit allen zu teilen: Impfstoff mit Brasilien und dem Tschad zu teilen. Den Reichtum mit den armen Ländern zu teilen. Aus unserem Planeten eine Arche für alle zu machen - in dem Vertrauen, dass wir mit Gottes Hilfe gemeinsam leben werden. Der Glaube ist keine rosarote Brille. Aber er ist das Hoffnungsreservoir, das Gott uns schenkt, dass wir mit klarem Blick, Danken und Teilen dem Leben dienen können.

Schauen Sie heute ruhig mal rein in den digitalen Kirchentag: www.oekt.de.

Pfarrerin Eva Schury

Martin-Luther-Kirche Böblingen