Gedanken zum Sonntag, 5. April 2020

 

 

 

 

 

Wolfgang Hensel, Dekanatsreferent
Katholische Kirche Böblingen

Karwoche – Ostern abgesagt?

-> Hoffnung zugesagt!

Eins zeigt der Umgang mit der Corona-Krise: wir Kirchen sind nicht der Nabel der Welt, wenn es um wichtige Entscheidungen geht, die die Menschen existentiell betreffen. An dieser Stelle eine hohe Anerkennung an die Akteure in der Politik: sie machen einen sehr guten Job im Krisenmanagement. Auch wenn die kirchlichen Institutionen dabei das Heft des Handelns z.B. bei der Feier ihres wichtigsten Festes, des Osterfestes aus der Hand geben mussten.

Morgen beginnt für Christen die wahrscheinlich intensivste Woche des Jahres.

- Der Palmsonntag versucht mitzuvollziehen: das Jubeln, die Begeisterung über den einziehenden Jesus in Jerusalem: was kommt uns nahe in dieser Woche?

- Der Gründonnerstag und das Gedenken an das erste Abendmahl: was heißt es für uns Menschen, füreinander Brot zu sein?

- Der Karfreitag mit seiner kargen und eindrücklichen Liturgie in der ausgeräumten Kir-che: geht mir durch Mark und Bein, zeigt mir die Grenzen meiner Existenz und meines Vermögens, führt mich in die Tiefen.

- Der Karsamstag mit seiner Grabesruhe: nichts passiert, die Erwartung kann Raum greifen.

- Und dann am Ostersonntag-Morgen (oder am späten Samstagabend) die mystische Feier der Osternacht: hier mündet all das, was in den Tagen zuvor an „Drama“ innerlich mitvollzogen werden konnte in der Auflösung durch den Sieg des Lebens über den Tod ...

Vieles, was nicht erklärt werden muss, nicht erklärt werden kann, aber wirkt. Riten, die verbinden, die helfen und ausrichten.

Ja – und all das findet dieses Jahr so nicht statt. Schade, schwierig.

Was mich aber trotzdem berührt?

  • Wieviele Menschen in und außerhalb der Kirche über andere Menschen nachden-ken, wie sie sie schützen wollen, wie sie Einkaufshilfen organisieren, wie Spendenaktionen für kommunale Kultur etc. entstehen, in Böblingen heißt das z.B. „Buntes Böblingen hilft“.

  • Wie auch in den Gemeinden der Kirchen und Glaubensgemeinschaften darüber nachgedacht wird, wie eben gerade in diesen wichtigen Wochen zum „Kern“ unseres Glaubens vorgestoßen werden kann. Obwohl wir und vielleicht gerade weil wir viele der geschätzten Riten diesmal nicht haben.

  • Kleine Gesten. Da legen z.B. manche Gemeinden an Palmsonntag kleine Palmbü-schel vor die Kirchentüren, die sich die Gläubigen holen können.

  • Da werden „Ostern mal anders Päckchen“ geschnürt für Familien, die die Karwoche zuhause erleben wollen, man kann sie bestellen und geliefert bekommen.

  • Da werden Ideen gesponnen, wie das Osterlicht diesmal über Konfessionsgrenzen hinweg per Video weitergegeben werden kann.

  • Da gibt es Menschen, die bewegende Texte oder Videos verfassen, die andere durch diese Tage tragen.

  • Und vieles mehr …

Viele solche Ideen hat eine Initiative aus dem Kath. Dekanat gerade gesammelt und für alle verfügbar gemacht über zugesagt.kirchebb.de.

Die Idee dazu kam, als so viele Veranstaltungen, ja eben sogar die Gottesdienste und Osterfeierlichkeiten abgesagt wurden. Die Alternativbotschaft finden: was ist uns eigentlich zugesagt?

Impulse, Gedanken, Lesefrüchte, konkrete Hinweise, Tipps für den Einzelnen und für Familien in Quarantäne, lokale Hilfeangebote, geistliche Angebote der Kirchengemeinden, spirituelle Quellengänge und inspirierende Höhenflüge, einleuchtende Grafiken und Bilder, anstiftende Filme und Videosequenzen sind dort zusammengetragen, warten auf Nutzung.

Die Zusage Gottes ist größer als die Absage von Veranstaltungen. Die Zusage, die in den kreativen und beherzten Initiativen steckt ist stärker als der Frust über das, was nicht geht. Die Zusage, die im gemeinsamen Handeln sichtbar wird, ist eindrucksvoller als das Vermissen der zeitlich begrenzten Kontaktverbote.

Die Zusage wird spürbar auch im Aushalten der Stille, dem Mangel an Umtriebigkeit, der uns letztlich wieder zum Hören bringen kann.

Ja, der Karfreitag gehört zu dieser Woche: im Anschauen des Kreuzweges Jesu auch anschauen, was uns belastet, auch die Belastung durch Krankheit, Tod und die Einschränkungen dieser Corona-Zeit. Aber, ohne den Karfreitag zu bagatellisieren. Hier ist der Kern der Osterhoffnung. Der mitleidende Gott ist in der Krise bei uns, denn er ist „ein Freund des Lebens“ (Buch der Weisheit 11,26). Lassen Sie sich zusagen, gerade in dieser „Heiligen Woche“: wir sind „Aufständische“ gegen den Tod und gegen die Verzweiflung.

Hoffnung ist – zugesagt!

Wolfgang Hensel, Dekanatsreferent
Katholische Kirche Böblingen