Gedanken zum Sonntag, 27. September 2020

 

 

 

 

Pfr. Ulrich Zwißler, Evang. Kirchengemeinde Schönaich

„Nein so habe ich mir dieses Jahr 2020 nicht vorgestellt!“ – wenn sie jetzt den Eindruck haben, dass Sie diesen Satz hier in dieser Rubrik so ähnlich schon einmal gelesen haben, dann gebe ich Ihnen unumwunden Recht.

So habe ich nämlich meinen letzten Beitrag Ende März eröffnet, als die Corona-Pandemie bei uns spürbar seinen Anfang genommen hatte. Zu dieser Zeit meinte ich tatsächlich noch, dass wir die Pandemie bis zum Sommer überwunden hätten – eine Hoffnung, die sich spätestens nach Ostern verflüchtigt hatte. Damals im März habe ich zum „Zur-Ruhe-Kommen“ aufgefordert, die Einschränkungen in unserem Aktionismus als eine Art Fastenübung hinzunehmen. Als Motto dafür nannte ich ein Wort aus dem 2. Timotheusbrief (1,7): „Gott hat uns nicht gegeben den Geist der Furcht, sondern der Kraft und der Liebe und der Besonnenheit.“ Ein Motto, das uns auch heute noch gilt, ein Abschnitt, der uns morgen in den evangelischen Gottesdiensten als Predigttext zum Nachdenken einladen wird. Der Absender des 2. Timotheusbriefes will dem Gemeindeleiter Timotheus Mut machen. Er scheint erschöpft zu sein und frustriert, weil das eine, oder andere nicht bzw. noch-nicht in der Gemeinde funktioniert.

Dieser Zustand erinnert mich gerade an unsere Gemeindearbeit dieser Zeit: Wir versuchen die Arbeit wieder in Gang zu bringen, doch einerseits stoßen wir immer wieder organisatorisch an unsere Grenzen, alle Gruppen, Kreise und Veranstaltungen im Gemeindehaus gemäß der Hygienevorgaben unterzubringen. Zum anderen spüre ich auch eine gewisse Frustration, bei mir und manchen Mitarbeitenden, weil man in allem nur mit vielen „Wenns“ und „Abers“ planen kann.

Ich denke, das geht uns allen in allem so: Hochzeiten, Geburtstagsfeiern, Parties, …: Alles ist ein Problem, bis in die kleinsten Selbstverständlichkeiten sollte alles bedacht werden und über allem steht die Frage „Können wir das riskieren?“

Die Empfehlung des 2. Timotheusbriefs ermutigt uns sowohl in der Gemeindearbeit, als auch im Privaten: Die ständige Furcht ist kein guter Ratgeber in diesen Zeiten. Furcht lähmt uns, schränkt uns ein. Besonnenheit lässt uns weiterdenken; birgt in sich die Hoffnung auf die Zukunft, die es schon jetzt zu gestalten gilt.

Als Christen haben wir die Hoffnung auf das Reich Gottes, das kommen wird, an dem wir schon jetzt bauen können. Und dies auch in diesem Jahr 2020, das so gar nicht unseren Wünschen und Vorstellungen bisher entspricht. Mit Kraft, Liebe und Besonnenheit werden wir mit der Zeit diese Krise weiter in den Griff bekommen, und sie irgendwann auch überwinden können. Eine Prognose, wann das sein wird, wage ich nicht zu nennen, aber eines ist sicher: Gottes Reich wird kommen und bis dahin leben und gestalten wir unser Leben mit dem Geist der Kraft und der Liebe und der Besonnenheit.

Ich wünsche uns allen einen gesegneten Sonntag.

Pfarrer Ulrich Zwißler