Gedanken zum Sonntag, 13. Juni 2021

Michael Sinn, Pfarrer

 

 

 

 

Pfarrer i.A. Michael Sinn

"Lass die Sonne in dein Herz ..." dieser Ohrwurm hat mich die letzte Woche begleitet. So richtig leicht ist es mir aber nicht gefallen, den Worten Taten folgen zu lassen und "Sonnenstrahlen" einzufangen. Das liegt einerseits am bisher sehr regnerischen Sommer, andererseits auch an der sehr anstrengenden und oft bedrückenden Zeit, die hinter uns liegt und in der wir noch immer stecken.

Wie ich noch drüber nachdenke, welche Sommerblocker sich in meinem Herzen befinden, kommt mir der zweite Teil in den Kopf "... schick die Sehnsucht himmelwärts". Sehnsüchte sind viele da. Da ist die Sehnsucht, andere Menschen zu treffen, Sehnsucht nach Umarmungen, ich sehne mich danach, ein wenig unbeschwerter durchs Leben zu gehen und vieles mehr.

Es scheint etwas Aktives zu sein, die Sonne in mein Herz zu lassen und es fängt damit an, meine Sehnsucht himmelwärts zu schicken - und das, was mich bedrückt, gleich hinterher. Ich merke, dass so plötzlich Platz in meinem Herzen entsteht. Platz für hoffnungsvolle Gedanken, für herzwärmende Momente und für das Schöne, das es um uns herum überall gibt.

Wie dieser Platz im Herz gefüllt werden kann, davon erzählt ein anderes, ein viel älteres Lied, das auch zur Sommerzeit passt. Es fordert unser Herz auf, das Schöne zu suchen: "Geh aus, mein Herz, und suche Freud, in dieser lieben Sommerzeit, an deines Gottes Gaben". Auch hier wird himmelwärts gedacht. Auch hier sollen wir aktiv werden. Auch hier wird ganz aktiv nach Schönem gesucht. Dass es bei dieser Herzenssache viel zu finden gibt, beweisen die fünfzehn Strophen die Paul Gerhardt gedichtet hat, um einiges davon festzuhalten. Da finden sich Kleinigkeiten, die wir gerne übersehen oder überhören, die aber immer da sind und von uns "eingefangen" werden wollen. Die wunderschönen Blumen zum Beispiel, das rauschende Bächlein, die zwitschernde Lerche und die fleißigen Bienen. Wenn ich mich da reindenke, möchte ich glatt aufatmen. Und vielleicht gelingt das mir ja auch, wenn ich die "kleinen Dinge" in meinem Umfeld beobachte. Schilder in Schaufenstern auf denen "Geöffnet" steht. Sinkende Inzidenzen. Lachende Gesichter. Ein Eintrag im Impfpass oder ein Armband mit einem negativen Testbefund. Und hoffentlich bald auch wieder Sonnenschirme statt Regenschirme. Paul Gerhardt hat seine Sehnsucht himmelwärts geschickt und von dort, von Gott, auch eine Antwort erwartet: Hilf mir und segne meinen Geist, mit Segen, der vom Himmel fleußt. Während mir dieses Lied durch den Kopf und durch das Herz geht, merke ich: Es kommt Sonne in mein Herz.