Vom Lachen in der Bibel

Unser Herr Jesus bedurfte nicht solcher Narreteien, um uns den rechten Weg zu zeigen. Nichts in seinen Gleichnissen reizt uns zum Lachen. Wie Johannes Chrysostomos sagte: „Christus hat nie gelacht!“ Dies sind zwar Sätze einer fiktiven Figur, nämlich des alten, düsteren Mönches Jorge in Umberto Ecos Klassiker „Der Name der Rose” (1980). Die durchaus typische Haltung kirchlicher Amtsträger und Theologen, die sich mit Humor und Ironie, befreitem Lachen und befreiendem Gelächter durchaus schwertun, scheint nicht allzu weit hergeholt. Und aus der inneren Logik der Institution gedacht, mit den Interessen der Macht sowie der Mechanismen, diese zu erhalten, ist dies auch nur zu berechtigt. Denn Lachen im entscheidenden Moment kann aufatmen und Abstand nehmen lassen – um sodann von frischer Kraft gestärkt gegen Bollwerke von Lethargie, verstaubtem Traditionalismus und bierernster Rechthaberei angehen zu können.

Aber entspricht der behauptete Befund denn tatsächlich der Wirklichkeit, hat Jesus nicht gelacht, finden sich in all den biblischen Geschichten nur ernste Mienen? Schauen wir in die Texte, zeigt sich als überraschender Befund, dass an nicht wenigen Stellen mit kreativem Humor gehandelt wird, dass – und dies explizit gegen die oben zitierte Aussage! – gerade die Gleichnisse Jesu von geradezu intelligentem Vergnügen gekennzeichnet sind und dass nicht zuletzt an verschiedenen Stellen der Heiligen Schrift ausdrücklich vom Lachen die Rede ist. Was dann der Heiligkeit keinen Abbruch tut. Im Gegenteil, vielleicht bietet gerade die Fähigkeit zu Lachen, Humor und sich-selbst-nicht-so-wichtig-Nehmen eine gute, menschenfreundliche Voraussetzung dafür.

Die wohl bekannteste Stelle hierzu ist die Geschichte von Abraham und Sara aus den biblischen Urerzählungen, und dies in gleich drei erzählerischen Stufen: Da ist zunächst Sara, die bei der göttlichen Vorhersage, im hohen Alter noch ein Kind zu bekommen, einfach nur noch anfängt, „still in sich hinein zu lachen“: „Ich bin doch schon alt und verbraucht und soll noch ein Glück der Liebe erfahren?“ (Gen 18,12f) In Saras Lachen zeigt sich der Kontrast von Realität und der Möglichkeit, gegen wirklich jede Vernunft und Erfahrung ganz anderes zu erleben. Eine menschlich, allzu menschliche und darum nachvollziehbare Reaktion. Der wir zugleich noch eine zweite Szene an die Seite stellen können, denn schon wenige Abschnitte vorher war auch vom Lachen bei Abraham selbst die Rede. Und dies in einer theologisch ungleich brisanteren Frage, denn anders als bei Sara und ihrer (un)möglichen Schwangerschaft geht es bei Abraham um die Zusage Gottes, mit ihm einen neuen, ewigen Bund zu schließen. Und was tut Abraham? Er lacht – und dies nicht etwa still in sich hinein wie die doch leicht verschämt wirkende Sara, sondern offensichtlich und unübersehbar.

Abraham lacht Gott aus oder, wie es im Text heißt: „Abraham wirft sich auf sein Gesicht nieder und lacht.“ (Gen 17,17) Eine abgründige und sicherlich auch rätselhaft bleibende Stelle, gerade in der Spannung zwischen dieser Geste der Unterwerfung und dem befreienden Lachen. Denn hier setzt nun der dritte, wunderschöne Teil der Erzählung ein, der berichtet, wie Gott reagiert. Nicht wie ein absoluter Herrscher, der kein Lachen erträgt, der keinen Spaß versteht oder keinen frech aufblitzenden Humor duldet. Nein, die eigentliche Pointe der Geschichte ist, dass Gott seinen Bund mit dem (über ihn!) lachenden Menschen schließt, dass er bereit ist, selbst und vielleicht gerade mit denen eine große Geschichte zu beginnen, die über ihn und seine verwegenen Pläne lachen können. Oder, wie es die überglücklich doch noch einmal Mutter gewordene Sara ausruft: „Gott ließ mich lachen; jeder, der davon hört, wird mit mir lachen.“ (Gen 21,6)

Und als würde der biblische Autor der Genesis nicht darauf vertrauen, dass seine Hörer und Leser diesen springenden Punkt verstehen und die unerhört befreiende Kraft sowie die göttliche Grundlage fürs Lachen entdecken, schreibt er dieses Fazit in den Namen des Kindes hinein. Abraham und Sara nennen diesen unerwarteten Sohn „Isaak”. Und das heißt übersetzt: „Gott lacht”. Was für eine Pointe!

Dirk Steinfort, HorizonteBB 01-2018
Bild: Carin Raab / pfarrbriefservice.de

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