Interview mit Dr. Fritz Röcker 

die Fragen stellte Pfr. Dieter Heugel

Seit 1.10.2020 versieht Pfarrer Dr. Fritz Röcker das Dekanatamt in Böblingen bis das Amt neu besetzt wird. Zuvor war er in der Steuerung der Pfarrerausbildung im Oberkirchenrat tätig.


Was sind bisher Ihre Hauptaufgaben im Dekanatamt?
Als Hauptaufgabe kristallisierte sich vor allem die Arbeit in und mit zahlreichen Gremien auf der Ebene des Bezirks und der Gesamtkirchengemeinde Böblingen heraus. Unter den klassischen pastoralen Tätigkeitsfeldern spielen Andachten, Gottesdienste und Bestattungen momentan die größten Rollen.

Arbeiten Sie in der kommissarischen Leitung des Kirchenbezirks alleine, oder gibt es ein Team?
Ich bin sehr dankbar, dass es zahlreiche Menschen gibt, die mich unterstützen und beraten. Neben der Mitarbeiterin im Dekanatamt und den Verantwortlichen in der kirchlichen Verwaltungsstelle und bei der Kirchenbezirkskasse sind das ganz wesentlich die gewählten Vorsitzenden der jeweiligen Gremien und gewiss nicht zuletzt diejenigen, die in den Gremien in den unterschiedlichsten Funktionen und Aufgabenfeldern mitarbeiten.
Im übrigen, das möchte ich eigens hervorheben, erlebe ich die Kollegen und Kolleginnen im Pfarrdienst als überaus hilfsbereite Berater und Beraterinnen.

Wann ist mit der Neubesetzung der Dekansstelle zu rechnen?
Das zahlreiche Schritte umfassende Wahlverfahren, bei dem landeskirchliche Gremien und natürlich das Besetzungsgremium hier in Böblingen eingebunden sind, hat begonnen. Ein Termin für die Wiederbesetzung der Dekansstelle steht derzeit (November 2020) jedoch noch nicht fest. Wir rechnen aber damit, dass bis zum 1. September 2021 eine Dekanin oder ein Dekan offiziell begrüßt werden kann. Wir freuen uns, wenn das schon früher erfolgen kann und hoffen sehr, dass es nicht später werden wird.

Wie beeinflusst die Corona-Pandemie Ihre Arbeit?
Seit dem 1. März bin ich in Böblingen tätig. Nur ganz kurze Zeit danach begannen die Einschränkungen aufgrund der Pandemie. Für einen Start in einem Beruf, in dem die Begegnung mit Menschen ganz im Mittelpunkt steht, ist das - bis zum heutigen Tag - enorm herausfordernd, weil eben diese Begegnungen kaum oder nur unter erschwerten Bedingungen möglich sind. An leitender Stelle mit einer so nie da gewesenen gesellschaftlichen Ausnahmesituation in einer gesellschaftlich relevanten Institution wie der Kirche umzugehen ist nach innen und außen mehr als anstrengend. Diesen anstrengenden Umgang mit der Ausnahmesituation „Corona“ teile ich aber mit allen Menschen, die je an ihrem Platz in der Gesellschaft ihren Beitrag dazu leisten, dass diese Situation möglichst gut bewältigt werden kann. Im übrigen erlebe ich auch da, dass die Menschen in der Kirche zusammenarbeiten und einander unterstützen.

Was möchten Sie für die Zukunft der Kirche fördern?
Ich freue mich daran, wenn Menschen füreinander da sind und aneinander sehen, dass ihre Unterschiedlichkeit ein Segen bringender Reichtum für die Zusammenarbeit in Gemeinde und Kirche darstellen kann. Als Stichwort nenne ich: Einheit in der Diversität fördern. Toll finde ich es, wenn die unterschiedlichen kirchlichen Berufsgruppen in konstruktiver Weise berufsgruppenübergreifend kooperieren - dies als zweites Stichwort. Längst haben viele erkannt, dass dabei die Grenze der eigenen Kirchengemeinde keine Rolle mehr spielen muss, oft auch gar nicht mehr kann. Als drittes Stichwort sei also genannt: parochieübergreifende Kooperationen in überschaubaren regionalen Grenzen fördern - da bieten sich in unseren kirchlichen Strukturen die sogenannten Distrikte an, für manches auch der Bezirk. Als viertes Stichwort nenne ich: die Rolle der Ehrenamtlichen fördern ohne Überforderung auszulösen. Hinter jedem dieser nur exemplarisch herausgegriffenen Stichworte stehen große und teilweise komplexe Sachverhalte. Viele in unserem Bezirk sehen diese Themen und vieles, so sehe ich, wird bereits erprobt und auch erfolgreich praktiziert. Manches ist aber auch noch förderungsfähig, manches förderungsbedürftig.

Vielen Dank!