Aktuelles im Kirchenbezirk Böblingen

Evang. Termine aus dem Veranstaltungskalender

(gesamter Veranstaltungskalender s. Hauptmenü oben)

 

Berichtet aus dem Kirchenbezirk:

Digitale Bezirkssynode am 20.11.2020

Bericht von Dieter Heugel, Pfarrer in Magstadt und Pressebeauftragter

Aufgrund der Pandemie fand die Herbstsynode des Ev. Kirchenbezirks Böblingen am Freitag, 20. November 2020 per Zoom-Konferenz statt. 78 Delegierte der Kirchengemeinden und der Einrichtungen des Kirchenbezirks hatten sich zuhause verbunden über ihre Bildschirme zusammengefunden. Nach der Begrüßung durch den Vorsitzenden Arnd Rehn gab Pfarrer Matthias Baral aus Altdorf einen Impuls. In der dortigen Festhalle war die Synode geplant gewesen.

Pfr. Dr. Fritz Röcker leitete anschließend durch die Sitzung. Seit 1.10.2020 versieht er die Leitung des Dekanatsamtes nachdem Dr. Bernd Liebendörfer im Sommer in den Ruhestand gegangen war.

aus dem Homeoffice Dr. Fritz Röcker

 
Die Tagesordnung beschränkte sich auf die dringend notwendigen Punkte und die bezogen sich fast alle auf den Haushalt des Kirchenbezirks Böblingen. Bezirksrechner Thomas Nagel stellte den Rechnungsabschluss für das Jahr 2019 vor. Die Jahresrechnung wurde mit 2.881.581€ in Einnahmen und Ausgaben von den Delegierten beschlossen. Cornelia Reinhardt, die Leiterin der Kirchlichen Verwaltungsstelle des Kirchenbezirks, erläuterte die erwartete Zuweisung der Kirchensteuer für das Jahr 2021. Für den Kirchenbezirk wird es faktisch ein „Nullrunde“. Die Landeskirche kürzte trotz erwarteter 10% geringerer Kirchensteuereinahmen diese nicht, sondern hält die Zuweisung durch eine Rücklagenentnahme auf dem Stand von 2020. Die Rücklagen waren in den letzten Jahren der hohen Steuereinnahmen gebildet worden. Durch die Steigerung von Personalkosten werden die verfügbaren Mittel für die Kirchengemeinden und den Kirchenbezirk trotzdem knapper. Absehbar ist, dass in den nächsten Jahren stagnierende Einnahmen Einsparungen nötig machen.
 

aus dem Homeoffice Thomas Nagel

Der Haushaltsplan des Kirchenbezirks Böblingen für das Jahr 2021 wurde wieder von Thomas Nagel vorgestellt. Zur Deckung der Personalausgaben wird eine Rücklagenentnahme von 48.500€ vorgesehen. Die Kirchenbezirksumlage der Kirchengemeinden kann dadurch auf dem Stand von 2020 in Höhe von 28,94€ pro Gemeindeglied gehalten werden. Der Plan wurde von den Delegierten mit einem Umfang von 2.894.530€ beschlossen.

Nach kurzen Beratungen über die Besetzung der Arbeitnehmervertretung im Bezirksausschuss der Betriebsseelsorge und des Besetzungsgremiums für das Schuldekanat beschloss Dr. Fritz Röcker nach 2 Stunden um 20:30 die Sitzung der Bezirkssynode mit der Bitte um Gottes Segen und verband damit die Hoffnung, dass die nächste Sitzung der Bezirkssynode am 6. März 2021 wieder mit persönlicher Präsenz und Begegnung stattfinden kann.

Interview mit Dr. Fritz Röcker 

die Fragen stellte Pfr. Dieter Heugel

Seit 1.10.2020 versieht Pfarrer Dr. Fritz Röcker das Dekanatamt in Böblingen bis das Amt neu besetzt wird. Zuvor war er in der Steuerung der Pfarrerausbildung im Oberkirchenrat tätig.


Was sind bisher Ihre Hauptaufgaben im Dekanatamt?
Als Hauptaufgabe kristallisierte sich vor allem die Arbeit in und mit zahlreichen Gremien auf der Ebene des Bezirks und der Gesamtkirchengemeinde Böblingen heraus. Unter den klassischen pastoralen Tätigkeitsfeldern spielen Andachten, Gottesdienste und Bestattungen momentan die größten Rollen.

Arbeiten Sie in der kommissarischen Leitung des Kirchenbezirks alleine, oder gibt es ein Team?
Ich bin sehr dankbar, dass es zahlreiche Menschen gibt, die mich unterstützen und beraten. Neben der Mitarbeiterin im Dekanatamt und den Verantwortlichen in der kirchlichen Verwaltungsstelle und bei der Kirchenbezirkskasse sind das ganz wesentlich die gewählten Vorsitzenden der jeweiligen Gremien und gewiss nicht zuletzt diejenigen, die in den Gremien in den unterschiedlichsten Funktionen und Aufgabenfeldern mitarbeiten.
Im übrigen, das möchte ich eigens hervorheben, erlebe ich die Kollegen und Kolleginnen im Pfarrdienst als überaus hilfsbereite Berater und Beraterinnen.

Wann ist mit der Neubesetzung der Dekansstelle zu rechnen?
Das zahlreiche Schritte umfassende Wahlverfahren, bei dem landeskirchliche Gremien und natürlich das Besetzungsgremium hier in Böblingen eingebunden sind, hat begonnen. Ein Termin für die Wiederbesetzung der Dekansstelle steht derzeit (November 2020) jedoch noch nicht fest. Wir rechnen aber damit, dass bis zum 1. September 2021 eine Dekanin oder ein Dekan offiziell begrüßt werden kann. Wir freuen uns, wenn das schon früher erfolgen kann und hoffen sehr, dass es nicht später werden wird.

Wie beeinflusst die Corona-Pandemie Ihre Arbeit?
Seit dem 1. März bin ich in Böblingen tätig. Nur ganz kurze Zeit danach begannen die Einschränkungen aufgrund der Pandemie. Für einen Start in einem Beruf, in dem die Begegnung mit Menschen ganz im Mittelpunkt steht, ist das - bis zum heutigen Tag - enorm herausfordernd, weil eben diese Begegnungen kaum oder nur unter erschwerten Bedingungen möglich sind. An leitender Stelle mit einer so nie da gewesenen gesellschaftlichen Ausnahmesituation in einer gesellschaftlich relevanten Institution wie der Kirche umzugehen ist nach innen und außen mehr als anstrengend. Diesen anstrengenden Umgang mit der Ausnahmesituation „Corona“ teile ich aber mit allen Menschen, die je an ihrem Platz in der Gesellschaft ihren Beitrag dazu leisten, dass diese Situation möglichst gut bewältigt werden kann. Im übrigen erlebe ich auch da, dass die Menschen in der Kirche zusammenarbeiten und einander unterstützen.

Was möchten Sie für die Zukunft der Kirche fördern?
Ich freue mich daran, wenn Menschen füreinander da sind und aneinander sehen, dass ihre Unterschiedlichkeit ein Segen bringender Reichtum für die Zusammenarbeit in Gemeinde und Kirche darstellen kann. Als Stichwort nenne ich: Einheit in der Diversität fördern. Toll finde ich es, wenn die unterschiedlichen kirchlichen Berufsgruppen in konstruktiver Weise berufsgruppenübergreifend kooperieren - dies als zweites Stichwort. Längst haben viele erkannt, dass dabei die Grenze der eigenen Kirchengemeinde keine Rolle mehr spielen muss, oft auch gar nicht mehr kann. Als drittes Stichwort sei also genannt: parochieübergreifende Kooperationen in überschaubaren regionalen Grenzen fördern - da bieten sich in unseren kirchlichen Strukturen die sogenannten Distrikte an, für manches auch der Bezirk. Als viertes Stichwort nenne ich: die Rolle der Ehrenamtlichen fördern ohne Überforderung auszulösen. Hinter jedem dieser nur exemplarisch herausgegriffenen Stichworte stehen große und teilweise komplexe Sachverhalte. Viele in unserem Bezirk sehen diese Themen und vieles, so sehe ich, wird bereits erprobt und auch erfolgreich praktiziert. Manches ist aber auch noch förderungsfähig, manches förderungsbedürftig.

Vielen Dank!

Pfarrerin Ursula Schmitz-Böhmig sorgte seit 17 Jahre in Sindelfingen für die Krankenhausseelsorge / Große Verunsicherung durch Corona

Pfarrerin Ursula Schmitz-Böhmig und ihr Mann Pfarrer Mathias kamen 2003 nach Sindelfingen Bild: Renate Lück

Von Renate Lück
aus SZ/BZ vom 22.8.2020

Die weißen Haare hatte sie schon, als Ursula Schmitz-Böhmig 2003 mit ihrem Mann Mathias Schmitz nach Sindelfingen kam. Die beiden teilten sich 25 Jahre lang ihre Pfarrstellen. „Wir haben noch dafür gekämpft, uns beide um die Kinder kümmern zu können“, resümiert die 64-Jährige, die nun zwei Jahre nach ihm in den Ruhestand geht.

Ihr Interesse an Theologie weckten der Pfarrer und seine Frau in ihrer Heimatstadt Freiburg. „Wir haben anhand biblischer Texte existenzielle Fragen erörtert. Es ging darum, wie Menschen ihr Leben bewältigen und was ihnen dabei hilft.“ Bonhoeffers Buch „Widerstand und Ergebung“ entwickelte sich zum roten Faden, was ihr besonders im Krankenhaus bewusst wurde.
„Wie können Menschen ihren Lebensweg aufrecht zu Ende gehen? Das beschäftigte mich in Gesprächen mit Schwerkranken. Wie lange kämpfen? Wo ist der Punkt, an dem man sich dreinschicken muss? Wie hilft da der Glaube?“ Mit Krankenhausatmosphäre wuchs sie auf, beide Eltern waren Mediziner. Sie studierte dann nicht nur Theologie, sondern machte auch eine Zusatzausbildung in klinischer Seelsorge.

„Was bedeutet hier Kirche?“
Ursula Schmitz-Böhmig und ihr Mann lernten viele verschiedene Menschen kennen. Im Neubaugebiet Korber Höhe in Waiblingen gab es 1984 soziale Brennpunkte, ein Villenviertel und Eigentumswohnungen. „Und eine Baracke für Gottesdienste. Da haben wir ein ökumenisches Gemeindezentrum gebaut.“ Sie trieb die Frage um: „Was bedeutet hier Kirche? Wofür ist sie da? Wir haben im Alltag Stadtteilarbeit, Gemeindearbeit und diakonische Arbeit geleistet mit Spätaussiedlern, Jugendlichen und vielen Kindern.“
Sie war damals die einzige Pfarrerin im Kirchenbezirk. Die vier Söhne kamen dort zur Welt, der zweite starb aber nach zehn Tagen. „Diese Erfahrung hat uns tief geprägt.“
Als Nächstes zog die Familie nach Zell an den Aichelberg, eine ländliche Gemeinde. „Tolle Kollegen drumherum, auch Freunde in Job-Sharing.“ Hier sei viel Seelsorge für Witwen nötig gewesen – Gespräche am Küchentisch oder auf dem Bänkle vorm Haus.
„Der Zusammenhalt im Dorf war groß, die Leute haben ihrer Kirchengemeinde immer geholfen“, erinnert sich Ursula Schmitz-Böhmig.
Nach zwölf Jahren wieder Umzug, diesmal zum Krankenhaus Sindelfingen. Zuerst widmeten beide noch die Hälfte ihrer Zeit der Gemeinde Dagersheim. Weil sich jedoch die Termine mit dem Krankenhaus nicht koordinieren ließen, übernahm sie die Stelle auf der Steige und ihr Mannging nach Tübingen.
Sie stellte sich den Patienten als evangelische Krankenhausseelsorgerin vor und bot Gespräche und Begleitung an. Die Konfession spielte dabei keine Rolle. „Bei der Suche nach Halt und Trost ist es eine Frage des Vertrauens.“ Und: „Was im Gemeindepfarramt oft zu kurz kommt – hier hatte ich Zeit für Schwerkranke und Sterbende“, sagt sie. Das Krankenhaus sei wie ein Dorf.
Es entstünden so etwas wie Gartenzaungespräche, wenn man sich treffe, besonders nach heftigen Erlebnissen: dem Tod einer 20-Jährigen, trotz allen Bemühens der Ärzte, oder einer Mutter mit kleinen Kindern. Das stehe man im Team miteinander durch – von den Ärzten bis zur Reinigungsfrau.
„Corona sorgte für eine große Verunsicherung bei allen. Es war still, kein Kommen und Gehen der Besucher. Ich hatte nie zuvor so viele Seelsorge-Gespräche mit Mitarbeitenden auf den Gängen oder vor dem Aufzug, weil niemand anderes zuhörte. Manche sagten: Jetzt habe ich richtig Zeit für die Patienten.“ Sie schwankten aber zwischen der Verpflichtung für die Kranken und dem Eigenschutz sowie der Verantwortung für ihre Familie.

Niederschmetternde Rückschläge
Dann stand die Pfarrerin bei vielen Schwerkranken und Sterbenden. Bedrückend die Begleitung einer Frau mit Covid-19 über Monate mit allen Aufs und niederschmetternden Rückschlägen. „Unsere Kapelle wurde in dieser Zeit zu einem wichtigen Ort für Gespräche mit Angehörigenund belasteten Mitarbeitenden.“

Klinisches Ethik-Komitee
Ihr Mann und sie hatten mit anderen zusammen das Klinische Ethik-Komitee gegründet, das sich inzwischen in allen Kliniken etablierte. „Es geht darum, im Konfliktfall abzuwägen, was medizinisch machbar und was für den einzelnen Patienten sinnvoll ist. Ich leide manchmal darunter, dass sich unsere Gesellschaft so auf das Machbare stürzt. Nur wer aktiv ist und sein Leben selber gestaltet, ist anerkannt.“
Im Krankenhaus heiße es dagegen: Ich erleide etwas. „Ich denke, da sind wir Analphabeten. Wir brauchen eine Kultur, etwas auszuhalten. Das ist zutiefst theologisch.“
Die hochtechnische Medizin übersehe, was die Seele ist. „Seelsorge ist die Suche nach Kraftquellen, auszuhalten, was nicht zu ändern ist. Es gibt mehr Heilsames als gute Laborwerte.“ Ergreifend sei das Gebet. „Wenn dann Frieden im Raum ist, das kann man nicht machen. Das ist einfach Gnade.“

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Info
Die Verabschiedung von Pfarrerin Ursula Schmitz-Böhmig findet am 17. September 2020 um 14 Uhr in kleinem Kreis im Sindelfinger Krankenhaus statt und wird am 20. September im Gottesdienst in der  Martinskirche in ihrem Beisein abgekündigt

Abschied vom Dekansamt

Dr. Bernd Liebendörfer geht in den Ruhestand. 21 Jahre war der Dekan des evangelischen Kirchenbezirks Böblingen und zuvor seit 1982 als Pfarrer für die evangelische Kirche in Württemberg in Dienst. Die Verabschiedung durch Prälat Rose ist über die Internetseite der Böblinger Kirchengemeinde noch ein paar Tage abzurufen: www.evkirchebb.de. Bis Mitte August wird er im Dekanat auf dem Böblinger Schlossberg noch zu erreichen sein. Dann ist die Ära vorbei. Am Sonntag, 19. Juli hielt er in der Böblinger Stadtkirche seinen letzten Gottesdienst als Dekan, musikalisch gestaltet durch Kantor Eckart Böhm. Danach erwartete ihn draußen eine Gruppe der Bezirksbläser mit schwungvollen Grüßen unter Leitung von Bezirksposaunenwart Tobias Schweiker, ein paar Geschenke sowie ein Glas Sekt für ihn und sein Frau Martina.

Nach der Verabschiedung durch Prälat Rose erwartete ihn draußen eine Gruppe der Bezirksbläser mit schwungvollen Grüßen unter Leitung von Bezirksposaunenwart Tobias Schweiker ...


... ein paar Geschenke sowie ein Glas Sekt für ihn und sein Frau Martina.

 

Die Ausschreibung der Stelle für die Wiederbesetzung ist vom Wahlgremium auf den Weg gebracht. Das Wahlgremium setzt sich je zur Hälfte aus Kirchengemeinderäten der Gesamtkirchengemeinde Böblingen und des Kirchenbezirks zusammen. Mit der Neubesetzung ist erst im Jahr 2021 zu rechnen. Die Vertretung übernimmt Pfarrer Dr. Fritz Röcker, seit März 2020 Referent im Dekanat.

Text und Fotos: Pfr. Dieter Heugel, Magstadt

In einem Interview in Regio-TV Stadtgespräche blickt Dekan Liebendörfer zurück.

In einem Interview mit Pfr. Dieter Heugel blickt er zurück und voraus: pdf download

Frühere Berichte aus der Rubrik Evangelisch-Aktuell finden Sie  hier
Frühere Berichte von den Synodentagungen unter Bezirkssynode (s. Menü)