Aktuelles im Kirchenbezirk Böblingen

Evang. Termine aus dem Veranstaltungskalender

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Berichtet aus dem Kirchenbezirk:

Pfarrerin Ursula Schmitz-Böhmig sorgte seit 17 Jahre in Sindelfingen für die Krankenhausseelsorge / Große Verunsicherung durch Corona

Pfarrerin Ursula Schmitz-Böhmig und ihr Mann Pfarrer Mathias kamen 2003 nach Sindelfingen Bild: Renate Lück

Von Renate Lück
aus SZ/BZ vom 22.8.2020

Die weißen Haare hatte sie schon, als Ursula Schmitz-Böhmig 2003 mit ihrem Mann Mathias Schmitz nach Sindelfingen kam. Die beiden teilten sich 25 Jahre lang ihre Pfarrstellen. „Wir haben noch dafür gekämpft, uns beide um die Kinder kümmern zu können“, resümiert die 64-Jährige, die nun zwei Jahre nach ihm in den Ruhestand geht.

Ihr Interesse an Theologie weckten der Pfarrer und seine Frau in ihrer Heimatstadt Freiburg. „Wir haben anhand biblischer Texte existenzielle Fragen erörtert. Es ging darum, wie Menschen ihr Leben bewältigen und was ihnen dabei hilft.“ Bonhoeffers Buch „Widerstand und Ergebung“ entwickelte sich zum roten Faden, was ihr besonders im Krankenhaus bewusst wurde.
„Wie können Menschen ihren Lebensweg aufrecht zu Ende gehen? Das beschäftigte mich in Gesprächen mit Schwerkranken. Wie lange kämpfen? Wo ist der Punkt, an dem man sich dreinschicken muss? Wie hilft da der Glaube?“ Mit Krankenhausatmosphäre wuchs sie auf, beide Eltern waren Mediziner. Sie studierte dann nicht nur Theologie, sondern machte auch eine Zusatzausbildung in klinischer Seelsorge.

„Was bedeutet hier Kirche?“
Ursula Schmitz-Böhmig und ihr Mann lernten viele verschiedene Menschen kennen. Im Neubaugebiet Korber Höhe in Waiblingen gab es 1984 soziale Brennpunkte, ein Villenviertel und Eigentumswohnungen. „Und eine Baracke für Gottesdienste. Da haben wir ein ökumenisches Gemeindezentrum gebaut.“ Sie trieb die Frage um: „Was bedeutet hier Kirche? Wofür ist sie da? Wir haben im Alltag Stadtteilarbeit, Gemeindearbeit und diakonische Arbeit geleistet mit Spätaussiedlern, Jugendlichen und vielen Kindern.“
Sie war damals die einzige Pfarrerin im Kirchenbezirk. Die vier Söhne kamen dort zur Welt, der zweite starb aber nach zehn Tagen. „Diese Erfahrung hat uns tief geprägt.“
Als Nächstes zog die Familie nach Zell an den Aichelberg, eine ländliche Gemeinde. „Tolle Kollegen drumherum, auch Freunde in Job-Sharing.“ Hier sei viel Seelsorge für Witwen nötig gewesen – Gespräche am Küchentisch oder auf dem Bänkle vorm Haus.
„Der Zusammenhalt im Dorf war groß, die Leute haben ihrer Kirchengemeinde immer geholfen“, erinnert sich Ursula Schmitz-Böhmig.
Nach zwölf Jahren wieder Umzug, diesmal zum Krankenhaus Sindelfingen. Zuerst widmeten beide noch die Hälfte ihrer Zeit der Gemeinde Dagersheim. Weil sich jedoch die Termine mit dem Krankenhaus nicht koordinieren ließen, übernahm sie die Stelle auf der Steige und ihr Mannging nach Tübingen.
Sie stellte sich den Patienten als evangelische Krankenhausseelsorgerin vor und bot Gespräche und Begleitung an. Die Konfession spielte dabei keine Rolle. „Bei der Suche nach Halt und Trost ist es eine Frage des Vertrauens.“ Und: „Was im Gemeindepfarramt oft zu kurz kommt – hier hatte ich Zeit für Schwerkranke und Sterbende“, sagt sie. Das Krankenhaus sei wie ein Dorf.
Es entstünden so etwas wie Gartenzaungespräche, wenn man sich treffe, besonders nach heftigen Erlebnissen: dem Tod einer 20-Jährigen, trotz allen Bemühens der Ärzte, oder einer Mutter mit kleinen Kindern. Das stehe man im Team miteinander durch – von den Ärzten bis zur Reinigungsfrau.
„Corona sorgte für eine große Verunsicherung bei allen. Es war still, kein Kommen und Gehen der Besucher. Ich hatte nie zuvor so viele Seelsorge-Gespräche mit Mitarbeitenden auf den Gängen oder vor dem Aufzug, weil niemand anderes zuhörte. Manche sagten: Jetzt habe ich richtig Zeit für die Patienten.“ Sie schwankten aber zwischen der Verpflichtung für die Kranken und dem Eigenschutz sowie der Verantwortung für ihre Familie.

Niederschmetternde Rückschläge
Dann stand die Pfarrerin bei vielen Schwerkranken und Sterbenden. Bedrückend die Begleitung einer Frau mit Covid-19 über Monate mit allen Aufs und niederschmetternden Rückschlägen. „Unsere Kapelle wurde in dieser Zeit zu einem wichtigen Ort für Gespräche mit Angehörigenund belasteten Mitarbeitenden.“

Klinisches Ethik-Komitee
Ihr Mann und sie hatten mit anderen zusammen das Klinische Ethik-Komitee gegründet, das sich inzwischen in allen Kliniken etablierte. „Es geht darum, im Konfliktfall abzuwägen, was medizinisch machbar und was für den einzelnen Patienten sinnvoll ist. Ich leide manchmal darunter, dass sich unsere Gesellschaft so auf das Machbare stürzt. Nur wer aktiv ist und sein Leben selber gestaltet, ist anerkannt.“
Im Krankenhaus heiße es dagegen: Ich erleide etwas. „Ich denke, da sind wir Analphabeten. Wir brauchen eine Kultur, etwas auszuhalten. Das ist zutiefst theologisch.“
Die hochtechnische Medizin übersehe, was die Seele ist. „Seelsorge ist die Suche nach Kraftquellen, auszuhalten, was nicht zu ändern ist. Es gibt mehr Heilsames als gute Laborwerte.“ Ergreifend sei das Gebet. „Wenn dann Frieden im Raum ist, das kann man nicht machen. Das ist einfach Gnade.“

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Info
Die Verabschiedung von Pfarrerin Ursula Schmitz-Böhmig findet am 17. September 2020 um 14 Uhr in kleinem Kreis im Sindelfinger Krankenhaus statt und wird am 20. September im Gottesdienst in der  Martinskirche in ihrem Beisein abgekündigt

Abschied vom Dekansamt

Dr. Bernd Liebendörfer geht in den Ruhestand. 21 Jahre war der Dekan des evangelischen Kirchenbezirks Böblingen und zuvor seit 1982 als Pfarrer für die evangelische Kirche in Württemberg in Dienst. Die Verabschiedung durch Prälat Rose ist über die Internetseite der Böblinger Kirchengemeinde noch ein paar Tage abzurufen: www.evkirchebb.de. Bis Mitte August wird er im Dekanat auf dem Böblinger Schlossberg noch zu erreichen sein. Dann ist die Ära vorbei. Am Sonntag, 19. Juli hielt er in der Böblinger Stadtkirche seinen letzten Gottesdienst als Dekan, musikalisch gestaltet durch Kantor Eckart Böhm. Danach erwartete ihn draußen eine Gruppe der Bezirksbläser mit schwungvollen Grüßen unter Leitung von Bezirksposaunenwart Tobias Schweiker, ein paar Geschenke sowie ein Glas Sekt für ihn und sein Frau Martina.

Nach der Verabschiedung durch Prälat Rose erwartete ihn draußen eine Gruppe der Bezirksbläser mit schwungvollen Grüßen unter Leitung von Bezirksposaunenwart Tobias Schweiker ...


... ein paar Geschenke sowie ein Glas Sekt für ihn und sein Frau Martina.

 

Die Ausschreibung der Stelle für die Wiederbesetzung ist vom Wahlgremium auf den Weg gebracht. Das Wahlgremium setzt sich je zur Hälfte aus Kirchengemeinderäten der Gesamtkirchengemeinde Böblingen und des Kirchenbezirks zusammen. Mit der Neubesetzung ist erst im Jahr 2021 zu rechnen. Die Vertretung übernimmt Pfarrer Dr. Fritz Röcker, seit März 2020 Referent im Dekanat.

Text und Fotos: Pfr. Dieter Heugel, Magstadt

In einem Interview in Regio-TV Stadtgespräche blickt Dekan Liebendörfer zurück.

In einem Interview mit Pfr. Dieter Heugel blickt er zurück und voraus: pdf download

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