„Mein Gewissen ist gebunden an Gottes Wort“

Mit diesen Worten widersprach am 18. April 1521 Martin Luther Kaiser Karl V auf dem Reichstag zu Worms, der ihn aufgefordert hatte seine Schriften zu widerrufen. Das war der wichtigste Moment der Reformation und ein Urimpuls für die Glaubens- und Gewissenfreiheit, wie sie uns heute durch das Grundgesetz garantiert wird. 

Der 21-jährige Kaiser argumentierte, ein einzelner Mönch kann nicht der Wahrheitserkenntnis von Kirche und Papst widersprechen. Der Martin Luther zugesprochene Satz: „Hier stehe ich und kann nicht anders“ ist nicht überliefert, doch seine Haltung fasst er treffend zusammen. Seine Worte vor 500 Jahren waren: „Wenn ich nicht durch Zeugnisse der heiligen Schrift und klare Vernunftgründe überzeugt werde, .., so bin ich in meinem Gewissen gebunden in Gottes Wort. Daher kann und will ich nicht widerrufen, weil wider das Gewissen etwas zu tun weder sicher noch heilsam ist. Gott helfe mir, Amen!“

Das Mittelalter neigte sich dem Ende zu und in der nun beginnenden sogenannten Neuzeit wurden Vernunft und Gewissen des einzelnen Menschen zu wesentlichen Kriterien für die Handlungsorientierung. Nicht zuletzt der am 6. April 2021 mit 93 Jahren verstorbene bedeutende katholische Theologe Hans Küng argumentierte mit Vernunft, Gewissen und Bibel für Kirchenreformen und den Dialog der Religionen (Projekt Weltethos).

Pfr. Dieter Heugel