Gedanken zum Sonntag, 26. März 2017

 

 

 

Kurt Vogelgsang,
Evang. Pfarrer, Weil im Schönbuch

Der Frühling ist da

Wie tut es gut, wenn nach den kalten, dunklen und trüben Wintertagen die Sonne wieder kräftig scheint. Die Pflanzen blühen buchstäblich auf – und wir Menschen doch auch. Gewiss, auch der Winter hat seinen Reiz. Zudem ist er in unseren Regionen ja auch wichtig für die Natur. Keine Frage. Aber der frischen Frühlingsfreude tut das keinen Abbruch. Jedes Jahr aufs Neue. Und nun hat in dieser Woche auch kalendarisch der Frühling begonnen.

Der Termin für das Osterfest wurde bewusst in diese Jahreszeit gelegt. Der Ostertermin ist auf eigenartige Weise mit dem Frühlingsanfang verknüpft. Zudem spielt der Mond eine entscheidende Rolle: Der Ostersonntag ist nämlich der 1. Sonntag nach dem ersten Vollmond nach Frühlingsbeginn. Daher wechselt der Termin von Jahr zu Jahr, diesmal eben recht spät. Jedes Jahr bedenken die evangelischen Christen drei Wochen vor Ostern eines der Bildworte von Jesus:

Wenn das Weizenkorn nicht in die Erde fällt und erstirbt, bleibt es allein; wenn es aber erstirbt, bringt es viel Frucht. (Johannes 12,24)

Jeder Bauer weiß das: Es muss etwas von der guten Saat investiert werden, damit eine neue Saat ermöglicht wird. Wenn wir vom Alten nichts abgeben, kann nichts Neues wachsen. Jesus bezieht dieses Geheimnis des Wachstum auf sein eigenes Leben. Er musste das alte Leben aufgeben, um mit einem neuen Leben beschenkt zu werden. Das war alles andere als leicht. Aber das war das Ziel seiner Sendung von Anfang an: geboren um zu sterben. Dieses „Schicksal“ teilen wir mit ihm alle. Aber damit es nicht für immer und ewig so bleibt, schlägt Gott mit Ostern ein neues Kapitel auf. Er führt heraus aus der Sackgasse: mit einem neuen „Prinzip“: gestorben um zu leben.

Das Leiden und Sterben bedenken wir nun in der Passionszeit. Und manche erleben diese Zeit mit eigenen Passionserfahrungen; z.B. „7 Wochen ohne“. Bewusstes Verzichten auf etwas, das wir sonst nahezu unbewusst genießen, ist wie ein Abtauchen, ein In-die-Erde-Fallen: ja, fast wie ein bisschen Sterben. Aber dies mit dem klaren Ziel, das Leben neu zu entdecken.  

Jesus geht diesen Weg bewusst. Er lädt uns ein, ihm zu folgen. Unser altes Leben zu begraben, damit auch wir nicht allein bleiben, sondern zu einem neuen Leben mit ihm auferweckt werden. Dazu hat er das Tor bereits geöffnet: für uns alle. Auch unser Leben ist auf Frucht angelegt. Neues Leben schon jetzt mit der Perspektive auf (ewige) Frucht,

mehr als das: mit einer zuverlässigen Hoffnung auf einen immerwährenden Sommer bei dem, der selbst das Licht ist. 

Erst muss das Weizenkorn nach unten, in die Erde, bevor es wieder, gesegnet und vermehrt, nach oben kommt. Wenn es sagen würde: „Oben bleiben! Ich will nicht nach unten“, so würde es unversehrt bleiben – für eine gewisse, begrenzte Zeit. Aber auch allein. Irgendwann würde es doch zermahlen oder aufgegessen werden oder gar verschimmeln. Seine Lebensperspektive wäre überaus kurzsichtig. Es bliebe todeinsam und ohne Frucht. Das „Absterben“ eröffnet einen völlig neuen Blick: es ist nicht das Ziel, aber der Weg zum Neubeginn. „Wir pflügen und wir streuen den Samen auf das Land“ ist kein trauriges Lied. Die Pflanzarbeiten im Garten im Frühling sind von Freude und Hoffnung erfüllt.

Der Frühling ist schon auf die Ernte hin angelegt. Mit dieser Perspektive bereitet der Frühling noch mehr Freude! In unserer Natur sowie in unserem Herzen!