Gedanken zum Sonntag, 15. April 2018

Autor: Pfarrer Ulrich Zwißler

Die Saison ist eröffnet - in den nächsten Wochen werden sich wieder viele junge Menschen in den Evangelischen Kirchen konfirmieren lassen. Mit der Konfirmation übernehmen die Konfirmandinnen und Konfirmanden für sich, ihren Glauben und ihre Kirche Verantwortung. Das ist heute so und das war auch früher so. Und wie sich die Zeiten wandeln, so wandeln sich auch die Rahmenbedingungen rund um den Gottesdienst und die Familienfeier.

Die Konfirmation stellte früher den Übergang vom Kinder-/Jugendalter in das Erwachsenenalter dar. Die Konfirmanden waren mit der Konfirmation in der Regel dann auch mit der sog.  „Volksschule“ fertig und v.a. die Jungs stiegen in das Berufsleben ein, oder gingen auf weiterführende Schulen, die meist nicht am Ort waren.

Anders als heute war das eine deutliche Zäsur. Dieses „Erwachsen-werden“ macht(e) sich an vielen Traditionen fest, die sich neben der Konfirmation bis heute entwickelt haben. So bekamen in früheren Zeiten die Konfirmanden von Ihren Paten die erste Uhr geschenkt, als Zeichen dafür, dass sie jetzt selbstverantwortlich mit ihrer Lebenszeit umgehen können. Ein älterer Mann erzählte mir einmal, dass Jungs in seinem Ort nur kurze Hosen (im Winter mit langen Wollstrümpfen) tragen durften, ab der Konfirmation aber war ihnen erlaubt, lange Hosen zu tragen, als Zeichen dafür, dass man sie jetzt nicht mehr als Kind behandeln durfte. Auch die Geldgeschenke zur Konfirmation, die bis heute noch hoch im Kurs stehen, gehen darauf zurück. Den Konfirmanden wird damit nämlich zugetraut, jetzt mit größeren Geldsummen verantwortungsvoll umgehen zu können. Zugegeben, wir Erwachsenen fragen uns da manchmal schon, ob es wirklich immer so sinn- oder verantwortungsvoll ist, was sich die Konfirmanden da so kaufen … meine Eltern fragten sich damals auch ob es angebracht sei, als ich mir (1981) eine HiFi-Anlage von meinem Konfirmationsgeld kaufte (2x30 Watt Sinus; Zitat meiner Eltern „Wozu brauchst du eine so laute Anlage?“).

Diese „Randerscheinungen“ werden meines Erachtens oft viel zu kritisch und viel zu hoch bewertet (Wikipedia nennt das Geld als ersten Kritikpunkt an der Konfirmation [9.4.2018 – Artikel:  Konfirmation]). Ich bin davon überzeugt, dass unsere Konfirmandinnen und Konfirmanden nach einem ¾ Jahr Konfirmandenunterricht einen umfangreichen Einblick in Kirche und Glaube bekommen haben und einen (selbst-)kritischen Umgang mit Ihrer Tradition erlernt haben. Ihr „Ja“, dass sie in den nächsten Sonntagen sprechen werden, steht auf einem belastbaren Fundament und das sollten wir um unserer Tradition und unserer Konfirmandinnen und Konfirmanden Willen ernst nehmen: Sie sind nun ein Stück weit erwachsen geworden. Mit ihrer Konfirmation übernehmen die Konfirmandinnen und Konfirmanden für sich, ihren Glauben und ihre Kirche Verantwortung. Die Saison ist eröffnet - ich freu mich drauf!