Gedanken zum Sonntag, 20. August 2017

 

 

 

Pfarrer Markus Häberle, Holzgerlingen

Gibt es einen Gott?

Die Frage ist wohl schon so alt wie die Menschheit selbst.

Man darf, denke ich, annehmen, dass es für unsere Vorfahren einfacher war, diese Frage mit „Ja“ zu beantworten. Viele Naturphänomene z.B. waren für sie nicht verständlich und am ehesten mit göttlichem Wirken erklärbar. Die Frage war vermutlich nicht, „ob“ es einen Gott gibt, sondern allenfalls „wie viele“.

Doch ist diese Annahme, dass es (mindestens) einen Gott gibt wirklich sinnvoll? Was spricht denn wirklich dafür das zu glauben?

Das haben sich die Leute in der Antike, im Juden- und frühen Christentum auch gefragt. Und um ihren Glauben zu plausibilisieren, haben sie sogenannte „Gottesbeweise“ aufgestellt. Manche setzen auf philosophischer Ebene an. Andere in Beobachtungen der Natur.

Doch spätestens seit der Aufklärung ziehen diese „Beweise“ nicht mehr. Mit "vernünftigem“ Denken kann man mindestens ebensogut das Gegenteil "beweisen“. Eine Weltsicht vertreten, die ohne Gott auskommt.

Die Neuzeit hat uns gelehrt nur den Fakten zu trauen.

Doch welchen genau? Die großen Institutionen haben ein immer größeres Vertrauensproblem. Welche Fakten sind denn noch die „richtigen“ Fakten und welches sind die „alternativen“ Fakten? Die Konsequenz ist für viele: Man traut nur noch dem, was man selber gesehen oder überprüft hat.

Kein Wunder, dass ich heute viele Menschen treffe, die sagen: Ich bin Agnostiker. Ich kann nichts Wissen über das Jenseitige – über Gott. „Ich glaube nur, was ich sehe. Was ich auch selber erlebt habe.“

„Gut!“ sage ich. Das ist die richtige Einstellung! – Zumindest der zweite Teil.

Denn das ist der einzig wirklich sinnvolle Weg die Existenz Gottes zu
„beweisen“: Erfahrungen mit ihm zu machen. Zu erleben, dass es ihn gibt.

Wir müssen das nur wollen – Gott auch wirklich zu suchen. Denn dann – das hat er uns versprochen - dann lässt er sich auch von uns finden. (Jeremia 29,13f)

Für den einen geschieht das beim Pilgern oder in der Stille. Bei anderen bei der Bibellektüre oder in der Gemeinschaft mit anderen Suchenden - anderen Christen.

Ja! Es gibt einen Gott und wir können das auch heute noch erleben.