Gedanken zum Sonntag, 10. Dezember 2017

 

 

 

Pfarrer Moritz Twele
Evangelische Christuskirchengemeinde Böblingen

Mache dich auf, werde licht, denn dein Licht kommt (Jes 60,1).

Nun ist sie wieder angebrochen - die Adventszeit. Eine Zeit, in der wir uns gerne in aller Ruhe einmal hinsetzen – mit einer brennenden Kerze, um in ihrem Licht Ruhe zu finden.

Seit jeher haben Kerzen eine besondere Anziehungskraft auf Menschen ausgeübt. Das Kerzenlicht ist ein mildes Licht. Es erhellt den Raum nur teilweise. Es lässt manches im Dunkel. Und das Licht ist warm und angenehm. Die Kerze spendet ein Licht, das von vornherein die Qualität des Geheimnisvollen, des Warmen, des Liebevollen in sich birgt.

Das Licht der Kerze erhellt nicht nur, es wärmt auch. Und es erfüllt unsere Herzen mit Liebe – mit einer tiefen und geheimnisvollen Liebe. Es ist eine Liebe, die aus göttlicher Quelle strömt, eine Liebe, die nie versiegt. Wenn wir dieses Licht in unsere Herzen dringen lassen, dann können wir uns vorstellen, dass wir ganz und gar geliebt sind, dass die Liebe alles in uns liebenswert macht. Es ist letztlich Gottes Liebe, die uns da entgegenleuchtet.

Die Kerze besteht aus zwei Elementen: Zum einen besteht sie aus der Flamme, die das Geistige symbolisiert, da sie zum Himmel emporsteigt. Vor allen in katholischen Kirchen ist ein beliebter Brauch, dass Betende Kerzen entzünden. Sie drücken damit ihren Glauben aus, dass ihr Gebet weitergeht, solange die Kerze brennt. Und sie hoffen, dass durch ihr Gebet Licht in ihr eigenes Leben kommt und in das Herz der Menschen, für die sie diese Kerze anzünden.

Das zweite Element der Kerze ist das Wachs, das verzehrt wird. Für die frühe Kirche war daher die Kerze ein Symbol für Jesus Christus, der zugleich Gott und Mensch ist. Das Wachs ist Bild für seine menschliche Natur, die er aus Liebe für uns hingab. Und die Flamme steht für seine Göttlichkeit. So erinnern uns die Kerzen, die wir im Advent und an Weihnachten anzünden, an das Geheimnis der Menschwerdung Gottes in Jesus Christus. In der Kerze ist Christus selbst mitten unter uns. Er ist es, der mit seinem Licht unser Haus und unser Herz erhellt und es mit seiner Liebe erwärmt. Die Göttlichkeit Jesu leuchtet gerade in seiner menschlichen Natur auf.

Zugleich ist die Kerze auch ein Geheimnis unserer eigenen Menschwerdung. In jeder und jedem von uns möchte Gottes Licht in dieser Welt aufstrahlen. Seit der Geburt Jesu – damals im Stall – leuchtet Gottes Licht in jedem menschlichen Antlitz auf.

Ich wünsche uns, dass wir in der Adventszeit für andere Menschen zum Licht werden, das einen milden Schein wirft auf alles, was sie in sich selbst nicht anschauen möchten. Dann können auch wir – wie die Kerze – zu einer Quelle des Lebens und der Liebe werden.

Amen!