Gedanken zum Sonntag, 25. Juni 2017

 

 

 

Heidi Abe
Ev. Klinikpfarrerin Böblingen

„Woran glaubst Du?“

Diese Frage war das Thema der vielbeachteten diesjährigen ARD- Themenwoche. In einer Vielzahl von Sendungen, von der Reportage über Spielfilme bis zu Talkrunden und Satiresendungen wurde die Frage nach dem, woran Menschen glauben, thematisiert. Und egal, wie man die einzelnen Sendungen fand, sie hatten das Gute, dass das Lebensthema „Glaube“, das sonst im Fernsehen eher ausgespart ist,  Raum bekam.

Deutlich wurde: Menschen machen vieles zu ihrem Gott, - das kam ja bereits im Thema der Sendereihe zum Ausdruck, - als ob man sich als Objekt seines Glaubens irgendetwas aussuchen könnte, - auch etwa  aus dem großen Gemischtwarenladen von Esoterikmessen.

„Woran du dein Herz hängst, das ist dein Gott“, formulierte schon Luther aufrüttelnd kritisch. Freilich hat solcher „Glaube“ dann eher etwas mit pseudoreligiöser Wellness zu tun.   Sein Wahrheitsgehalt wird sich daran erweisen müssen,  ob er in einer Lebenskrise zu tragen vermag.   

Die Sendereihe hatte auch darin ihr Gutes, dass sie eine Plattform  bot für dieses Lebensthema, das in unseren Breiten als eher privat  angesehen wird. Man spricht ja in Deutschland sonst nicht so leicht  über den Glauben, dieses ganz intime Berührtsein von dem, den wir Gott nennen. Zu groß ist bei vielen die Sorge, dass sie belächelt werden oder dass das, was ihnen heilig ist, irgendwie in den Schmutz gezogen wird.

Es ist ja so: plausibel und vor dem Forum der Vernunft logisch erklären können wir sie nicht, die Sache mit dem Glauben. Glaubende kommen mit rationaler Logik schnell ans Ende, wenn sie die Frage nach dem Warum ihres Glaubens beantworten sollen. Und spätestens bei der nächsten kritischen Frage, wie man denn an einen Gott glauben könne, der so viel Leid zulasse und somit eine offensichtlich unvollkommene Welt geschaffen hätte, liegen mögliche Antworten außerhalb rationaler Argumentation.

Festzuhalten bleibt, dass Glaube nicht etwas ist, das wir  Menschen machen oder herbeireden könnten.  Vielmehr ist Glaube allemal ein  Geschenk und mag in Menschen lebendig  und tragend sein trotz eines schweren Leben. „Keiner glaubt an Gott, weil er seine Existenz beweisen könnte, sondern weil Gottes Wirklichkeit in ihm geschehen ist“, weiß  der Schriftsteller Reinhold Schneider (1903-1958).

Die Bewegung des Glaubens geht also in die andere Richtung. Nicht dass wir Menschen Glauben machen könnten, sondern Menschen erfahren  meist unerwartet und unerklärbar Gottes Spur in ihrem Leben, und dies oft auch trotz eines großen Maßes an Leid, das ihnen in ihrem Leben widerfahren ist. Und festzuhalten bleibt auch: Glaube wird nie zum Besitz, über den man so einfach verfügen könnte.

Vielmehr: mit dem  Glauben verschwistert  ist   immer auch der Zweifel, und damit verbunden dann die Distanz und Fremdheit in Bezug auf Gott bis hin zur radikalen In-Frage-Stellung Gottes.

Manchmal ist da dann nur noch die Sehnsucht nach Gott, die den Raum offen hält für die  Begegnung mit  Ihm, dem großen  Geheimnis der Welt. Sie ist ein kostbares Angelt auf das Geschehen, wo Glaube uns ergreift. Und das ist bereits sehr viel.