Gedanken zum Sonntag, 25. Februar 2018

 

 




Pfarrer Traugott Meßner, Holzgerlingen

Was ist uns unserer Freiheit wert?

Der morgige Sonntag Reminiszere ist der Gedenktag in der ev. Kirche für die verfolgten und bedrängten Christen auf dieser Erde. Es ist ja eigentlich schier nicht zu glauben, dass in unserer modernen Welt, in der die vielgerühmte Toleranz überall gefordert und gepredigt wird, gerade dort, wo Menschen Christen sind und ihren Glauben einfach für sich und als Gemeinde friedlich und in der Regel zum Wohl der Gesellschaft leben wollen, so nicht leben dürfen. Und wenn die Christen, ihren Glauben dann doch leben, werden sie bedrängt und verfolgt, ins Gefängnis gesetzt oder sogar getötet.

Laut des aktuellen Weltverfolgungsindex 2018 setzt sich der seit Jahren bestehende Trend fort, dass die Freiheit von Christen, ihren Glauben privat und öffentlich zu leben immer mehr eingeschränkt wird. In den 50 Ländern mit der aktuell stärksten Christenverfolgung leben etwa 4,8 Milliarden Menschen. Von ihnen bekennt sich eine Minderheit von über 600 Millionen zum christlichen Glauben. Davon sind mehr als 200 Millionen einem hohen Maß an Verfolgung ausgesetzt, weitere erleben Verfolgung und Diskriminierung in geringerem Ausmaß. Verfolgung wird von den Betroffenen immer subjektiv erfahren und lässt sich deshalb nicht klar definieren. Das UN-Flüchtlingshilfswerk verweist darauf, dass eine Bedrohung des Lebens oder der Freiheit aufgrund von Ethnie, Religion, Nationalität in jedem Fall als Verfolgung zu werten ist. Die Wahrnehmung der Christenverfolgung seitens Medien, Politik und Gesellschaft, beschränkt sich zumeist auf Vorfälle mit hoher Gewalt, z.B. Sprengstoffanschläge auf Kirchen mit vielen Toten oder besonders brutale Überfälle.

In vielen Ländern ist es die islamistische Bewegung, die das Ziel verfolgt, das Land in das Haus des Islam und damit unter die islamische Rechtsprechung  zu bringen. Dies geschieht durch Radikalisierung der Bevölkerung in mehrheitlich muslimischen Ländern, um den Herrschaftsanspruch des Islam zu fördern, und die Abkehr vom Islam zu verhindern. Christen, die dort ihren Glauben aktiv leben werden abgelehnt, vertrieben und verfolgt. Viele Länder Afrikas sind davon betroffen, aber auch in Indonesien und Bangladesch nimmt der Einfluss islamistischer Gruppen zu. Der IS und Al Kaida finden dort, nach ihrer Schwächung im Nahen Osten, zunehmend neue Anhänger. In anderen Ländern wie Indien, China, Vietnam und Laos greift ein religiös oder ideologisch geprägter Nationalismus immer mehr um sich, wodurch die Lage für Christen dramatisch verschlechtert wird, was sich in einer sprunghaften Zunahme von Gewalt gegen Christen zeigt.

Hinter diesen Fakten stehen unzählige Einzelschicksale, z.B. Hannah. Sie war mit ihrer Familie aus Nordkorea nach China geflohen. Dort wurden sie Christen. Kurz darauf wurde die Familie von der chinesischen Geheimpolizei verhaftet und an die nordkoreanische Behörde ausgeliefert. Sie kamen dort wegen ihres Glaubens in Einzelhaft und wurden gefoltert. Später wurden sie entlassen, der Mann aber starb an den Folgen der Folter. Hannah gelang mit 2 Kindern die Flucht nach Südkorea. Sie hofft und betet, dass auch die anderen beiden Kinder noch zu ihr kommen können.

Unglaubliches Leid! Gleichzeitig wird aber auch deutlich, welche Kraft der Glaube gerade den verfolgten Christen verleiht. Deshalb erreicht uns in Europa die Bitte verfolgter Christen immer wieder: Betet für uns.

Dazu ruft uns der Sonntag Reminiszere als Gedenktag für die verfolgten Christen auf, einerseits. Andererseits aber auch dazu, dankbar zu sein für die Freiheit, die wir als Christen in unserem Land erleben. Leben wir sie?!