Im Dialog mit dem Bischof

die Spannung steigt ...

letzte Vorbereitungen und Absprachen ...

 

 

 

 

 

 

 

Insgesamt 83 Dekanatsräte und Abgesandte der einzelnen Gemeinden des Dekanats waren zum Gespräch mit Bischof Dr. Gebhard Fürst am 21. Mai 2012 nach Böblingen gekommen.

 

... und dann 'endlich' kam der Mann auf den alle mit großer Spannung gewartet hatten: Bischof Dr. Gebhard Fürst

 

Schon an der Tür wurde er von einer Delegation aus der Seelsorgeeinheit Aidlingen-Ehningen-Gärtringen (SE 1) empfangen. Ein dicker Stapel ausgefüllter Fragebogen zum Dialogprozess wurde ihm zusammen mit (fast) roten Rosen überreicht - zusammen geschnürt in der liturgischen Farbe 'lila'.

Am Anfang stand ein Impuls dem ein Text vom Propheten Sacharja zugrunde lag:

 

 

Danach blickte ich hin und sah:

Da war ein Mann mit einer Messschnur in der Hand.

Ich fragte: Wohin gehst du?

Er antwortete mir:

Ich gehe, um Jerusalem auszumessen

und zu sehen, wie breit und wie lang es sein wird.

Da trat der Engel, der mit mir redete, vor

und ein anderer Engel kam ihm entgegen

und sagte zu ihm:

Lauf und sag dem jungen Mann dort:

Jerusalem wird eine offene Stadt sein

wegen der vielen Menschen und Tiere,

die darin wohnen.

Ich selbst - Spruch des Herrn –

werde für die Stadt ringsum eine Mauer von Feuer sein

und in ihrem Innern ihr Ruhm und ihre Ehre.

(Sach 2,5-9)

5 Themen - 5 Statements - 5 Diskussionsrunden:

Ermutigung statt Bevormundung

Das hierarchisch geprägte Rollenverständnis der Kirchenleitung macht es selbstbestimmten, mündigen Gläubigen zunehmend schwer, sich in der Kirche zu engagieren.

Hilfreicher wäre eine Rückbesinnung auf die Klarstellung Jesu (Mt 23,8ff), "Ihr seid untereinander alle Geschwister. [...] Wer unter euch groß sein will, der soll allen anderen dienen. Du aber stärke deine Brüder."

(Dr. Klaus Pawlek)

Bischof Fürst führte dazu aus, dass Menschen zu bestärken und zu ermutigen gehört zu den grundlegendsten Aufgaben eines Bischofs. Die Gläubigen in ihren Charismen zu fördern, nicht einzuengen, darauf liegt ein Schwerpunkt eines guten Hirtens. Bevormundung von mündigen Christen ist nicht nur nicht passend, sondern auch unwürdig.

Jesus selbst war ein großer Ermutiger der Menschen. Dieses wird besonders deutlich in den Worten der Bergpredigt. Diese sind da Maßstab für das Handeln.

 

Wiederverheiratete Geschiedene

Die wachsende Zahl wiederverheiratet Geschiedener stellt eine Herausforderung für die Katholische Kirche dar. Nach dem Kirchenrecht ist ihnen der Zugang zu den Sakramenten verwehrt.

Die Kirche in der Sicht des II. Vatikanischen Konzils als ein Instrument der Versöhnung zu sehen heißt auch, sich den Christen, die nach einer Scheidung eine zweite Bindung eingegangen sind, seelsorgerlich zuzuwenden:

- durch Begleitung bei der Aufarbeitung der Lebensgeschichte

- durch seelsorgerlichen Rat

- durch Zugang zum Sakrament der Versöhnung (Beichte) und der Kommunion

- durch Segnung der Zweitehe für gläubige Paare

(stellv. Dekan Anton Feil)

Der Bischof betonte, dass dieses Thema eine große Sensibilität braucht. Der Bischof ist sich der Not der Geschiedenen bewusst. Er hat oft mit Betroffenen gesprochen.

Bischof Fürst hat dieses Thema bereits mehrfach in die Diskussionen der Bischofskonferenz hinein getragen. Es braucht die Gemeinsamkeit der Bischöfe in dieser Sache.

Selbstverständlich sei es unabhängig davon aber, möglich nach anderen Formen, etwas einer Segensfeier für Wiederverheiratete, Ausschau zu halten.

Gemeindeleitung der Zukunft

Es gibt ohne Zweifel in der katholischen Kirche viele Frauen und Männer, verheiratet und unverheiratet, die allesamt wunderbare Priesterinnen und Priester für diese Kirche wären. Warum verschleudert die Kirche solche von Gott geschenkten Begabungen? Die große Mehrzahl der Menschen in unseren Kirchengemeinden würden Frauen wie Verheiratet nicht nur respektieren, sondern sogar wünschen. Wenn als Gegenargument immer die Nachfolge der männlichen Apostel genannt wird, muss man doch sehen, dass schon Augustinus in der Hl. Marie von Magdala die "apostola apostolorum", die "Apostolin der Apostel" gesehen hat.

(PR Hans-Joachim Remmert)

Bischof Fürst stimmte zu, dass die Frage nach Möglichkeiten der Gemeindeleitung ein zentrales und drängendes Thema sei, dass unbedingt angegangen werden müsse. Allerdings stellte er in dem Zusammenhang auch völlig klar, dass die Frage des Priesteramtes der Frau durch entsprechende lehramtliche Äußerungen von Papst Johannes Paul II. entschieden sei. Selbstverständlich seien Frauen aber wichtige Aufgabenträger in der Kirche. Schon heute wirkten sie als Wort-Gottes-Feier-Beauftragte, seien im Beerdigungsdienst tätig, sind Gemeinde- und Pastoralreferenten. Für ihn sei eine Kirche ohne Frauen überhaupt nicht vorstellbar.

 

"Laien wollen mehr beteiligt werden"

Bischof Fürst zieht Bilanz vom Katholikentag - Stuttgarter Nachrichten v. 21.5.12

Ökumene

Auf der Diezenhalde in Böblingen findet das Gemeindeleben von katholischen und evangelischen Christen unter einem Dach statt - im ökumenischen Zentrum.

Christen der beiden Konfessionen begegnen sich, tauschen sich aus, beten und feiern miteinander und möchten Leben im Sinne des Evangeliums gestalten. "Dass alle eins seien" (Joh 17,21), ist unser Traum - Katholizität leben - allumfassend und universal -, pluriform dem Evangelium verpflichtet.

Vielen ist es ein tiefes Bedürfnis, gemeinsam Eucharistie und Mahlgemeinschaft zu feiern. An diesem entscheidenden Punkt aber wird in der offiziellen Ablehnung der ökumenischen Mahlgemeinschaft die Trennung der Konfessionen schmerzhaft erfahren.

(Dr. Bernadette Peters)

Seit dem 1. ökumenischen Kirchentag 2003 in Berlin ist Bischof Fürst dieses Thema ein Herzensthema. Immer wieder wird die Frage nach dem gemeinsamen Abendmahl gestellt. Der Bischof machte den Anwesenden im Saal Mut, indem er auf eine tragfähige Überlegung hinwies, die Kardinal Schönborn vertreten habe: Ein Mensch, der die Realpräsenz Jesu Christi in Brot und Wein beim Abendmahl ehrlich aus dem Herzen mit 'Amen' beantworten könne, der kann auch zur Kommunion gehen. 'Wir dürfen niemanden wegschicken, der nach vorne tritt und 'Amen' sagen kann. Jedoch offen zum gemeinsamen Abendmahl einzuladen sei nach wie vor nicht möglich, stellte Bischof Fürst im Gegenzug genauso klar.

 

"Wir werden den Laien mehr Verantwortung geben"

Interview mit Bischof Dr. Gebhard Fürst - Stuttgarter Zeitung 21.5.12

 

 

Dialog in der Kirche?

In den vielfältigen Dialog-Veranstaltungen unseres Dekanats wurde immer wieder deutlich: Die Zeit des Hörens ist vorbei. Wir brauchen eine Zeit des Handelns! Angesicht dessen, dass viele Themen schon seit Jahren im Raum stehen, sind Frustrationen und Skepsis deutlich spürbar. Lohnt es sich überhaupt wieder und wieder in den Dialog zu treten? Wird sich etwas ändern? Und werden die Anliegen der Menschen ernst genommen und wahrgenommen als das was sie sind: kein billiger Protest, sondern eine - aus Glaube, Verwurzelung und Loyalität getragene - aufrichtige Sorge um die aktuelle und zukünftige Gestalt unserer Kirche?

(PR Annegret Hiekisch)

Der Bischof betonte, dass er selbst ca. 50 Veranstaltungen rund um den Dialogprozess auf Gemeinde-, Dekanats- und Diözesanebene absolviert hat. Dieser Weg des Dialogs werde selbstverständlich weiter gehen, denn der Dialog sei keine Sonderveranstaltung in der Kirche, sondern spätestens seit dem Konzil eine ihrer Grundbedingungen: 'Miteinander zu reden ist ein erster wichtiger Schritt in eine mögliche andere Zukunft und deshalb unverzichtbar.

Antwortenversuche (nicht immer leicht - wer kennt das nicht?) - leidenschaftliche Diskussionen - intensives Zuhören

 

... und dann endlich ein Pause

 

 

 

 

 

 

 

Zeit sich neu zu stärken

 

 

 

 

 

 

 

Zeit umzubauen

 

 

 

 

 

 

 

Zeit sich über das Gehörte auszutauschen

 

 

 

 

 

 

Zeit zu lesen, welche Fragen noch unbeantwortet sind

 

 

 

 

 

 

 

Zeit nachzudenken

 

 

 

 

 

 

 

Zeit das Kennenlernen zu vertiefen

 

Im anschließenden Fishbowl konnten Fragen gestellt und verschiedene Antworten gefunden werden.

 

Wovon träume ich?

Unsere Kirche in fünf Jahre - wie wo was?

Dekan Karl Kaufmann sprach zum Schluss für alle den Segen musikalisch begleitet von Marianne Aicher, Dekanatskirchenmusikerin, und Anton Gruber, Pfarrer in Weil der Stadt, am Klavier.

 

 

 

 

 

'Kirche beginnt bei dir und mir ...' - ein Lied, zum Mittanzen - Mitstampfen - Mitlachen. Ein Lied um sich gemeinsam am Glauben und dem Miteinander zu freuen...

 

                      ... eine Freude, von der sich der Bischof anstecken ließ.

 

 

 

 

 

 

wunderbar moderiert

wurde der Abend von:

 

Vieles konnte in den Blick genommen werden!

 

und dennoch mussten aufgrund der Weite der Themen und der Größe der Sorgen der Menschen viele Fragen, die auf den Pinnwänden stehen, unbeantwortet bleiben ...

 

Tiefschwarz war die Nacht als alle den Heimweg antraten. :-)

 

weitere Eindrücke vom Abend:

Presse

"Barmherzigkeit als Schlupfloch kritisiert" - Gäubote vom 23.7.2012

"Weniger Bevormundung und mehr Ermunterung" - KZ BB v. 24.5.2012

"Zeit des Hörens ist jetzt vorbei" - Gäubote v. 24.5.2012

 

Fotos: Angelika Kamlage, Dr. Dirk Steinfort

Text: Angelika Kamlage

 

 

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(ak)