Willkommen im katholischen Dekanat Böblingen

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Maria - nicht nur katholisch?

An Maria, der Mutter Jesu, scheiden sich immer wieder die Geister. Bei den Katholiken hat Marienverehrung – besonders zwischen 1850 und 1950 – zu einem Brauchtum geführt, das gerade im Mai Marienaltäre besonders mit Blumen schmückt, oder die Frömmigkeit in sog. Maiandachten ausdrückt.

Woher das kommt? Vorchristliches Frühlingsbrauchtum wurde durch verschiedene christliche Feiern aufgegriffen. Ursprünglich war das "Maigebet" eine Bitte um eine gute Ernte, ähnlich wie heute noch die Flurprozessionen ("Bitt-Tage") den Segen für die Felder und Früchte in dieser Jahreszeit erbitten. Ausgehend von Italien, Frankreich, Schweiz und Österreich verbreitete sich die marianisch geprägte Maiandacht in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts auch in Deutschland. Sie wurden verbunden mit "Maipredigten", die den Stellenwert dieser Andachten hervorhoben. Die Maiandachten und die Maipredigten förderten darüber hinaus die marianische Volksfrömmigkeit, durch die in den Menschen eine emotionale Schicht erreicht wurde.  Die Blumen und Blüten symbolisieren Maria in ihrer Gnadenfülle; sie wird als "die schönste Blume" besungen.

„Maria ist nicht nur katholisch“ – steht im evangelischen Erwachsenenkatechismus von 1975. Damit sollte gesagt werden, dass ihre mütterlichen Züge auch evangelische Christen ansprechen können und von einer tiefen innerlichen Sehnsucht zeugen. Und das Beispiel Marias steht für den Mut der biblischen Frauen, für den Weg Gottes auch ganz eigene Wege zu gehen. Gemeinsam in den Konfessionen scheint heute die Betonung darauf zu liegen, dass eine Verehrung Mariens (die nie angebetet wird) immer das Gerichtetsein auf Christus bedeutet – wie es das „solus Christus“ als eine zentrale reformatorische Errungenschaft ausdrückt.

Die Volksfrömmigkeit des letzten und vorletzten Jahrhunderts hat viele Elemente hinzugefügt, die heute manchmal nur regional verständlich sind und nicht zum zentralen Glaubensgut der Kirche zählen. Der Mai – eine Möglichkeit, über die Bedeutung Marias, der Mutter Jesu, neu ins Gespräch zu kommen!?

Text: Wolfgang Hensel
Bild: Michael Opalke