Das Dekanat Böblingen

Das katholische Dekanat Böblingen ist räumlich deckungsgleich mit dem Landkreis Böblingen und umfasst in 10 Seesorgeeinheiten 27 Kirchengemeinden und 8 muttersprachliche Gemeinden. Es bietet ihnen und den Verbänden des Dekanats Dienstleistungen und Unterstützung.

 

Die Dekanate leisten einen wichtigen Beitrag zur Vernetzung der kirchlichen Arbeit in einer Region. Sie verbinden die Diözese auf der einen Seite und die Kirchengemeinden auf der anderen Seite miteinander. Dazu wird durch diverse Angebote die Seelsorge vor Ort unterstützt. Gegenüber den Landkreisen sind die Dekanate wichtige Partner in politischen, sozialen und gesellschaftlichen Fragen.

Aus der Geschichte des Dekanats

Das katholische Dekanat Böblingen wurde erst am 01.01.1970 errichtet, als das Dekanat Weil der Stadt (1949 durch Aufteilung des Dekanates Neuhausen/Fildern entstanden) umbenannt und in zwei Teile geteilt wurde (damals zusätzlich noch das Dekanat Leonberg). Die heutige Form (Landkreis Böblingen) erhielt es 1974 mit der Auflösung und Integration des Dekanates Leonberg.

Das katholische Leben nach der Reformation begann erst im letzten Viertel des 19. Jahrhunderts durch den Bau der Eisenbahnlinie Stuttgart-Horb. Nur in Dätzingen (Johanniterorden) und in Weil der Stadt (Reichsstadt) war der katholische Gottesdienst bis dahin fortgeführt worden. Der erste Kirchbau war dann die St. Bonifatiuskirche in Böblingen, die am 24. Mai 1900 eingeweiht wurde.

Zu einem sprunghaften Anstieg der katholischen Bevölkerung im Landkreis kam es nach dem Zweiten Weltkrieg durch die Vertreibungen aus den damaligen Ostgebieten und später durch die Industrialisierung (Daimler, IBM, HP ..).

Orte besonderer kirchlicher Prägung

Grafenau-Dätzingen besitzt noch heute ein Schloss, das seit dem 13. Jahrhundert Johanniterkommende war. Das führte dazu, dass hier die Reformation nie ankam. In total protestantischer Umgebung zählte das Dorf noch im Jahr 1850 640 Einwohner, davon 6 evangelische. So wurde auch die St. Leonhardskirche (1812/13 durch König Friedrich erbaut und noch heute im Landesbesitz) Mutterkirche für Kirchengründungen im 19./20. Jahrhundert in der Region.

Weil der Stadt im Norden des Dekanates wurde bereits 1275 Reichsstadt und blieb deshalb auch nach der Reformation katholisch. Das bedeutendste Baudenkmal ist die St. Peter und Paul Kirche, die die ab dem 15. Jahrhundert als Nachfolgerin einer romanischen Basilika errichtet wurde; ein spätgotischer Hallenbau aus regionaltypischem Buntsandstein mit drei Türmen, manieristischem Sakramentshaus (1611), barockem Hochaltar (1700), prunkvoller Kanzel (1742) sowie bemerkenswerter Sakralkunst des 20. Jahrhunderts.

Der Astronom und Mathematiker Johannes Kepler ist berühmtester Sohn der Stadt und somit wohl auch des Dekanats. Er kam hier am 27. Dezember 1571 zur Welt und verbrachte seine Kindheit hier.

Pastorale Besonderheiten/Entwicklungen der Gegenwart

Das einzige Arbeiterzentrum der Diözese ist in Böblingen angesiedelt. 1973 wurde Paul Schobel zum ersten Industriepfarrer in der Diözese ernannt – und seit 1987 wird das freigewordene Gemeindehaus der St. Bonifatiusgemeinde zum Arbeiterzentrum mit vielen Angeboten für arbeitende und arbeitslose Menschen umgebaut.


Die „Renninger Krippe“, heute in der Malmsheimer Martinskirche, ist stark mit dem Namen Pfarrer Franz Pitzal verbunden und weit über die Dekanatsgrenzen hinaus bekannt. Mehr als 400 Figuren hat die verstorbene Renninger Künstlerin Hildegard Buchhalter diesem „Ereignis“ rund um Weihnachten beigesteuert, bei dem die ganze Kirche zu einer gigantischen Krippe mit jährlich wechselndem Thema umgestaltet wird.


Seit den 70er-Jahren hat der Landkreis seine Familienberatungsstellen durch die Mitträgerschaft der evangelischen und katholischen Kirche zu Beratungsstellen für Ehe-Familien- und Jugendfragen „umgebaut“. Diese diözesanweit einzigartige Konstruktion ist ein Musterbeispiel von gelungener Zusammenarbeit zwischen Kommunen und Kirchen in der Ökumene.


Die im Januar 2000 gegründete Paul Wilhelm von Kepler-Stiftung, Träger der vormaligen Caritas-Altenpflegeeinrichtungen, hat seit 2002 ihren Sitz in Sindelfingen, im Dekanat Böblingen, um nher an ihren Einrichtungen (allein 4 von 27 befinden sich im Dekanat BB) zu sein.

Katholisches Dekanat Böblingen

Die ökumenische Initiative „Bürger für Bürger" aus Weil im Schönbuch und Dettenhausen, ursprünglich eine „katholische“ Gründung, hat schon zweimal den Caritas-Preis der Diözese erhalten. Vorbildlich wird hier neben sozialer Einzelfallhilfe „Bürger für Bürger" in den letzten Jahren sehr viel für Kinder und Jugendliche geleistet. So die Patenschaften für Schüler beim Übergang von der Hauptschule ins Berufsleben, Bewerbertraining, Benimm- und Stilberatung für Hauptschüler, Nachhilfeunterricht für sozial schwache Schüler durch Gymnasiasten, sowie viele Aktionen zur Integration von Familien aus dem Übersiedlerheim in Weil in bestehende Strukturen.


28.09.2009, W. Hensel