Wenn nicht jetzt, wann dann?

 

Ein Dialog-Forum im katholischen Dekanat Böblingen

 

"Kirche am Scheideweg"

 

28. Januar 2011

Noch sind alle Stühle leer, doch bald wird es sich hier im Gemeindehaus in St. Klemens füllen.

 

Zunächst versammelten sich alle Teilnehmer - wie es von je her Sitte in der Kirche ist - zum gemeinsamen Gebet in der Kirche. In St. Klemens findet seit einiger Zeit regelmäßig ein Freitagsgebet um die Erneuerung der Kirche statt. 

An diesem Abend stand im Mittelpunkt des Gebets und dann auch während der späteren Diskussion ein Text aus der Apostelgeschichte - Kapitel 6 - Satz 1-7. (auch hier zu finden)

 

Die Wortkollekte sammelte

                                 Worte und Sätze ...

 

"begehrten auf"

              "wählt aus eurer Mitte"

                                                 "eine große Anzahl von den Priestern"

                    "gehorsam"

                                                                 "voll Geist und Weisheit"

            "legten ihnen die Hände auf"

Das katholische Dekanat Böblingen ist schon seit 2006 auf dem Weg (lebensnah Kirche sein) und mit ihm Dekan Karl Kaufmann. Der Dekan begrüßte am Anfang des Abends alle Gekommenen. Er lud alle Anwesenden zu einem offenen Dialog ein.

Diözesanrätin Maria Berger-Senn umriss kurz den Verlauf der Krise seit dem 28. Jaunar 2010 als Pater Mertes vor die Presse trat. Einmal angestossen rollt der "Ball" von Entdeckung zu Entdeckung - auch heute ist noch nicht abzusehen, ob und wann es ein Ende haben wird, auch wenn es im Moment ruhiger geworden ist.

Es ist Zeit für Reformen in der Kirche.

Dies ist nicht unbedingt eine neue Idee.

Kirche hat sich ständig im Wandel befunden -

   vor 2000 Jahren -

      vor 1000 Jahren -

         vor 100 Jahren -

            vor 50 Jahren 

und kann es auch heute wieder. Bereits am 25. Januar 2009 (!) predigte Erzbischof Dr. Robert Zollitsch, Vorsitzender der Deutschen Bischofskonferenz:

 

[...] Das Zelt (Anm. hier auf Erden) ist eine ganz und gar vergängliche Bleibe, geschaffen für Menschen, die immer wieder neu aufzubrechen haben und unterwegs sind. [...]

und

[...] Es ist doch faktisch so, dass für nicht wenige immer noch die kirchlichen Zustände der fünfziger Jahre als Ideal oder Bezugspunkt gelten, an denen auch heute noch Maß genommen wird. Paulus würde dem entgegenhalten: Vergangenheitsverklärung ist keine Kategorie des Christlichen. Maß zu  nehmen ist einzig und allein an der Botschaft Jesu und am Wirken des Geistes.[...]

und

[...] Doch Strukturen, Äußerlichkeiten können und müssen sich wandeln.

 

Mehr von Erzbischof Dr. Robert Zollitsch finden Sie hier.

 

Dr. Dirk Steinfort, Leiter der katholischen Erwachsenenbildung zeigte auf, dass der Beginn des Neudenkens nicht erst mit dem Bekanntwerden der Missbrauchsfälle 2010 begann, sondern schon viel früher - sowohl in den Köpfen des Kirchenvolkes als auch (!) im Denken der Kirchenoberen.

Nach so viel theoretischen Input war es dann Zeit dem Kirchenvolk Zeit und Raum zu geben, um zu benennen, was sie bewegt ... Hoffnungen, Wünsche, Ängste, Visionen, Sorgen ... eben alles, was da ist im Herzen eines wachen Christen, der seine Kirche liebt.

Dieses geschah noch einmal anhand des Textes aus der Apostelgeschichte (Apg 6,1-7). Pastoralreferent Hans-Joachim Remmert führte ein und aus, was kennzeichnend am Umgang mit dieser ersten Krise der jungen Kirche damals vor 2000 Jahren war - der Blick auf die Jetzt-Situation kam dann wie von selbst.

Was dann im Einzelnen in den verschiedenen Gruppen diskutiert, gedacht, überlegt wurde, konnte auf roten, blauen und grünen Kärtchen festgehalten werden - die Fragestellung (s.o.) machte die Zuordnung der Farben leichter.

Hier sind jetzt die gesammelten Ergebnisse aus den Gruppen zu sehen:

Im Fishbowl kam es zur abschließenden Diskussion.

So konnte noch einmal das Wichtigste gesagt und gehört werden, dass zusammenfassend von diesem Abend mit nach Hause genommen werden wollte.

 

"Bewahre uns Gott - behüte uns Gott" erklang zum Schluss des Abends als eindringliche Bitte an den großen Hörenden ... 

 

 

 

 

Die Kerzen sind verloschen - doch die Bitten leben weiter in den Herzen der Menschen. 

 

Am 03. Februar 2011 erschien in der Süddeutschen Zeitung folgender Artikel:

 

Theologen gegen den Zölibat / 144 Professoren unterzeichneten bisher die Schrift und verlangen darin u.a. das Ende des Zölibats ... mehr lesen

Pressestimmen:

 

Kath. Sonntagsblatt v. 13.2.2011 - "Wenn nicht jetzt, wann dann?"

Sindelfinger Zeitung v. 4.2.2011 - Wenn nicht jetzt, wann dann?"

Stuttgarter Zeitung v. 3.2.2011 - "Klare Worte an die Bischöfe"

Böblinger Kreiszeitung v. 2.2.2011 - "Ran an die brennende Geschichte"

 

 

Materialien zum Downloaden:

 

- kna v. 17.6.2010 - "Allenbach-Institut legt Studie..."

- Handout Erzbischof Dr. Zollitsch

- Arbeitsblatt / Bibelarbeit in der Gruppe

- Zusammenfassende Aufzeichnungen vom Abend

 

 

 

Fotos: Angelika Kamlage

Text: Angelika Kamlage

 

 

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(ak)