Von der Herausforderung, Nähe zu wagen

Die erste Staffel der neuen Reihe zu inklusiver Bildung ‚doppelt inklusive, oder: Kein Mensch ist perfekt‘ wurde abgeschlossen mit einem gut besuchten und höchst anregenden Gesprächsabend mit dem taubblinden Diakon Peter Hepp im Ökumenischen Gemeindehaus in Gärtringen.

Im Anschluss an den in der Woche zuvor gezeigten Film zeigten Peter Hepp und an seiner Seite die unermüdlich ‚lormende‘ (d.h. durch Gebärden dolmetschende) Assistentin Almuth Kolb, wie reich und vielfältig der Raum jenseits der Stille sein kann. Die Besucherinnen und Besucher, unter ihnen erfreulicherweise auch einige selbst behinderte Menschen, konnten dabei erfahren, wieviel Sensibilität, entgegenkommende Rücksichtnahme und vor allem auch Zeit nötig sind, um Verständigung und so Gemeinschaft herzustellen. Dabei stellten sich erneut –wie schon bei den vorhergehenden Abenden auch!- vor allem zwei Einsichten heraus: Viel entscheidender als der Umstand, behindert zu sein, ist im Alltag oft die Erfahrung behindert zu werden.  Und: Von einem taubblinden Menschen wie Peter Hepp lässt sich lernen, wie nötig, aber zugleich auch immer wieder neu wie schwierig es sein kann, um Hilfe bitten zu müssen.

 

Der (im besten Sinn des Wortes!) berührendste Moment des Abends war erreicht, als der taubblinde Peter Hepp eine 'einfach nur' gehörlose Besucherin einlud, nach vorne zu kommen und mit ihm gemeinsam die Möglichkeiten des Lormens auszuprobieren! Wunderbar! So konnte intensiv der Satz des Mottos erlebt und erfahren werden, dass eben kein Mensch perfekt ist und drum auf die Aufmerksamkeit und entgegenkommende Hilfe der anderen angewiesen ist. Sofern die anderen bereit sind, Nähe zu wagen. Denn spätestens an dem Punkt, an dem die Gebärden nicht mehr ausreichen, weil auch noch Blindheit dazukommt, hilft es nur noch, sich zu berühren und berühren zu lassen. So lautete dann auch der letzte Satz von Peter Hepp auf die Frage, was denn die ‚Nichtbehinderten‘ tun können, schlicht, lakonisch und – ungeheuer herausfordernd:

Haben sie keine Angst vor Nähe, lassen sie sich berühren!

 

 

Fotos: Holom, Dr. Dirk Steinfort

Text: Dr. Dirk Steinfort

 

 

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(ak)