Hauptsache gesund

Ausstellungsreihe mit Podiumsdiskussion

Mit einer lebhaften und anregenden Podiumsdiskussion ist die Ausstellung ‚Hauptsache gesund?!‘ im Böblinger Mehrgenerationenhaus zu Ende gegangen. Zuvor war die Ausstellung mit verschiedenen Veranstaltungen auch in der Kirche St. Maria auf dem Goldberg in Sindelfingen zu sehen gewesen.

Die keb im Kreis Böblingen zeigte ‚Hauptsache gesund?!‘ und thematisierte dabei Fragen von PND/PID genauso wie Möglichkeiten und Probleme des Lebens mit Behinderung in unserer Gesellschaft.

Wieweit beide Themenkomplexe zusammenhängen, zeigte sich nochmals in eindrücklicher Weise bei der abschließenden Podiumsdiskussion, die von Otto Kühnle, dem Chefredakteur des Böblinger Boten, hervorragend moderiert wurde. Im Zusammenhang mit den Möglichkeiten, die die genetische Forschung und Medizin heute zur Verfügung stellt, wurde gefordert: „Wir brauchen dringend eine Debatte darüber, was wir mit den sehr vielen Informationen machen, die wir heute bekommen können. Denn eine Gesellschaft, die auf Normen zugeht und durch diagnostische Möglichkeiten eine Vielfalt immer mehr ausschließt, muss sich fragen, was sie damit auch leichtfertig und unwiderruflich aufgibt.“ Die Gesellschaft insgesamt kann den Schatz einer bunten Vielfalt lernen und die Bereitschaft, mit heterogenen Lebenslagen umzugehen. Dagegen wurde von Roger Hahn ernüchtert konstatiert: „Wir sind das Land mit der höchsten Exklusionsquote. Die Bundesrepublik ist Weltmeister im Aussortieren.“

Inwieweit dieser beschämende Ist-Zustand nicht nur gegen das Menschenrecht auf Teilhabe verstößt, sondern den Menschen selbst und unserer Gesellschaft insgesamt viel Menschlichkeit und humaner Tiefe nimmt, wurde in verschiedenen Gesprächssequenzen deutlich.

So erzählte etwa Sylvia Wiesner-Jung vom Vorstand der Lebenshilfe Leonberg, die selbst Mutter eines behinderten Sohnes ist, vom großen Glück des gemeinsamen Lebens mit oft zwar kleinen Schritten: Aber ein „Glück, das mit Worten nicht zu beschreiben sei. Unser Leben ist insgesamt langsamer geworden. Aber wir haben Menschen kennengelernt, die mit uns leben und uns tragen, und wir führen so ein Leben, das so reich ist an Begegnungen und Erfahrungen. Wir lernen Menschen kennen, die sich Zeit nehmen, genauer hinzusehen, und wir lernen dadurch auch selbst, bewusster zu leben. Dies gibt eine enorme Freiheit, sich auch gelassen fallen zu lassen.“ Die Sprecherzieherin und Märchenerzählerin Laurence Schneider nahm diesen Faden auf, indem sie im Lauf des Abends drei Märchen der Brüder Grimm erzählte, die jeweils von Menschen handeln, die einen ‚Mangel‘ haben. Und die doch von der Kraft erzählen, die Zusage und Annahme bewirken können. Denn letztlich gelte doch: ‚Wir alle sind anders als die meisten anderen Menschen.“

Die Teilnehmerinnen und Teilnehmer der Veranstaltung, die noch lange nach dem offiziellen Ende in lebhaften Gesprächen beisammen blieben, waren sich einhellig sicher, dass noch ein weiter Weg für Gesellschaft und Kirche hin zu einer wirklich inklusiven Miteinander zu gehen sei. Dass aber Veranstaltungen wie diese einen guten, kleinen Mosaikstein dazu beitragen können.

Erfreulich aus Sicht der keb war als Fazit, dass es bei Planung und Durchführung von Ausstellung und Veranstaltungen gelungen ist, ein regelrechtes Netzwerk an Kooperationspartnern im Landkreis zu gewinnen: Hierzu gehören die Lebenshilfeeinrichtungen genauso wie die Seelsorge für Familien mit Kindern mit Behinderung, die Informations-und Vernetzungsstelle zu PND des Gesundheitsamtes im Landratsamt Böblingen, die Stadt Böblingen, der Treff am See und das Stadtcafé der GWW.

Text: Dr. Dirk Steinfort

Fotos: Dr. Dirk Steinfort

 

 

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(ak)