Die farbenfrohe Macht der Elemente

Hände in weißen Handschuhen recken sich hinauf in die Luft, formen aus Daumen und 

Zeigefinger ein Herz: Franz von Assisi lehrte die Armut, die Rückkehr zur Natur, 

Bescheidenheit und Lebensfreude. Das große Musical, das am Samstagabend die katholische Kirche St. Martin in Herrenberg füllt, feiert ihn als frohe, bunte und natürlich sehr lebendige Sensation.  

Wo das Publikum endet und die Schar der Musiker beginnt, das erkennt man an diesem Abend nur an den Farben: Die Sonnenkinder sind in leuchtendes Gelb gekleidet und beherrschen den linken Flügel des Altarraums - aber es gibt auch Kinder, die sich in die Farben anderer Elemente verkleidet haben, als Wasser und Luft, Feuer und Erde. Ein großer Chor thront dunkel zur Rechten, vor ihm die Band. 

Der christliche Folkmusiker Jonathan Böttcher vertonte Franz von Assisis Sonnengesang ursprünglich in sehr schlichter Form. Die Herrenberger Chorleiterin und Kirchenmusikerin Marianne Aicher entdeckte diese Musik, begeisterte sich, nahm aus purer Not heraus mit dem Komponisten Kontakt auf und erweiterte den vertonten Sonnengesang zum großen Opus für die Gemeinde, der nicht nur Franz von Assisis Werk vorstellt, sondern auch aus seinem Leben erzählt (der "Gäubote" berichtete). Pastoralreferentin Regina Zimmermann schrieb die Texte, die Böttchers Musik nun einfassen. "Irgendwie ist Francesco doch ein Spinner und ein Träumer", sagt ein Mädchen aus Assisi auf der Bühne. Franziskus und Klara, die ihm nachfolgt, sind für die Leute aus dem Ort also ein eigenartiges Paar. "Meinst du, sie sind auch verliebt?", fragen sie sich. 

Bunte Prozession 

Die Kinder von St. Martin ziehen in Prozessionen durch die vielen Zuschauer, die die Kirche füllen, sie singen, sie tragen Batikhemden, sie haben Mützen und Hüte auf dem Kopf, sie gehen mit großen Plakaten und Figuren umher. Für das Franziskus-Musical probten, bastelten, schneiderten, malten sie wochenlang. Vor mehr als einem Jahr nahm Marianne 

Aicher mit Jonathan Böttcher Kontakt auf, nach Ostern begann sie sich mit ihren 

Kinderchören auf das Musical vorzubereiten, im Oktober dann stieg der Erwachsenenchor in die Probearbeit ein. 

Hinter den Kindern, auf einer Leinwand, leuchtet die Sonne, leuchtet eine Weizenähre, glänzt ein Bergsee. Die Natur, die Elemente spielen wichtige Rollen, in diesem Tanz, diesem Gesang, der großen Show. Lichter kreisen über die Decke der Kirche und sind wie die Sterne, ein geflügeltes Pferd aus Feuer tritt auf. Immer wieder schwärmen die Kinder aus, stellen Wasser, Erde, Feuer, Luft spielerisch dar: Mit langen blauen Tüchern gehen sie an den Zuschauern vorbei, mit Peitschen aus rotem Krepppapier schlagen sie die Luft. Am Mikrofon stehen Mädchen mit Strohhut, ein anderes Mädchen trägt Weiß und spricht vor der Wand der Kirche, über den Köpfen der Zuhörer. 

Und eine Tänzerin, die Mona heißt, tanzt ihre eigene Choreografie zu Francescos 

Friedensgebet. "Für mich ist das das Herzstück des Musicals", sagt Marianne Aicher. "Der 

Friede lag Francesco am meisten am Herzen" - "Herr mach mich zu einem Werkzeug deines Friedens", lautet der Text. Raphael Schimetschek spielt den Francesco. Die Kinder, die ihn umkreisen, die singen und die ganze Welt sind, stammen aus den fünf Chören, die Marianne Aicher leitet, das jüngste unter ihnen ist drei Jahre alt. Mit dabei sind auch Schüler der dritten 

Klassen der Vogt-Heß-Schule, der Pfalzgraf-Rudolf-Schule und der Albert-SchweitzerSchule: Erstmals wirken sie mit bei einer Aufführung der Chöre in St. Martin. Fast 110 Kinder insgesamt singen und tanzen, rund 30 Jugendliche sind mit dabei, 50 bis 60 Erwachsene: Es ist was los im Gotteshaus. 

Komponist an der Gitarre 

Und der Komponist der Lieder sitzt nicht im Publikum, sondern in der Band: Jonathan 

Böttcher reiste eigens aus Hamburg an, um bei dieser unerhörten Neuinterpretation seiner Stücke mitzuwirken. Er spielt die Gitarre und singt Strophen, die vom Element der Luft erzählen, seine Stimme klingt markant und geübt. An seiner Seite: Anton Aicher am E-Piano, Barbara Goering an der Geige, Sabine Blasberg auf Flöten und Geige, Steffi Baumann und 

Renate Moschek mit Querflöten, Walter Wedel mit Trompete. Vivienne Kobel spielt das Saxofon und Hanna Kläger das Cello, Niko Aicher sitzt am Schlagzeug, Christian Liebler spielt Percussion und bringt Effekte ein. Sie sind wichtig: Immer wieder schlagen die Becken hell, das Geschehen ist dramatisch, erhebend. Manches bleibt dabei ein wenig im Dunkeln, aber das liegt auch in der Absicht der Inszenierung: "Uns war wichtig, dass das Publikum die Bilder und kleinen Filme auf der Leinwand gut sieht", sagt Marianne Aicher - die Bilder sollen leuchten, sprechen. Und der Applaus zuletzt ist gewaltig. Noch einmal kommen die Kinder mit ihren vielen Farben auf der Bühne zusammen, sie singen "Diese Nacht in Gottes Hand", nun sind es Notenzeilen, die auf der Leinwand leuchten - und die Kirche singt mit.

 

Text: Thomas Morawitzky

Fotos: Marianne Aicher, Annegret Hiekisch, Holom

 

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(ak)