Gedanken zum Sonntag, 24. Juli 2016

 

 

 

 

Pfarrer Bernd Rexer, Altdorf

ICH BIN DANKBAR FÜR DIE STEUERN

Ich weiß nicht, wie es Ihnen heute geht. Ob Sie gerade eine schwere Woche hinter sich haben. Die Sie viel Kraft gekostet hat und in der Sie sich so richtig ärgern mussten. Über andere Menschen, über eine große Enttäuschung. Über die Arbeit, die immer an Ihnen hängen blieb. 

Vielleicht haben Sie aber auch wunderschöne Tage erlebt. Und sie empfinden eine große Dankbarkeit. Denn Sie haben die wärmende Sonne genossen, die Begegnung mit einem lieben Menschen oder freuen sich auf den jetzt bald beginnenden Urlaub.  

Ärger und Dankbarkeit - beides gehört zu unserem Leben. Und doch gehen wir sehr verschieden damit um. Es kommt darauf an, wie wir Erfahrungen bewerten. Welche Grundstimmung unser Leben prägt. Eher die des sich Ärgerns oder die Haltung der Dankbarkeit. Wenn ich mich auch manchmal ärgere, so möchte ich mich doch viel stärker von der Lebensart der Dankbarkeit bestimmen lassen.

Konkret kann diese Grundhaltung dann so aussehen:

Ich bin dankbar für die Steuern, die ich zahle, weil das bedeutet, ich habe Arbeit und Einkommen.

Ich bin dankbar für die Hose, die ein bisschen zu eng sitzt, weil das bedeutet, ich habe genug zu essen.

Ich bin dankbar für das Durcheinander nach der Feier, das ich aufräumen muss, weil das bedeutet, ich war von lieben Menschen umgeben.

Ich bin dankbar für den Rasen, der gemäht, die Fenster, die geputzt werden müssen, weil das bedeutet, ich habe ein Zuhause.

Ich bin dankbar für die laut geäußerten Beschwerden über die Regierung, weil das bedeutet, wir leben in einem freien Land und haben das Recht auf freie Meinungsäußerung.

Ich bin dankbar für die Parklücke, ganz hinten in der äußersten Ecke des Parkplatzes, weil das bedeutet, ich kann mir ein Auto leisten.

Ich bin dankbar für die Frau in der Gemeinde, die hinter mir sitzt und falsch singt, weil das bedeutet, dass ich gut hören kann.

Ich bin dankbar für die Wäsche und den Bügelberg, weil das bedeutet, dass ich genug Kleidung habe.

Ich bin dankbar für die Müdigkeit und die schmerzenden Muskeln am Ende des Tages, weil das bedeutet, ich bin fähig, hart zu arbeiten.

Ich bin dankbar für den Wecker, der morgens klingelt, weil das bedeutet, mir wird ein neuer Tag geschenkt.