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Die Evangelische Kirche in Ehningen-Mauren

Ehemalige Wallfahrtskirche St. Maria und Pelagius

Der Ortsname „Mauren“ bezieht sich auf römische Mauerreste (lat. „muri“). Im Mittelalter lag Mauren an einer wichtigen Durchgangsstraße. Die Kirche geht wahrscheinlich auf eine sehr alte Gründung zurück. Sie war Filial der Pfarrkirche St.Brictius und Blasius in Altdorf und gehörte mit dieser zum Zisterzienserkloster Bebenhausen.  Sie war geweiht „zur Ehre der seligen Jungfrau Maria, des Pelagius, des Erhard und zur Ehre des Heiligen Kreuzes, der Jungfrau Margaretha und anderer Heiliger“ (Ablassbrief vom 5. Mai 1363). Pelagius war ein Heiliger des 3. Jahrhunderts, dessen Gebeine 904 nach Konstanz gebracht wurden; seit dieser Zeit war P. Mitpatron der Diözese Konstanz.
Mit der Maurener Kirche war eine Wallfahrt verbunden. Das Gnadenbild, eine Holzstatue Unserer Lieben Frau der Zeit um 1340, befindet sich heute im Württ. Landesmuseum in Stuttgart.
 
Nach der Reformation wurden Wallfahrts- kirchen in Altwürttemberg gewöhnlich zerstört. Die Maurener Kirche entging diesem Schicksal vermutlich deshalb, weil die Grundherren ihr Erbbegräbnis in der Kirche hatten. 


Noch im 17. Jahrhundert fand in Mauren am Tag des Hl. Pelagius (28. August – ein günstiger Termin nach der Ernte !) ein  Markt statt, der Bolaimarkt genannt wurde (Bolai für Pelagius).  Und noch heute ist die Kirche eine der wenigen „Eigenkirchen“ des Landes; sie gehört als „Liegenschaft“ zum Hofgut Mauren.

Die Kirche ist eine sogenannte Chorseiten- turmanlage. Sie hatte einen romanischen Vorgängerbau des 11/12. Jahrhunderts. An diese romanische Kapelle baute man wahrscheinlich im 14. Jahrhundert den heutigen Turm und Chor an. Um 1470 wurde das romanische Schiff abgebrochen und das heutige gotische Schiff erbaut.  Dabei benützte man im Mauerwerk des Schiffs Bogensteine von Rundbogen- fenstern des Vorgängerbaus (s. Bild Südportal).
 

das Südportal
Nach der Reformation und dem Ende der Wallfahrt war die Kirche für die kleine Gemeinde in Mauren viel zu groß; sie verfiel in der Folgezeit zunehmend. 1827 wurde der Chor vom Schiff durch eine Mauer getrennt; seitdem wird das Schiff vorwiegend als Speicher genützt.


Im Chor finden  im Sommer einmal im Monat Gottesdienste statt. 2001 wurde der  Chor mit zwei Glasfenstern von Fritz Mühlenbeck geschmückt. Zur Ausstattung der Kirche gehört auch ein wertvoller Elfenbeinkruzi- fixus der Barockzeit, der heute besonders verwahrt wird und nur ausnahmsweise zu sehen ist. 
 
 

Blick von Süd-Osten
Ein im Kloster Bebenhausen arbeitender, fähiger Baumeister muss den Bau geleitet haben. Das Maßwerk der Fenster und das Tympanon des Nordportals sind vorzüglich. 


Die Maurener Wallfahrt hat zeitweise sehr geblüht. Die Pilgerscharen betraten die Kirche durch das Südportal auf der Straßenseite. Sie zogen dann zum Gnadenbild am Hauptaltar, verrichteten ihre Andacht, und verließen die Kirche wieder durch das Nordportal.
 

Blick auf den Westgiebel
Zu erwähnen ist auch das Maurener Schloss, ein Bau von Heinrich Schickhardt, der im 2.Weltkrieg zerstört wurde; die Ruine ist im Park gegenüber der Kirche zu sehen. Seit kurzem ist sie überbaut mit 2 modernen Bungalows..
[GBt]   
Mauren liegt an der Straße von Holzgerlingen nach Ehningen. Parken bei der Kirche. 
Besichtigung nach telefonischer Absprache mit Familie Kenntner-Scheible, 
Hofgut 71139 Ehningen-Mauren, 
Tel. 07034-653542 
Über Gottesdienste im Chor informiert der Gottesdienstplan in der Presse und die Homepage der Ehninger Kirchengemeinden.
Literatur: Kirchen im LK BB - A. Schahl, 
Die ehem. Wallfahrts- und Pfarrkirche zu Mauren, 1974