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10 Jahre Diakonieladen Böblingen am 31. Januar 2013

Am 31. Januar 2003, also vor 10 Jahren, wurde der Diakonie-Laden Böblingen eröffnet. Damals noch mit der Spannung, wie die Akzeptanz in der Bevölkerung aussehen würde.

 

Inzwischen ist der Laden durch die kundige Leitung von Frau Erika Aichele und Herrn Gotthard Ludwig und der Mitarbeit weiterer inzwischen 35 ehrenamtlicher Frauen ein echtes Erfolgsmodell geworden. Der Laden bietet nicht nur Personen mit kleinem Geldbeutel eine sehr günstige Gelegenheit, gut erhaltene und manchmal sogar neuwertige Kleidung und Haushaltswaren, Geschirr, Kinderspielzeug, Bücher und sogar Schuhe zu erwerben, die in ansprechender Weise angeboten werden.

 

Der Laden lebt von Bürgern, die gut erhaltene Kleidung – oft auch ganz neuwertige – spenden. Diese können dann zu sehr günstigen Preisen (der Durchschnitt liegt bei 3,51 € !) wieder angeboten werden. Damit kann sich mancher etwas leisten, was sonst für ihn oder sie unerschwinglich wäre. 

Aber auch Secondhand-Freunde können hier kaufen, weil der Laden jedem offen steht. Dazu passt das Motto: „Wer’s hat, soll’s bringen, wer’s braucht, soll’s holen.“

 

Festgottesdienst
Das Jubiläum wurde am 27.1.2013 zunächst mit einem Gottesdienst, den Dekan Liebendörfer in der Stadtkirche Böblingen hielt, gefeiert. Hier bedankte sich auch der Geschäftsführer des Evangelischen Diakonieverbands, Ralph Fleischmann, sehr herzlich für die finanzielle Unterstützung der Arbeit des Hauses der Diakonie. Vom Reinerlös des Ladens können nicht weniger als drei Stellen der dortigen Sozialarbeit sehr wesentlich mitfinanziert werden. Dies sind die allgemeine Sozialberatung, die Schuldnerberatung und bisher der sozialpsychiatrische Dienst, künftig die Tumorberatung.

Feier im Restaurant Lago
Ehrenamtliche
Die 10-jährigen ehrenamtlichen Mitarbeiterinnen des Diakonieladens bei der Jubiläumsfeier
Ehrenamtliche Mitarbeiterinnen im Diakonieladen anäßlich des 10jährigen Jubiläums
... und hier die anderen ehrenamtliche Mitarbeiterinnen des Diakonieladens bei der Jubiläumsfeier. Sitzend links: Siegfried Dreher (Leiter Diakonieladen), rechts: Herr Stenfeld (Mitarbeiter für die Raumpflege)

Links: Dekan Liebendörfer mit Dr. Wahnschaffe-Grotz (2. Vorsitzende im Diakonischen Bezirksausschuss) bei der Ehrung.

Erika Aichele (Leitung Diakonieladen) mit Herrn K. Blutke.

Im Anschluss an den Gottesdienst wurden bei einem Festessen besonders die 20 Frauen geehrt, die schon seit 10 Jahren in diesem Laden ehrenamtlich Dienst tun, aber auch den anderen noch jüngeren Mitarbeiterinnen galt der Dank von Dekan Liebendörfer und vom Diakonischen Bezirksausschuss mit Frau Rosemarie Hirschmann und Frau Dr. Wahnschaffe-Grotz an ihrer Spitze.

Presseempfang

Am Montag war dann schließlich die Presse und die kommunale Öffentlichkeit zu einem Empfang eingeladen, wobei sowohl OB Wolfgang Lützner als auch Sozialdezernent Alfred Schmid ein Grußwort und Glückwünsche überbrachten.

Nach der Begrüßung der Gäste durch
Dekan Bernd Liebendörfer
wandte sich im Auftrag der Geschäftsleitung

Gotthard Ludwig, der langjährige Leiter des Diakonieladens (zusammen mit Erika Aichele) an die Anwesenden, ganz besonders an den Sozialdezernenten des Landkreises, Alfred Schmid, und an OB Wolfgang Lützner aus Böblingen und erklärte:

 

„Sie tragen beide dafür Verantwortung, in Stadt und Land  für wirtschaftliches Wohl zu sorgen. Unser Diakonie-Laden in Böblingen enthebt Sie nicht der Sorge, aber wir können Sie ein klein wenig entlasten!

Ich kann mich noch gut an den Start dieser sozialen Einrichtung erinnern. Die Idee dazu ist wenigsten 12 Jahre alt. Sie stammt vor allem von Ralf Fleischmann, dem heutigen Geschäftsführer des Evangelischen Diakonie-Verbandes im Landkreis Böblingen.

Sie werden sich an die Zeit nach der Einführung unserer heutigen Währung erinnern. Viele Unternehmen haben Arbeitsplätze in das benachbarte oder auch weiter entfernte Ausland verlagert. Die Arbeitslosenzahlen stiegen und die Zeitungen waren voll von Horrormeldungen. Heute hat sich manches zum Positiven verändert. Arm ist aber nicht nur dann jemand, wenn er sich kein Brot kaufen kann.

Zu diesem Zeitpunkt  entstanden im Land Tafelläden. Die Menschen sollten mit wenig Geld etwas zu essen bekommen. So wichtig wie etwas zu essen ist aber auch, etwas zum Anziehen zu haben. Arm fühlt sich der Bürger ja auch, wenn er sich nicht mehr am gesellschaftlichen Leben und an der Kultur beteiligen kann. Da gibt es immer viel zu tun!

Gleichzeitig war aber auch die Absicht in den Haushalten weit verbreitet, die nicht mehr benötigten Textilwaren einem nützlichen Zweck zuzuführen. Wie kommen die beiden Dinge zusammen?

Wir haben uns zum Vermittler aufgeschwungen und den Diakonie-Laden Böblingen gegründet. Nach der Eröffnung titelte die Böblinger Zeitung: „Das christliche Prinzip der Solidarität und Nächstenliebe besitzt jetzt in Böblingen eine Geschäftsadresse". Diese hohe Anerkennung hat damals alle Helfer beflügelt und den Grundstock für die heutige Situation geschaffen.

Wie Sie wissen, ist dieser Laden vor allem von ehrenamtlichen Mitarbeitern abhängig. Die Überschussgelder werden von der Diakonie dringend benötigt. Wissen Sie, Herr Oberbürgermeister, wie viele Ehrenamtliche in unserer Stadt die Chance an der gesellschaftlichen Mitgestaltung wahrnehmen? Ich denke, Kommune und Kirche sind in gleicher Weise in dieser Sache engagiert und deswegen wäre es schon einmal interessant, darüber eine Erhebung zu  erarbeiten. Sich ehrenamtlich einzubringen macht Freude, hält jung und fördert natürlich soziale Kontakte. Wichtigste Gegenleistung ist die Anerkennung dieses Einsatzes.“

Sozialdezernent Alfred Schmid

Sozialdezernent Alfred Schmid:

Stellvertretend für Landrat Roland Bernhard und im Namen des Landkreises möche ich mich bei den zahlreichen ehrenamtlich Engagierten herzlich bedanken für den erfolgreichen Betrieb des Diakonieladens Böblingen und die damit verbundene 10-jährige Erfolgsgeschichte.  Dieses gute Sortiment preiswerter, gebrauchter und gut erhaltener Ware ist für viele Menschen mit schmalem Geldbeutel ein Segen. Die freundliche Atmosphäre, geduldigen Mitarbeiter, die gerne mit Menschen zusammen sind und für Menschen uneigennützig arbeiten, das ist was ganz Besonderes und verdient Respekt und gesellschaftliche Anerkennung.
Dass sozial benachteiligten und gesellschaftlich ausgegrenzten Menschen das aktive Interesse des Evang. Diakonieverbandes gilt, ist Ausdruck praktizierter christlicher Nächstenliebe.

 

OB Lützner zeigte sich ebenfalls beeindruckt von den vielen schönen Dingen im Laden und meinte, es sei schade, dass er dies jetzt erst mit eigenen Augen sehe, sonst hätte auch er selbst schon manches hierher bringen können. Den Mitarbeiterinnen gelte sein besonderer Dank für diese wichtige soziale Arbeit für die Bürgerinnen und Bürger der Stadt Böblingen und darüber hinaus.

Zum Abschluss zitierte Siegfried Dreher, der seit kurzem zusammen mit Erika Aichele den Diakonie-Laden leitet, ein Wort von Michael Ende: „Es gibt Reichtümer, an denen man zugrunde geht, wenn man sie nicht mit anderen teilen kann“, und er meinte, es sei ein Glück, dass es vor 10 Jahren in Böblingen genügend Bürger in Böblingen und darüber hinaus gab und immer noch gibt, die das begriffen haben und immer wieder neu in Taten umsetzen. Wenn es diesen Laden noch nicht gäbe, müsste man ihn schleunigst erfinden.

Links: Gotthard Ludwig informiert über den Werdegang des Diakoniladens (hatte bis 2012 die Leitung), am Tisch OB Lützner.

Mitte: ... mit Siegfried Dreher (leitet heute den Diakonieladen).

Rechts: Dekan Liebendörfer mit Ralph Fleischmann (Geschäftsführer Ev. Diakonieverband).

Fotos: Diakonieladen / K. Blutke