Goldrausch in Burkina Faso

Nach Goldfunden im Norden Burkina Fasos buddeln nicht wenige Burkinabé auf der Suche nach dem großen Glück. Ganze Familien, ja ganze Dörfer sind im Goldrausch. Eine Reisegruppe des Evangelischen Kirchenbezirks Böblingen hat die Goldsucher in Kandarzana besucht. Das Resultat: Sehr ernüchternd -

 

Das Goldfieber hat sie gepackt – nicht nur die Bewohner von Kandarzana, einem burkinischen Dorf am Rande der Sahelzone. Es hat sich in Burkina Faso herumgesprochen, dass um Dori, einer Wüstenstadt im Sahel Goldfunde gemacht wurden. Dort werden Minen mittlerweile professionell abgebaut, was auch dem Staat erhebliche Einnahmen verschafft. So betrug die Goldausfuhr 2010 62,9% aller Handelsgüter. Solche Zahlen versetzen die Menschen in einen wahren Goldrausch. So auch in Kandarzana.

 

Die Delegation des Kirchenbezirks Böblingen besuchte die dortige Kirchengemeinde, da hier der Kirchenbezirk Entwicklungsprojekte unterstützt hatte. Ein beeindruckender Gottesdienst mit vielen Liedern, ein anschließendes Mittagessen (für burkinische Verhältnisse ein Festmenü) und ein Hammel als Gastgeschenk der Kirchengemeinde ließen den Sonntagvormittag zu einem unvergesslichen Erlebnis werden.

 

Und dann das Kontrastprogramm:

Wir fahren über 5 km Sandpiste und treffen Hunderte Frauen, Männer und Kinder, die im wahren Goldrausch die Erde systematisch Kubikmeter für Kubikmeter umgraben, sieben, auswaschen. Die Goldfunde um Dori haben sie ebenfalls zu Goldsuchern gemacht. Doch wir sind geschockt: In völlig ungesicherten Erdlöchern, nicht größer als 60 x 80 cm aber 20 und mehr Meter tief fördern sie Eimer für Eimer nach oben. Dort sieben Frauen jeden Eimer, eine riesige Staubwolke überdeckt das Plateau. Völlig verdreckt sitzen ein paar Jungs am Rande ihrer Löcher, japsen nach Luft, haben Atembeschwerden. „Kinder passen besser in die Löcher als Erwachsene“ erklärt man uns, „sie haben weniger Angst und sind vor allem beweglicher“. Welche Funde hat man denn schon hier auf der Fläche so groß wie mehrere Fußballfelder gemacht, wollen wir wissen. „Bisher hat hier noch niemand Gold gefunden“, das bestätigt uns auch ein Händler, der mit Goldwaage eigens aus der 200 km entfernten Hauptstadt Ouagadougu angereist war. Das hält offenbar niemand ab.

 

Was treibt diese Menschen eigentlich an? Es ist der Traum, der Armut ein für alle mal zu entfliehen, der Traum von einem Leben ohne Hunger, von einem Leben in gesicherten Verhältnissen ohne Angst vor dem nächsten Tag. Verstärkt wird der Goldrausch durch Missernten Ende 2011, eine Hungersnot ist unausweichlich. Viele glauben, dass sie nichts mehr zu verlieren hätten.

 

Die Träume werden in Kandarzahna wohl nicht in Erfüllung gehen. Doch das ist nicht das Schlimmste. Ihr Goldfeld war mal ein Hirseacker, den gibt es nun nicht mehr. Ihre Arbeitskraft stecken sie in ein erfolgloses Unternehmen, in der Landwirtschaft hätten sie mehr davon gehabt. Ihre Gesundheit ist ruiniert und das ohnehin knappe Geld wird in Ausrüstung wie z.B Schaufeln, Eimer und Siebe gesteckt.

Doch das Schlimmste: Ihre Hoffnung auf bessere Zeiten ist endgültig dahin.

 

Schnelle Lösungen und gute Ratschläge unsererseits sind nicht angebracht. Wir müssen auf dem bisherigen Weg weitergehen: Programme im Bereich der Lebensmittelgrundsicherung, Verbesserung des Zugangs zu sauberem Wasser und vor allem Bildung für die Jugend. Nur so lassen sich langfristig die Perspektiven verbessern, vielleicht auch in Kandarzana.

 

Karl-Heinz Münch

20. März 2012

 

Video der Tagesschau zu diesem Thema