Schauen, was der Mensch braucht

Vom Bezirksforum der Evangelischen Kirche am 23. September 2016
in der Murkenbach-Aula, Böblingen

Prälat Dr. Christian Rose (mitte) im Gespräch mit Dekan Dr. Bernd Liebendörfer und Krankenhauspfarrerin Ursula Schmitz-Böhmig (Foto: Lück)

 

Alle Zweige des Evangelischen Kirchenbezirks präsentieren sich / Außenwirkung der Kirche? - Fragen an Podiumsgäste

Ein Bezirksforum war der Anfang der Visitation des Böblinger Dekanats durch den Regionalbischof, Prälat Dr. Christian Rose. Er wird im Februar zwei Wochen den ganzen Bezirk besuchen.
In der Aula am Murkenbach präsentierten sich auf Einladung von Dekan Dr. Bernd Liebendörfer und dem Vorsitzenden der Bezirkssynode, Arnd Rehn, alle Zweige des Kirchenbezirks: der Diakonieverband beispielhaft mit dem sozialpsychiatrischen Dienst und der Suchtberatung, das Sonntagsessen, der ökumenische Hospizdienst - seit zehn Jahren auch für Kinder und Jugendliche, das evangelische Jugendwerk, Schuldekanin Ursula Ripp-Hilt, das Haus der Familie Sindelfingen, die Erwachsenenbildung in Böblingen einschließlich der Partnerschaft mit Burkina Faso und dem Gast Hamidou Savadogo, die Kindergartenfachberaterin Christa Krämer, die Mitarbeitervertretung, die Bezirksfrauen, die Klinikseelsorge, der Diakonie-Laden in Böblingen und die Betriebsseelsorge in Sindelfingen. Die Musik vertrat der Bezirksposaunenchor unter der Leitung von Tobias Schweiker. Der Nachfolger von Matthias Hanke, Daniel Tepper, kommt erst im Oktober.

„Nahe am Menschen“ wollen all die Haupt- und Ehrenamtlichen sein mit ihrem Tun. „Dahinter steht die Überzeugung, dass Christus uns täglich neu zu den Menschen schickt. Es geht um Verkündigung und Diakonie, um reden und tun. Beides gehört wesentlich zum Auftrag der Kirche - dass sie nach außen geht und schaut, was der Mensch braucht und sie ihm hilft“, betonte der Dekan.

Zur Außenwahrnehmung wurden Schulleiterin Irene Wilfinger aus Magstadt, IHK-Präsidiumsmitglied Carsten Claus von der Kreissparkasse und Dr. Jürgen Nüssle als Vertreter der Kreisärzteschaft befragt.

Die Rektorin wünschte sich guten Religionsunterricht mit moderner Pädagogik. „In der ersten Klasse sind 19 evangelisch getauft, aber 33 besuchen den Religionsunterricht. Das ist eine gute Chance, ihnen das Christsein vorzuleben.“ Mit der muslimischen Religionslehrerin gab es zwei religiöse Feiern im Dialog - „Ganz toll! Was wir können, müsste auch die Gesellschaft können.“

Claus sprach der Kirche eine große Rolle zu, wichtiger aber sei die Arbeit als Basis fürs Einkommen und das gesellschaftliche Leben. Der Arzt erlebt bei Schwerkranken und Sterbenden, dass das Materielle nicht mehr so wichtig ist. Was die Krankenhausseelsorger da einbringen - Zeit für Gespräche - ist Zeit, die die Ärzte nicht haben.

Sindelfingens Oberbürgermeister Dr. Bernd Vöhringer bezeichnete die Martinskirche als kulturelles Herz der Stadt und erinnerte an den Kirchentag beim Stadtjubiläum. Die Kirche helfe bei vielen Umbrüchen, etwa bei der Integration von Flüchtlingen und beim Besuch einsamer alter Menschen.

Sozialdezernent Alfred Schmid verwies auf die gute Zusammenarbeit zwischen den Diensten der Diakonie mit dem Landratsamt. „Ich sehe die evangelische Kirche auch als Kaderschmiede des Engagements und als Gestalterin für eine gerechte Gesellschaft.“

Sorge um alte Menschen
Dass die Sorge um die alten Menschen wichtig ist, bestätigte Sozialwissenschaftler Daniel Hörsch in seiner Sozialraum-Studie. Der Landkreis Böblingen belege bei Wirtschaft und Wohlstand bundesweit Plätze im ersten Drittel, aber die Gruppe der 40- bis 65-Jährigen und Ältere nähme auffallend zu, was die Zahl der Pflegebedürftigen verdoppelt habe. Die Zahl der Konfirmanden werde sich dagegen halbieren.
Die Erwachsenenbildung habe es künftig weniger mit klassischer Seniorenarbeit zu tun als mit kosmopolitischen, mobilen Menschen, die sich nicht so leicht in Gemeindearbeit einbinden lassen. Im kirchlich geprägten Distrikt Süd wie auch in Böblingen und im Norden leben flexible, weltoffene Menschen, die trotzdem das Bedürfnis an Verankerung und Zugehörigkeit haben. Die Sindelfinger Bevölkerung sei eher traditionell.
Unproblematisch fand der Sozialwissenschaftler die Zunahme an Ausländern: „711 Migranten im Quartal sollte zu verkraften sein. Wir sind auf Zuwanderung angewiesen.“
Nicht überraschend: „Das Rückgrat der evangelischen Kirche ist weiblich.“

Renate Lück, Artikel auch erschienen in der Sindelfinger Zeitung

Bilder vom Bezirksforum

Fotos: U. Kirste (falls nichts anderes angegeben)

Kirche und Gesellschaft, wie läuft das Zusammenspiel in unserem Kirchenbezirk? wie wird die Kirche von der Öffentlichkeit wahrgenommen? Moderatorin Ursula Wagner, Erwachsenenbildung Leonberg, befragt dazu in zwei Talkrunden:
Linkes Bild: Rektorin Wilfinger aus Magstadt, IHK-Präsidiumsmitglied Carsten Claus (KSK-BB), für die Kreisärzteschaft Dr. Nüssle, Herrenberg. Rechtes Bild: OB Dr. Vöhringer, OB Lützner, Sozialdezernent Schmid vom Landratsamt.

Im aktiven Einsatz: Der Bezirksposaunenchor unter der Leitung von Tobias Schweiker

Zeit zum Austausch an den Info-Tischen der zahlreichen Arbeitsbereiche im Kirchenbezirk

Rückmeldungen aus dem Publikum

 

 

"Was finde ich gut, was wäre verbesserungswürdig" oder auch "Was ich immer schon mal sagen wollte!", seine persönlichen Ansichten dazu konnte man auf bunten Karten notieren, die später gründlich ausgewertet werden sollen. Im Bild geben Ursula Wagner und Pfr. Dieter Heugel ein paar der eingesammelten Rückmeldungen zum Besten. Tendenz: eher wohlwollend freundlich. 

U.K.