Die Spitalkapelle in Weil der Stadt

 

 

Die Spitalkapelle ist ein rechteckiger gotischer Anbau des Spitalgebäudes mit einem Dachreiter.

Die Kapelle wurde 1364 geweiht, 1747/48 renoviert und barockisiert, und in den Jahren 1826 und 1978 erneut restauriert.  Die Ausstattung der Kapelle ist ganz vorzüglich!

 

 

Das Passionsbild (Fresko)

An die Nordwand, dem Eingang gegenüber, wurde im späten 14. Jahrhundert ein Andachtsbild gemalt, das der Meditation über die Passion Christi dienen soll.

Christus wird dargestellt nicht nur mit den üblichen Leidenswerkzeugen („arma Christi“), sondern mit einer Fülle von Gegenständen, die jeweils an bestimmte Leiden Christi während seines ganzen Lebens, besonders aber an Szenen oder Einzelheiten der Passionsgeschichte erinnern. 

Solche Meditationsbilder stammen aus der Tradition mystischer Frömmigkeit.

Der Hauptaltar

Der vorzügliche geschnitzte Hauptaltar vom Ende des 15. Jahrhunderts  ist der Heiligen Sippe geweiht.   

Die Darstellungen zielen auf eine Frömmigkeit, welche die Geschichten des Neuen Testaments aus der Jugend Jesu in den Alltag einer spätmittelalterlichen Großfamilie übersetzt. Dargestellt werden St. Anna, die Mutter Mariens und Großmutter Jesu; darunter Maria als Königin mit dem Jesuskind auf dem Schoß, der zwei Engel über die Schulter blicken. Zu Seiten von Anna vier Männer aus der Verwandtschaft; in der unteren Reihe Josef und Joachim (Vater der Maria) sowie rechts und links außen zwei weitere Marien mit kleinen Kindern.

Die beiden Altäre zu Seiten des Chorbogens (kein Foto) wurden anläßlich der Renovierung  1747/48 von Joseph Höchstädter geschaffen. Sie sind jeweils herausragenden Gruppen von Heiligen geweiht. Der Altar links ist ein Zwölf-Boten-Altar; die Evangelisten Lucas und Marcus sind den Aposteln hinzugefügt; im Zentrum wird der Abschied Jesu von seiner Mutter dargestellt. Der Altar rechts ist den 14 Nothelfern geweiht, besonders beliebten Heiligen, die von den Christen in vielerlei Nöten angerufen wurden. Die Verehrung der 14 Nothelfer hatte ein wichtiges Zentrum in Vierzehnheiligen in Franken. Zentrum des rechten Altars ist eine Pietà; das Herz Mariens wird vom Schwert durchbohrt (Luk 2, 35).

Erwähnt sei noch die spätgotische Skulptur eines Heiligen Severus , sowie 10 Tonmedaillons (17/18. Jahrh.) unter der Orgelempore, welche die Rosenkranzgeheimnisse darstellen.

GBt

Spitalgebäude und Spitalkapelle befinden sich am Ende der Stuttgarter Straße (Hausnr. 51) direkt an der Würm. Die Kapelle ist tagsüber geöffnet. Zuständig: Kath. Pfarramt Weil der Stadt (Tel. 07033 / 52683).

Weil der Stadt ist mit öffentlichen Verkehrsmitteln (S-Bahn Stuttgart) gut zu erreichen. Wer mit dem Pkw kommt und nur die Spitalkapelle besuchen möchte, parkt zweckmäßig am nahe gelegenen Friedhof.

Lit.: Kirchen im LK Böblingen 1990. - Kleiner Führer zu Spital und Spitalkapelle. 2. Aufl. 1998.