Evangelische Kirche in Magstadt

Ehemalige Wehrkirche St. Georg oder St. Johannes der Täufer


Das geöffnete Portal der frisch renovierten Kirche lädt zum Besuch ein
Alle Fotos vom 22.07.2011 (U.Kirste)


Das Patrozinium der evang. Kirche in Magstadt ist umstritten: Maria, Johannes der Täufer und Georg werden als Patrone genannt. Da die Kirche dem Zisterzienserkloster Bebenhausen inkorporiert (eingegliedert) war, war Maria in jedem Fall Mitpatronin. Seit 1403 gab es eine Frühmeßpfründe zu Ehren Johannes des Täufers und des Heiligen Georg. Auf einer Urkunde von 1465 des damaligen Magstädter Pfarrers ist der Heilige Georg abgebildet. Daher betrachtet das Heimatbuch von 1997 die Kirche als ehemalige Georgskirche.

Die Kirche in Magstadt wird 1273 erstmals erwähnt. 1395 wurde sie dem Kloster Bebenhausen einverleibt.

Einst war die Kirche Mittelpunkt einer mit dreifachem Mauerwall und Graben gesicherten Wehranlage. Innerhalb der Mauern waren außer der Kirche der Fruchtkasten und der Friedhof. Noch heute sind Teile der Wehr– und Zwingmauer gut erhalten.

Anstelle einer älteren romanischen Kirche wurde Ende des 15. und Anfang des 16. Jahrhunderts die heutige spätgotische Chorseitenturmanlage erbaut. Die Jahreszahl 1511 über dem Westportal bezeichnet das Jahr der Fertigstellung. Ein romanisches Bogenfeld (Tympanon) vom Vorgängerbau ist erhalten und befindet sich heute im Chor der Kirche.

Das Schiff, ein spätgotischer Rechtecksaal, dem außen Strebepfeiler vorgeblendet sind, öffnet sich in einem hohen Spitzbogen zum 5/8-Chor, der fünf gotische Fenster und ein feines Netzrippengewölbe mit stark hervortretenden Rippen aufweist. In den Schlußsteinen sind dargestellt – von Ost nach West – ein Engel mit dem württembergischen Herzogswappen, die Madonna mit dem Kind, die Heiligen Drei Könige (einzeln), welche sich der Madonna anbetend zuwenden, und Johannes der Täufer mit Lamm und Buch. An der Wand rechts (Südwand) befindet sich eine einfache Sediliennische. Erhalten hat sich ferner ein schlichtes Wandtabernakel.

Die Sakristei, die ebenfalls ein Netzrippengewölbe deckt, ist südlich an den Chor angebaut. Als Baumeister der Sakristei vermutet man den Steinmetzen Hans Wunderer von Pfaffenhofen, der im Bauernkrieg umkam.

Ein sehr beachtliches Stück der Ausstattung ist der spätgotische achteckige Taufstein. Er zeigt einen Engel mit dem württembergischen Wappen (Hauptrelief) und die Sieben Sakramente der katholischen Tradition: Taufe, Beichte (Bußsakrament), Kommunion, Firmung, Eheschließung, Priesterweihe, letzte Ölung (Krankensalbung).
Ähnliche Taufsteine findet man in der Marienkirche in Reutlingen, in der Oberkirche in Bamberg, und an anderen Orten.

Die gotische Kanzel hat einen frühbarocken Schalldeckel mit der Figur des Auferstandenen.

1960/61 wurde die Kirche im Innern gründlich erneuert; der Chor erhielt neue farbige Glasfenster.

Erwähnt sei noch ein „Heiligenkasten“ im Chor, nämlich eine 2 m lange, mit Eisenbändern beschlagene Truhe der Zeit um 1500, die der Kirchenpflege als Tresor diente.

Hinweis. Eines der schönsten Kunstwerke in Magstadt ist eine spätgotische Pieta der Zeit um 1524. Sie wird dem Bildschnitzer Matthäus Weinmann aus Weil der Stadt zugeschrieben. Die knapp 50 cm hohe, gefasste (d.h. bemalte) Holzplastik steht in einer Nische in der katholischen Kirche „Zur Heiligen Familie“.

[GBt]


Neuere Ereignisse:
2009          - Sanierung des Chordachgebälks
2010/2011  - große Innenrenovierung
2011          - 500jähriges Jubiläum 

Für Besichtigungen zuständig:
Regelmäßiger Gottesdienst am So. um 10 Uhr. Den Schlüssel zur Kirche bekommt man im Pfarramt, Pfarrstr. 3 
Lit.: 
- Fritz Heimberger, Achthundert Jahre Magstadt.
  Stuttgart 1997.
- Kirchen im LK BB. 
- Flyer der Kirchengemeinde. Verf.   Steegmüller
- 500 Jahre Johannes-Täufer-Kirche Magstadt
   Herausgeber: Ev. Kirchengemeinde Magstadt

Hauptportal

Blick in den Chorraum

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Der spätgotische Taufstein

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Die gotische Kanzel

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Der Heiligenkasten

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Blick auf den Turm

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