Edith-Stein-Haus im Ramtel (Leonberg)

Die Vorgeschichte

Die ersten Planungen für den Bau einer Kirche im Ramtel reichen in die Mitte der 50-er Jahre zurück. Bereits 1956 hatte der damalige Pfarrer der Gemeinde, Anton Kner, ein Grundstück im Neubaugebiet Ramtel erworben, dessen Einwohnerzahl sich von 50 Personen vor dem 2. Weltkrieg auf fast 5.000 im Jahre 1965 vervielfacht hatte. 30 Prozent davon waren Katholiken, vorwiegend aus osteuropäischen Ländern. Durch Umlegung und Zuerwerb wurde der Katholischen Kirchengemeinde im Jahre 1962 ein Gelände an der Gerlinger Straße zugewiesen. Doch der jungen Kirchengemeinde fehlte das Geld, da andere dringendere Bauvorhaben im Vordergrund standen. Erst Mitte der 70-er Jahre, nach dem Bau des Johanneshaus und der ersten Renovierung der Johanneskirche, wurden die seitherigen Pläne wieder hervorgeholt und dann doch verworfen.


Nach intensiven und kontrovers geführten Diskussionen - für eine Kirche oder für ein Gemeindehaus - entschied sich der damalige Kirchengemeinderat am 1. Juli 1978 für eine „multifunktionale“ Lösung, ein Gemeindezentrum. Im Obergeschoss des Neubaus entstand eine Kapelle als Werktagskirche. Diese kann durch den anschließenden abtrennbaren Saal zu einem größeren Gottesdienstraum erweitert werden. Hinzu kamen auf derselben Ebene das großzügige Foyer, ein Club-Raum für die Erwachsenenbildung und eine Küche. Im Untergeschoss wurden 3 Jugendräume mit einer Teeküche und die Toiletten eingerichtet.


Die Einweihung

Nach dem Baubeginn im April 1980 und der feierlichen Grundsteinlegung am 13. Juli 1980, konnte das Gemeindezentrum bereits am 21.11.1981 feierlich eingeweiht werden. Architekt war K.H. Neumann, die künstlerische Gestaltung der liturgischen Orte in der Kapelle erfolgte durch Gerhard Tagwerker, ein gestiftetes Glasfenster wurde durch Emil Wachter ausgeführt.

Eine große Bereicherung war die Anschaffung der Orgel im Jahre 1993.


Namensgebung

Das Haus wurde nach Edith Stein benannt, einer aus dem Judentum stammenden gelehrten Frau. Ihr Lebens- und Glaubenszeugnis sowie ihre zahlreichen Veröffentlichungen haben für Viele große Bedeutung. Als Ordensfrau wurde sie 1942 aus Holland ins KZ nach Auschwitz verschleppt und starb dort in der Gaskammer. Am 11. Oktober 1998 erfolgte ihre Heiligsprechung.


Patron der Kapelle ist der Heilige Benedikt, der vor über 1.500 Jahren seinen Lebenssinn darin gefunden hatte, Gott zu suchen. Im Hören auf sein Wort, in der christlichen Gemeinde, im Mitmenschen, im Gebet und in der Mühe der täglichen Arbeit. Die Benediktus-Kapelle soll ein Ort sein, an dem wir als Gemeinde das Suchen nach Gott ermöglichen und zulassen. Beide Heilige sind in dem Relief der Eingangstür zur Kapelle dargestellt.

Fotos: Rudolf Kohler
Text: Rudolf Kohler, Richard Pahl