Evangelische Kirche Holzgerlingen - Mauritiuskirche

und Gemeindezentrum Johanneskirche in Holzgerlingen

Holzgerlingen, seit 1993 Stadt, wird 1007 erstmals in einer Urkunde Kaiser Heinrichs II erwähnt. 2007 wurde das 1000jährige Jubiläum der Stadt gefeiert.
Die dem Heiligen Mauritius geweihte Kirche wird 1275 erstmals erwähnt. Graf Eberhard im  Bart schenkte 1487 das Patronat der Kirche dem Stift St. Georg in Tübingen und damit der Universität, die ihr Patronatsrecht (Berufung des Pfarrers) bis 1924 ausübte.
Auch St. Mauritius in Holzgerlingen war eine Wehrkirche mit einem mächtigen Turm, die früher von einer hohen Mauer umgeben war. Wahrscheinlich gehörte auch das jetzige Pfarrhaus (Kirchstr. 12) ursprünglich zur Wehranlage.

Die „Dorfkirche von monumentaler Haltung“ (Georg Dehio) fällt besonders ins Auge, wenn man von Schönaich kommt.  Sie ist heute ein fast einheitlicher spätgotischer Bau; er geht zurück auf einen Um- oder Neubau, der 1473 begonnen wurde. Treibende Kraft (Bauherrin) war wohl die Mutter Eberhards im Bart, die Erzherzogin Mechthild, eine geborene Pfalzgräfin bei Rhein. Holzgerlingen gehörte zu ihrem Witwengut aus ihrer ersten Ehe mit Graf Ludwig von Württemberg. Der romanische,  unten kreuzrippengewölbte Turm ist älter; er steht asymmetrisch zum Schiff.
Südlich des Kirchturms ist ein tonnengewölbtes Beinhaus von 1481 in die frühere Kirchhofsmauer hineingebaut.
Das schlichte Schiff ist mit einer flachen Decke geschlossen. Dagegen ist das Netzrippengewölbe des Chors ein feines Stück spätgotischer Steinmetzkunst. Die Schlusssteinreliefs stellen u.a. dar Maria mit dem Kind, den Kirchenpatron Mauritius, und einen Engel mit einem Schild, auf dem das Wappen der Erzherzogin (Pfalzgräfin) Mechthild gemalt ist: die Farben Österreichs Weiß/Rot und die Pfälzer Löwen. 
Die Sakristei, im Norden an den Chor angebaut, hat gleichfalls ein Netzrippengewölbe. Die Emporen im Schiff sind mit Brüstungsmalereien von 1677 geschmückt. Die Kanzel stammt von 1600 (Jahreszahl am Fuß).
Mehrere Epitaphe aus Holz mit Gemälden erinnern an verstorbene Pfarrer des 17. und 18. Jahrhunderts.
Bild rechts unten: eines der Epitaphe
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Das moderne Evang. Gemeindezentrum (Johanneskirche) in der Bühlenstraße wurde 1976 fertiggestellt. Martin Stockburger lieferte den Entwurf.
[GBt]
Für Besichtigungen zuständig:
Gottesdienstzeiten: Sonntags 9 oder 10 Uhr, im monatlichen Wechsel mit der Johanneskirche
Den Schlüssel zur Kirche erhält man im Pfarramt, Kirchstr. 12 (Tel. 07031-607272).

Literatur: Sönke Lorenz u.a.: Holzgerlingen. Von der Schönbuchsiedlung zur Stadt. Stuttgart: WEGRA-historik Verlag 1995
Kirchen im LK BB
Fotos: U.Kirste - Mai 2006


Südansicht mit Außentreppe zur Empore
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Blick in den Chorraum
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die Emporen mit Brüstungsmalerei
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