Das Chorfenster in St. Josef, Herrenberg

von Professor Albert Birkle, Salzburg

 

Hört man im Zusammenhang mit Herrenberg von einem kirchlichen Kunstwerk, dann drängt sich sofort vorrangig der Gedanke an die Stiftskirche im Gäu mit ihrem weithin sichtbaren Wahrzeichen dem Zwiebelturm auf. Aber auch weniger berühmte Gotteshäuser in bescheidener Umgebung beherbergen sakrale Schätze. Dies ist in der katholischen St. Josefskirche der Fall. Hier hat der berühmte Maler und Gestalter von Wand- und Kirchengemälden, der bis nach Amerika durch seine Glasfensterkunst bekannte Salzburger Künstler, Professor Albert Birkle, im Jahr 1933 ein monumentales Kirchenfenster geschaffen.

Die Grundsteinlegung für die erste katholische Kirche in Herrenberg, die St.Josefskirche, erfolgte am 9. Oktober 1932. Unter den Architekten Martin Schilling und Hans Lüdkemeier entstand die billigste, für die damalige Zeit schönste, auch liturgisch am besten gestaltete Diasporakirche der Diözese      Rottenburg.

Die feierliche Einweihung erfolgte am 22. Oktober 1933. Diesem Umstand war es zu verdanken, dass mit dem Künstler Professor Albert Birkle aus Salzburg Kontakt aufgenommen wurde. Nach seinen Entwürfen wurden elf Einzelfenster für die Apsis, in den Jahren 1931-1933 in der Franz Mayer’schen Hofkunstanstalt in München, von ihm selbst gefertigt. 

Der Einbau des Chorfensters erfolgte ebenfalls unter seiner Leitung im Jahr 1933.

Das Thema: Christus, in der Glorie des himmlischen Jerusalem. Das himmlische Jerusalem ist der Innbegriff des Reiches Gottes. Es ist die Stadt der Gerechtigkeit und Ziel der großen Pilgerschaft der Völker. Ein Bild für die Vollendung der Geschichte Gottes mit den Menschen. 39 Heilige, einschließlich der Engel, hat der Künstler in den 11 Fenstern dargestellt. Wir sehen Jesus Christus, um das Haupt den Heiligenschein. Jesus Christus steht im Mittelpunkt mit ausgebreiteten Armen. Die Wundmahle sind zu erkennen, schwebend, in einer Leichtigkeit, die uns, die wir in die Kirche eintreten, sofort in Bann zieht.

Gegenüberstellung der mittleren Chorfenster vor und nach der Restaurierung in 1957 (zur Vergrößerung Bild anklicken).

Seit seiner Restaurierung im Jahr 1957 sieht das Chorfenster anders aus, als in der ursprünglichen Version von 1933. Das nebenstehende Bild veranschaulicht die Änderungen (zur Vergrößerung Bild anklicken). 


Nach dem Urteil damaliger Kunst-sachverständiger, schuf Professor Albert Birkle das bedeutendste Werk moderner religiöser Kunst, das erste und größte Glasfenster in Süddeutschland. Professor Albert Birkle war einer der Bahnbrecher moderner Glasmalerei, international anerkannt und dessen Herrenberger Chorfenster richtunggebende Bedeutung in der Kunstszene gewann. Seine vielen und bedeutenden Werke in der Malerei sowie in der Glasmalerei sind im Inn- und Ausland zu sehen.

                                        Horst F. Sehorsch, Herrenberg

Anmeldungen für Führungen zum Chorfenster nimmt das Pfarrbüro unter der Tel. Nr. 07032/94260 entgegen.
Anschrift: Katholische Kirchengemeinde St. Josef und St. Martin
Walter-Knoll-Straße 13, 71083 Herrenberg
Die Josefskirche ist tagsüber geöffnet. Sie liegt in unmittelbarer Nähe zum Bahnhof (S-Bahn) in der Walter-Knoll- Straße (ca. 5 Minuten zu Fuß).
Lit.:
- "St. Josef und die Geschichte der Kirchengemeinde im Wandel der Zeit", 2007, Horst F. Sehorsch, Herrenberg
- "Kleiner Kunstführer", ISBN 3-00-011817-9, 2002, Horst F. Sehorsch
Beide Veröffentlichungen können beim Autor oder im Pfarramt erworben werden.