Fortsetzung St. Veit in Deufringen

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Fresko einer "Hostienmühle"
Eines der wertvollesten „Stücke“ in der Deufringer Kirche ist das Fresko einer Hostienmühle in der nördlichen Laibung des Chorbogens. Das Bild wurde ca. 1460 gemalt; es ist leider nicht vollständig erhalten. Eine Hostienmühle ist eine Allegorie (ein Sinnbild) für das Altarsakrament (Messe, Abendmahl). 


Was  wird dargestellt ?
Gott Vater steckt den ans Kreuz gehefteten Christus in den Trichter einer Mühle. Die Symbole der Evangelisten umschweben den Mühlentrichter. Bänder reichen von den Evangelistensymbolen in den Trichter hinein. Die Apostel drehen die Kurbel der Mühle. D.h.: Die Evangelisten steuern das Evangelium bei. Auch die Apostel, die hier die Kirche repräsentieren, sind an dem geheimnisvollen Mahlvorgang beteiligt.

Unterhalb der Hostienmühle befindet sich ein kleines Sakramentshaus, in dem geweihte Hostien aufbewahrt wurden. Die Hostien sind gewissermaßen das Mahlgut der Hostienmühle. Dem Kommunikanten (Teilnehmer  am Abendmahl) soll vermittelt werden: „Das ist Mein Leib“, an dem du jetzt Anteil bekommst. So massiv konnten unsere Vorfahren das Altarsakrament darstellen !

Das Bildmotiv einer Hostienmühle gehört in den  Zusammenhang mystischer Frömmigkeit des späten Mittelalters. Es sind nur noch wenige Darstellungen von Hostienmühlen erhalten. Ein gut erhaltenes Fresko mit diesem Bildmotiv findet man in der Friedhofskirche (St. Kilian) in Mundelsheim Kreis Ludwigsburg, und zwar an der Nordwand des Turmchors.

[GBt]
Literatur: 
- Die Evang. Kirche St. Veit in Deufringen. Mit Beiträgen von A. Schahl und Dipl.-Ing. J.Wetzel, Böblingen 1972.
- Kirchen im LK Böblingen 1990.
Hostienmühle
Sakramentshaus