Die Evangelische Kirche St. Veit in Deufringen

Eines der interessantesten Objekte in St. Veit ist das Fresko einer "Hostienmühle" über dem erhaltenen Sakramentshaus 

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Die Evangelische Kirche in Deufringen hat eine interessante Baugeschichte. Der älteste Teil sind die unteren Geschosse des heutigen Turms. Dieser war ursprünglich Chorturm einer kleinen romanischen Kapelle, die westlich anschloss. Man sieht heute noch am Turm eine Tür in ca. 5 m Höhe, die vom Dachgeschoss des romanischen  Schiffs in den Turm führte. Um 1460 wurde die Ostseite des Turms durchbrochen und ein gotischer Chor angebaut, dessen Achse nach Norden verschoben war. Die Bogenzone (Laibung) im Durchgang zu diesem Chor wurde mit dem Bild einer Hostienmühle geschmückt. Das Maßwerkfenster in der  Südwand des Turmchors stammt von ca. 1500.
[Skizze 1]

Um 1500 baute man ein gotisches Schiff auf der Ostseite des Turms an. (Während des Baus konnte die Kirche weiter benützt werden.) Der erwähnte Chor des 15. Jahrhunderts musste nun wieder abgebrochen werden. Die Öffnung vom Turm zum neuen Schiff wurde bis auf eine kleine Tür vermauert. Das gotische Schiff war ca. 4,60 m kürzer als das heutige Schiff. Im Osten schloss wahrscheinlich ein kleiner Chor an. Das romanische Schiff westlich des Turms wurde abgebrochen. Bis zur Renovierung 1971/72 war das Erdgeschoss des Turms nach Westen offen; das Südfenster war nicht verglast. 
[Skizze 2]

Im Jahr 1790 erweiterte man das Schiff nochmals um 4,60 m nach Osten auf die heutige Länge und baute die Sakristei an. 
[Skizze 3]

Bis 1971 war die Deufringer Kirche nach Osten „orientiert“. Bei der Renovierung 1971/72 drehte man die Orientierung der Kirche wieder nach Westen. Der Westeingang zum Turm wurde vermauert, das Südfenster verglast, und die alte Öffnung des Turmchors nach Osten aus dem 15. Jahrhundert wieder ausgebrochen. Dabei kam das Bild der Hostienmühle und die Reste eines kleinen Sakramentshauses wieder zum Vorschein. Die bunte Holzdecke und die Bemalung der Wände des Kirchenschiffs ist ausgesprochen „sinnenfroh“ (Meerjungfrauen), was manche Besucher überrascht.
[ Skizze 4]


Deufringen gehörte nicht zu Altwürttemberg; 1402 – 1699 waren die Freiherren von Gültlingen mit Deufringen belehnt. 1726 wurde der Ort Deufringen dem Kammergut, d.h. dem Privatvermögen des Herzogs von Württemberg zugeschlagen, zählte aber zum Oberamt Böblingen. Das Stift Baden (-Baden) besaß 1473-1806 das Kirchenpatronat. 
Besonders beachtlich ist das Grabmal für Jakob von Gültlingen und seine Frau Felicitas in der Nordwand des Schiffs. Die Formulierung, Jakob von Gültlingen habe am 15. Oktober 1600 „sein Leben geendet“, bezieht sich auf seine – durch Herzog Friedrich verfügte – Hinrichtung ohne Gericht und Urteil. Er hatte nachts in betrunkenem Zustand seinen Freund erstochen, weil er ihn für ein Gespenst hielt und sich bedroht fühlte. 
Das Hagelbild ist kulturgeschichtlich sehr interessant. Es erinnert an einen verheerenden Hagelschlag am 31. Mai 1811.
[GBt]
Ort der Kirche:
Aidlingen-Deufringen, Schlosshof
Besichtigung: 
Evang. Pfarramt: Gartenstr. 6, 
Tel. 07056-2591
Literatur:
- Die Evang. Kirche St. Veit in Deufringen. Mit Beiträgen von A. Schahl und Dipl.-Ing. J Wetzel, Böblingen 1972. 
- Kirchen im LK Böblingen 1990.