Altdorf - Evangelische Kirche und Geburtshaus von Michael Hahn


Altdorf wird 1204 in einer Papsturkunde erstmals erwähnt. 
Das Dorf gelangte im 13. und 14. Jahrhundert in den Besitz des Klosters Bebenhausen.
1402 wurde auch die Kirche dem Kloster Bebenhausen einverleibt. Seit der Reformation gehörten Ort und Kirche zum evangelischen Klosteramt Bebenhausen. 1807 kamen Ort und Kirche schließlich zum Oberamt bzw. Dekanat Böblingen. 

Ursprünglich war die Kirche in Altdorf eine Wehrkirche; das erkennt man deutlich an der ungewöhnlich hohen Kirchhofmauer im Osten der Anlage. Eine gotische Spitzbogenpforte öffnet den Durchgang zum Pfarrhof. Das Pfarrhaus, um 1600 erbaut, steht an der Stelle, an welcher der  Ortsadel im Mittelalter seine Burg hatte. 
An den älteren Tum schließt sich eine spätgotische Chorseitenturmanlage an. Meister Hans Steinmetz von Bebenhausen stellte Chor und Sakristei im Herbst 1498 fertig. An einem Strebepfeiler an der Südseite des Chors findet man zwei Zifferblätter von Sonnenuhren. 

Der Chor hat fünf, teils zwei- teils dreibahnige, gotische Fenster mit Fischblasenmaßwerk, und im Innnern ein schönes Sternrippengewölbe, das auf Runddiensten ruht. Die relativ derb gearbeiteten Schlusssteine zeigen (von West nach Ost) einen Engel, danach Petrus, Paulus, den Kirchenpatron Blasius mit dem Schweinsattribut, die Madonna mit dem Kind und schließlich, auf dem Hauptschlussstein im Chorpolygon, Gott Vater mit der Weltkugel. 

In die nördlich angrenzende Sakristei führt ein Schulter- bogenportal; das originale Türblatt trägt schöne spätgotische Beschläge. Am Sturz des Portals findet man das lateinische Wortspiel mala mali malo mala contulit omnia mundo [=Der Kinnbacken des Bösen hat durch den Apfel alles Böse in die Welt gebracht]

Der Turm trägt noch eine Glocke von 1458.

Als besonderes Ausstattungsstück findet man im Innern der Kirche eine geätzte Grabtafel von 1592 aus Solnhofer Stein für Pfarrer Johann Thomas Schwarz.

1943/44 wurden rund 40 % des Ortes durch Bomben zerstört. Dabei blieben Turm und Chor der Kirche unversehrt. Die zerstörten Gebäudeteile wurden 1952 wiederhergestellt.

Das Gebäude Kirchplatz 4 neben dem 1950 wieder errichteten Rathaus ist das Geburtshaus von Johann Michael Hahn (2. Febr. 1758 – 20. Jan. 1819), der die Hahn’sche Gemeinschaft begründete. J.M. Hahn ist auf dem Friedhof in  (Jettingen-) Sindlingen begraben.

 [GBt]

Evang. Kirche Altdorf
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Tür zur Sakristei 
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geätzte Grabtafel 1592 
vergrößerte Tafel o.Rahmen


Gedenktafel Michael Hahn
vergrößerte Tafel

Blick in den Chor
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Freitreppe zur Empore
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Geburtshaus M.Hahn
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Lit.: Söhnke Lorenz (Herausg.), Altdorf im Schönbuch – Von der Klosterherrschaft zur Bürgergemeinde. Reihe Gemeinde im Wandel Band 16. Filderstadt: Markstein Verlag 2004.
Kirchen im LK BB

Fotos von Ulrich Kirste - 2006