Entdeckt in den Sommerferien

Fotocollage: Wolfgang Hensel

Es gibt viel zu entdecken auf dem Gebiet unserer Dekanate, unseres Landkreises. Auch auf kirchlich-christlicher Ebene. Keine großen Wallfahrtskirchen oder Klöster – aber wer genau hinschaut, macht diese Entdeckungen, die berühren, die erinnern, die anregen … Wegkreuze, Kirchenfenster, schöne Details an Kirchengebäuden …

Solche „Entdeckungen“ stellen wir Ihnen über den Sommer vor. Vielleicht ermutigt Sie das ja auch selbst, uns solche Entdeckungsgeschichten und –bilder mitzuteilen und zu schicken? Wir werden versuchen, dann immer wieder einige davon in unsere Titel einzubauen!

Fotos / Text: U.Kirste

Dieses – und andere – Glasfenster in der Aidlinger Mariä-Himmelfahrt-Kirche hab ich dieses Jahr erst so richtig entdeckt. Es ist Teil des Fensterkreuzwegs von Annemarie Baumgarten, der in 12 Fenstern nicht den Leidensweg Jesu, sondern den Weg Gottes mit uns Menschen zeigt.

Dieses Bild regt mich zum Mitfühlen und Mithandeln an:
-  Wo baue ich mit anderen Neues (Mitte) und fühle ich mich dabei begleitet?
-  Wer kommt dabei „unter die Räder“ (unten / links unten) – und wo handle ich da als BegleiterIn im Sinne Jesu?
-  In welche anderen Situationen (Stadtbummel, Schiffsfahrt etc.) wird Nähe Gottes durch mich spürbar?

Schauen Sie sich diese Fenster doch mal bei einem Ausflug an – es lohnt sich.

Text/Bild: Wolfgang Hensel

(hier eingestellt U.K.)

Edith Stein wird am 12. Oktober 1891 geboren. Sie stirbt am 9. August 1942 in den Gaskammern von Ausschwitz. Am 11. Oktober 1998 wurde sie heilig gesprochen und 1999 zur Patronin Europas ernannt.

“Komm, wir gehen für unser Volk”, soll Edith ihrer Schwester Rosa beim Abtransport gesagt haben. Im Güterzug nach Auschwitz tröstete sie ihre Mitgefangenen: “Jesus ist auch hier mitten unter uns.”

Das ist eine Zusage, der sie bis zum Ende vertraut - auch als sie in die Gaskammer geführt wird. Dieses Vertrauen können wir in Zeiten von Amokläufen, Attentaten und unsicheren politischen Lagen gut gebrauchen. Wenn ich den Mut auch manchmal zu verlieren scheine, so bin ich froh, zu wissen, dass Europa eine Patronin hat, deren Zuversicht nie gebrochen wurde.

Das Bild zeigt die Eingangstür der Kapelle im Edith-Stein-Haus in Leonberg-Ramtel. (ak)

Foto: Rudolf Kohler
Text: Angelika Kamlage

Gedenkkreuz bei Deckenpfronn

Gedenkkreuz nahe der Straße 296 bei Deckenpfronn (Egelsee) an einem Hochpunkt der einst hier verlaufenen alten Römerstraße von Rottenburg nach Pforzheim. Die deutsche Übersetzung der in lateinischer Sprache verfassten Inschrift lautet:

Im Jahre des Herrn 1253 wurde der ehrwürdige Graf Burkhard von Hohenberg in aller Herrgotsfrühe des Tages der Heiligen Margarete, während er über Land ritt, vom Blitz erschlagen.

(Foto: U. Kirste) (u.k.)

Das „Schildportal“ der Sindelfinger Martinskirche

Diese besondere Kirchentüre aus dem 12. Jahrhundert fasziniert mich:
Schön gearbeitet ist sie – und der Löwenkopf ist sicher das Auffallendste an ihr. Jesus als der „Löwe von Juda“, wie er im Johannesevangelium genannt wird.

Und noch aktueller ist der Löwenkopf als Symbol der Gerichtsbarkeit: wer im Mittelalter diesen Ring des Löwen ergriffen hatte, genoss Asyl, wie wenn er im Kirchenraum wäre.
Fragen kommen mir:

  • Welche Bedrängnisse fallen mir ein, bei denen ich gern diesen Ring ergreifen würden?
  • Wo kann ich beitragen, anderen „Halt“ zu geben, die nicht mehr weiter wissen?
  • Was heißt so ein Symbol an einer Kirchentür für uns als Christen im Umgang mit den vielen asylsuchenden Flüchtlingen unserer Tage?
  • Was fällt Ihnen ein?

(Text und Foto: Wolfgang Hensel)

Friedensmahnmal auf dem Waldfriedhof in Böblingen

Christen, Juden und Muslime – sie stehen gemeinsam auf einem Sockel.
Alle haben ihre Eigenheit.
Aber der Wille zum Frieden ist im Grunde ein gemeinsamer Wunsch und ein gemeinsames Ziel.
Die Hoffnung auf Frieden in der Welt zeigt sich in dem Spruch auf dem Denkmal des Künstlers Alfred Zellner:
"Macht Frieden! Gleichberechtigt"

Und Mahatma Gandhi sagte:
"Es gibt keinen Weg zum Frieden, denn Frieden ist der Weg."

(Text und Fotos Eugen Werner) (uk)

Katholischer Taufstein in evangelischer Kirche

Alle sieben katholischen Sakramente zeigt der steinerne Taufstein in der evangelischen Johannes-Täufer-Kirche in Magstadt. Ein besonderes ökumenisches Symbol. Die Taufe ist das verbindende Sakrament beider Kirchen.

Evangelisch pflegt zwei Sakramente: Taufe und Abendmahl, katholischerseits gibt es fünf weitere: Beichte, Firmung, Ehe, Priesterweihe, Krankensalbung.

Auf der 8. Seite des Magstadter Taufsteins ist ein Engel mit dem württembergischen Wappen von 1511, dem Weihejahr der Kirche dargestellt.
1534 wurde die Kirche evangelisch.

Die Kirche ist von Mai bis September mittwochs von 14-18 Uhr geöffnet.

(Text und Foto: Pfarrer Dieter Heugel, Magstadt) (uk)

Fremde

fremd
fremder
fremde
fremd sein
überall und nirgends

daheim
freunde
heimat
freunde sein

fremd sein
eingeladen sein
freunde werden
freunde sein

Die Tafel im Hof der Kirchenburg in Merklingen verweist uns auf unsere eigene Fremdheit in der Welt. Mich hat sie jedoch beim Betrachten und darüber Nachdenken an die vielen Menschen auf der Flucht erinnert. Es ist an uns, Ihnen Heimat zu geben.

(Text und Foto: Angelika Kamlage) (ak)

Der Gekreuzigte im Chorfenster der Maurener Kirche

Meistens stellt Jesus den Leidenden am Kreuz dar. An Händen und Füßen fest genagelt, mit blutiger Dornenkrone und schmerzverzertem Gesichtsausdruck. Die Kreuzigung als eine brutale Form der Tötung.

In der Maurener Kirche sitzt Jesus auf einem Regenbogen aber noch mit den Armen fest an das Kreuz genagelt. Er sitzt gelassen, locker, die Füße leicht verschränkt als wäre die Haltung bequem. Jesus als Versöhner und Heilbringer blickt freundlich auf seine Gemeinde herunter. Ein Zeichen für Hoffnung und Auferstehen. Das Leid währt nicht ewig.
 Maurener Kirche

Bild:  aus einem Foto von Hans Bittmann
Text: Betrachtung Pfr. Düllmann 2001
(uk)

Auferstehungsstele in Leonberg

Die Auferstehungsstele in St. Johannes in Leonberg.

Ein halbnackter Mann, der sich gen Himmel reckt.
Ungewöhnlich.
Gewöhnungsbedürftig.
Unwillkürlich zieht die Stele den Kirchenbesucher in ihren Bann. Regt zum Nachdenken und Innehalten an.

St. Johannes der Täufer, Stohrerstraße, 71229 Leonberg

(Text und Foto: Angelika Kamlage) (ak)

Das krumme Kreuz von Deckenpfronn

Ein Steinkreuz, unterhalb der Nikolauskirche in Deckenpfronn.
Letztes Jahr habe ich es zum ersten Mal entdeckt.
Es ist krumm, auf die Seite gebogen und sieht sehr ungewöhnlich aus.
Fast macht es Schmerzen, es anzuschauen. Ja, es soll auf die schlimme Nacht des 21. April 1945 hinweisen, als kurz vor Kriegsende ein Großteil des Dorfes durch Luftangriff zerstört wurde.
Aber es erinnert mich darüber hinaus auch daran, wie angespannt und manchmal verbogen manche Situationen in meinem Leben sind.
Und dass Gott in solchen Situationen sich mit uns Menschen „krumm macht“. Ein Gott der Nähe, des Mitleidens, der Solidarität.

Ihnen alles Gute auf Ihren Wegen - und die Hoffnung, dass einer mit Ihnen geht!
Wolfgang Hensel, Dekanatsreferent

(Text und Foto: Wolfgang Hensel) (ak)

Das Soldatengrab im Schönbuch

rechtes Bild: Grab mit Stahlhelm aus früherer Zeit

ein Rundblick (Video)

Infotafel am Grab

Lange galt es als das Grab des unbekannten Soldaten. Doch hier liegt Victor Wagner begraben, er starb 19-jährig in den letzten Kriegsjahren.
Als meine Kinder noch klein waren, war es Plicht, wenn wir durchs Goldersbachtal fuhren (Waldfriedhof Herrenberg nach Bebenhausen), am Soldatengrab einen Stopp zu machen. Jedes mal wurde erneut die Geschichte von Victor Wagner erzählt. Damals, in den 80ger Jahren hing der Helm noch am Kreuz. Auf der Infotafel hat ein Besucher handschriftlich vermerkt: ‘‘Wo ist der Helm?‘‘
Man erreicht das Soldatengrab mit dem Fahrrad auch vom Schaichhof (Golfplatz) ca. 7 km. Der Rückweg empfiehlt sich über die Teufelbsbrücke.

Text und Fotos Karl-Heinz Münch

Weitere Infos:

Naturpark   Schönbuch

Denksteine Schönbuch

ADFC Tourenportal

(uk)

Die Skulptur am Waldfriedhof Böblingen

Viele Menschen gehen immer wieder an dieser Statue vorbei – in Gedanken versunken – den Weg über die Treppe zur Trauerhalle hinauf. Hat man sie wahrgenommen, die Sinnende, die da am Fuß der Treppe kauert?

Wer den Platz für sie ausgesucht hat ist mir unbekannt. So oft ich den Weg gegangen bin, erst später fiel sie mir auf, zufällig bei einem Spaziergang. Vorher sinnend vorbeigegangen an der Sinnenden.

Zu finden beim Haupteingang des Böblinger Waldfriedhofs:

Die Sinnende von Rudolf Christian Baisch

(Text und Foto: Eugen Werner) (uk)

Das Kreuz am Weg in Leonberg

Mitten im Trubel der Stadt ist dieses Kreuz zu finden. Jeden Tag fahren viele Autos daran vorbei.

Ob Menschen es sehen? Ob es Antworten gibt, warum es dort steht?

Der Stein ist ursprünglich glatt, jetzt von Moos überwuchert - kein Name - keine Zahl - nichts. 

Das Kreuz am Weg. Es erinnert mich jedes Mal an den Weg, den einst ein Anderer für uns ging.

Das Kreuz ist am Straßenrand der B295 (Seestraße) in Leonberg zu finden.

(Text und Foto: Angelika Kamlage) (ak)

Das Lesepult aus Glas in Magstadt

Ein Ambo, so nennt sich das Lesepult, von dem das Wort Gottes gelesen wird, aus buntem Plexiglas. Das hat mich umgehauen, als ich das zum ersten Mal in der Kirche Heilige Familie in Magstadt sah!

Gegenüber des Altares und eingerahmt von der Gottesdienstgemeinde wird hier aus der Heiligen Schrift vorgelesen. Transparenz der Worte, Durchlässigkeit bei den Zuhörern, eingefärbt von der Farbe und Schönheit, die jeder und jede durch seine/ihre Art zu glauben erhält?


Mir gefällt dieses „durchsichtige“ Tun, und ich wünsche mir, dass es viele Menschen gibt, denen die gelesenen und gehörten Worte bunte Fenster sein können, die ein wenig „Durchblick“ in ihr Leben bringen.

(Text und Foto: Wolfgang Hensel) (ak)