Katholische Kirche St. Peter und Paul, Weil der Stadt



Die spätgotische Hallenkirche mit ihren drei Türmen beherrscht das Stadtbild und das mittlere Würmtal. Von einer Vorgängerkirche des Übergangsstils um 1200 stammen die beiden Osttürme aus verputztem Bruchsteinmauerwerk, die im Innern den Durchgang zum  Chor etwas beengen. Die übrige Kirche ist aus Werksteinen gebaut. Der Westturm, in mehreren Phasen 1370 – 1554 errichtet,  wurde an die Vorgängerkirche angebaut; er beginnt quadratisch und erhebt sich über einer Turmvorhalle mit Eingängen im Süden und Norden. Der Turm setzt sich dann in zwei achteckigen Geschossen fort (Glockengeschoss und ehemalige Türmerwohnung mit Umgang) und endet in einer barocken Kupferhaube mit „Laterne“.

Das Schiff und der Chor wurden in der Zeit von 1492 – 1519, an bzw. zwischen die beste- henden Türme gebaut; die Einwölbung des Chors erfolgte 1519.  Die Streben des Schiffs sind „eingezogen“; dadurch entstehen im Innern zwei Reihen von Kapellennischen – eine in dieser Gegend häufige Grundrissform. An den Außenwänden des Schiffs sind die Streben durch Halbfialen angedeutet. Das „Brautportal“ mit Vorhalle im Südwesten ist besonders reich ausgestattet. Die schöne zweigeschossige Sakristei ist nördlich an den Chor angebaut.
Noch im Oktober 1648 (2 Wochen nach dem Friedensschluss, der den 30-jährigen Krieg beendigte), wurde Weil der Stadt eingeä- schert; dabei brannte auch der Westturm und das Schiff der Kirche aus. Die Gewölbe der Kapellennischen und des Chors blieben erhalten.

Blick über den Markt zum Turm 
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Blick ins Schiff zum Chor und Hochaltar 
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Der Wiederaufbau erfolgte ab 1655 in barockem Stil. 1869 wurde unter Joseph von Egle eine Re-Gotisierung vorgenommen.Die Säulen und das Netzgewölbe des Schiffs stammen aus dieser Zeit! Zwei wesentliche Renovierungen erfolgten 1939 – 1942 und 1976 – 1989.  Das vorzügliche Gewölbe des Chors mit schönen Schlusssteinen verdankt man einem Meister Friedrich.

Eine barocke Dreiheit bilden die Kanzel, der Hochaltar und die Orgel. Die Kanzel von 1742  (rechts) ist ein besonderes Schmuckstück. Die Evangelistensymbole zieren den Kanzelkörper; auf dem Schalldeckel Figuren der lateinischen Kirchenväter Ambrosius, Augustinus, Gregor und als „Bekrönung“ Hieronymus. Man beachte auch die hübsche Uhr mit Schlagwerk an der Rückwand – eine Augsburger Arbeit von 1752, und eine Vorkehrung gegen allzulange Predigten!
 
 
Der Hochaltar
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An der Nordwand des Chors findet man das Sakramentshaus (rechts) von Georg Miler aus Stuttgart von 1611, ein bedeutendes plastisches Werk  der ausgehenden Renaissance (Manierismus). Die Stiftung dieses Kunstwerks hängt sicher eng mit dem Abschluss der Gegenreformation in der  Reichsstadt Weil (Wiedereinführung der Messe) zusammen.

Die Bildwerke des Sakramentshauses meditieren das Thema „Brot des Lebens“. 
An der Basis wird die Szene aus 1. Kön. 19 dargestellt: Ein Engel speist und tränkt den zu Tod erschöpften Propheten Elia. Darüber befindet sich das eigentliche Tabernakel. 
Ein  weiteres Feld ist der Darstellung des Abendmahls gewidmet. Darauf verweist das Zitat aus Ps. 23: Parasti in conspectu meo mensam adversus eos qui tribulant me (Du bereitest vor mir einen Tisch im Angesicht derer, die mich bedrängen). Der Verräter Judas ist kenntlich an einem kleinen Beutel auf seinem Rücken (vgl. Joh, 12,6); ein kleiner schwarzer Teufel weist auf ihn.

Im nächst höheren „Geschoss“ wird das Manna-Wunder dargestellt (2. Mose 16). Darauf beziehen sich die beiden Inschriften aus Joh. 6, welche diese Darstellung einrahmen: Patres vestri manducaverunt manna et mortui sunt. Qui manducat hunc panem vivet in aeternum (Eure Väter haben Manna gegessen und sind gestorben. Wer dieses Brot isset, wird leben in Ewigkeit).

Die Kanzel von 1742
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Der Hochaltar (links) von 1680 – 1709 ist den Kirchenpatronen Petrus und Paulus geweiht; die Gemälde zeigen die Übergabe der Schlüssel an Petrus, darüber die Bekehrung des Saulus zum Paulus. Die Kirchenpatrone mit ihren Attributen sind nochmals als Großplastiken an den Seiten des Altars dargestellt: Petrus mit Schlüssel, Paulus mit Schwert. 

Die Orgel wurde1969 erneuert, der barocke Prospekt von 1730 in seiner ursprünglichen Fassung wiederhergestellt.
 
 

Das Sakramentshaus
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Ein kleines Medaillon in der Bekrönung stellt das Mahl der Emmaus-Jünger mit dem Auferstandenen dar (Luk. 24). Dazu die Inschrift: Cognoverunt eum in fractione panis (sie erkannten ihn am Brotbrechen). Auf der  Bekrönung schließlich der auferstandene Schmerzensmann mit Siegesfahne. Die Engel an den Seiten halten die Leidenswerkzeuge (arma Christi).-
An diesem Sakramentshaus gibt es immer neue Feinheiten zu entdecken, hinsichtlich des theologischen Gehalts und der künstlerischen Ausführung. Man beachte etwa den raffinierten Einsatz von schwarzem Material (Bronze ?) im Kontrast zu dem hellgrauen Stein, die dezente Tönung der Lippen, feine Architekturornamente, ...

Bewegliche Stücke der Einrichtung sind: Ein spätgotisches Vesperbild (1420), ein kreuztragender Christus (15. Jahrhundert), eine Madonna mit Kind (um 1480) und ein Christophorus. - Johannes Brenz und Johannes Kepler sind höchst wahrscheinlich in dieser Kirche getauft worden, und Brenz hat wahrscheinlich seine Primiz (1. Messe als Priester) in St. Peter und Paul gefeiert.
[GBt]
Für Besichtigungen zuständig:
Katholisches Pfarramt 
Kapuzinerberg 1, 71263 Weil der Stadt, 
Tel. 07033 / 52683  Fax: 526848
E-Mail: St.Peter-und-Paul-Kirche@t-online.de 
Lit.: 
· Kirchen im LK Böblingen 1990
· Die Stadtkirche in Weil der Stadt. 
  Schnell Kunstführer 965. 2. Aufl. 1977
Abb.: Fotos von Karl-Heinz Münch - 1984