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Die
spätgotische Hallenkirche mit ihren drei Türmen beherrscht das
Stadtbild und das mittlere Würmtal. Von einer Vorgängerkirche
des Übergangsstils um 1200 stammen die beiden Osttürme aus verputztem
Bruchsteinmauerwerk, die im Innern den Durchgang zum Chor etwas beengen.
Die übrige Kirche ist aus Werksteinen gebaut. Der Westturm, in mehreren
Phasen 1370 – 1554 errichtet, wurde an die Vorgängerkirche angebaut;
er beginnt quadratisch und erhebt sich über einer Turmvorhalle mit
Eingängen im Süden und Norden. Der Turm setzt sich dann in zwei
achteckigen Geschossen fort (Glockengeschoss und ehemalige Türmerwohnung
mit Umgang) und endet in einer barocken Kupferhaube mit „Laterne“.
Das Schiff und der Chor wurden
in der Zeit von 1492 – 1519, an bzw. zwischen die beste- henden Türme
gebaut; die Einwölbung des Chors erfolgte 1519. Die Streben
des Schiffs sind „eingezogen“; dadurch entstehen im Innern zwei Reihen
von Kapellennischen – eine in dieser Gegend häufige Grundrissform.
An den Außenwänden des Schiffs sind die Streben durch Halbfialen
angedeutet. Das „Brautportal“ mit Vorhalle im Südwesten ist besonders
reich ausgestattet. Die schöne zweigeschossige Sakristei ist nördlich
an den Chor angebaut.
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Der
Wiederaufbau erfolgte ab 1655 in barockem Stil. 1869 wurde unter Joseph
von Egle eine Re-Gotisierung vorgenommen.Die Säulen und das Netzgewölbe
des Schiffs stammen aus dieser Zeit! Zwei wesentliche Renovierungen erfolgten
1939 – 1942 und 1976 – 1989. Das vorzügliche Gewölbe des
Chors mit schönen Schlusssteinen verdankt man einem Meister Friedrich.
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Eine
barocke Dreiheit bilden die Kanzel, der Hochaltar und die Orgel. Die
Kanzel von 1742 (rechts) ist ein besonderes Schmuckstück.
Die Evangelistensymbole zieren den Kanzelkörper; auf dem Schalldeckel
Figuren der lateinischen Kirchenväter Ambrosius, Augustinus, Gregor
und als „Bekrönung“ Hieronymus. Man beachte auch die hübsche
Uhr mit Schlagwerk an der Rückwand – eine Augsburger Arbeit von 1752,
und eine Vorkehrung gegen allzulange Predigten!
Die Bildwerke des Sakramentshauses
meditieren das Thema „Brot des Lebens“.
Im nächst höheren „Geschoss“ wird das Manna-Wunder dargestellt (2. Mose 16). Darauf beziehen sich die beiden Inschriften aus Joh. 6, welche diese Darstellung einrahmen: Patres vestri manducaverunt manna et mortui sunt. Qui manducat hunc panem vivet in aeternum (Eure Väter haben Manna gegessen und sind gestorben. Wer dieses Brot isset, wird leben in Ewigkeit). |
Der
Hochaltar (links) von 1680 – 1709 ist den Kirchenpatronen Petrus und
Paulus geweiht; die Gemälde zeigen die Übergabe der Schlüssel
an Petrus, darüber die Bekehrung des Saulus zum Paulus. Die Kirchenpatrone
mit ihren Attributen sind nochmals als Großplastiken an den Seiten
des Altars dargestellt: Petrus mit Schlüssel, Paulus mit Schwert.
Die Orgel wurde1969
erneuert, der barocke Prospekt von 1730 in seiner ursprünglichen Fassung
wiederhergestellt.
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Ein
kleines Medaillon in der Bekrönung stellt das Mahl der Emmaus-Jünger
mit dem Auferstandenen dar (Luk. 24). Dazu die Inschrift: Cognoverunt eum
in fractione panis (sie erkannten ihn am Brotbrechen). Auf der Bekrönung
schließlich der auferstandene Schmerzensmann mit Siegesfahne. Die
Engel an den Seiten halten die Leidenswerkzeuge (arma Christi).-
An diesem Sakramentshaus gibt es immer neue Feinheiten zu entdecken, hinsichtlich des theologischen Gehalts und der künstlerischen Ausführung. Man beachte etwa den raffinierten Einsatz von schwarzem Material (Bronze ?) im Kontrast zu dem hellgrauen Stein, die dezente Tönung der Lippen, feine Architekturornamente, ... Bewegliche Stücke der Einrichtung sind: Ein spätgotisches Vesperbild (1420), ein kreuztragender Christus (15. Jahrhundert), eine Madonna mit Kind (um 1480) und ein Christophorus. - Johannes Brenz und Johannes Kepler sind höchst wahrscheinlich in dieser Kirche getauft worden, und Brenz hat wahrscheinlich seine Primiz (1. Messe als Priester) in St. Peter und Paul gefeiert. [GBt]
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| Für Besichtigungen
zuständig:
Katholisches Pfarramt Kapuzinerberg 1, 71263 Weil der Stadt, Tel. 07033 / 52683 Fax: 526848 E-Mail: St.Peter-und-Paul-Kirche@t-online.de |
Lit.:
· Kirchen im LK Böblingen 1990 · Die Stadtkirche in Weil der Stadt. Schnell Kunstführer 965. 2. Aufl. 1977 Abb.: Fotos von Karl-Heinz Münch - 1984 |