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Um 1059 gründete Graf Adalbert von Calw ein Chorherrenstift in Sindelfingen im Zusammenhang mit der Neugründung des Klosters Hirsau. Nach dem baugeschichtlichen Befund wurde die dreischiffige romanische Pfeilerbasilika in mehreren Phasen von ca. 1060 bis 1140 errichtet. Die Sindelfinger Stiftschronik überliefert 1083 als Weihdatum. Im Jahr 1477 verlegte der Schirmherr, Graf Eberhard im Bart von Württemberg, das Chorherrenstift St. Martin von Sindelfingen nach Tübingen. Damit war die wirtschaft- liche Basis für die Gründung der Tübinger Universität geschaffen. Der Sindelfinger Propst wurde der erste Tübinger Universitätskanzler, die Sindelfinger Pfründe ernährten die Tübinger Professoren. Als Ersatz stifteten Eberhard und seine Mutter Mechthild, geborene Pfalzgräfin bei Rhein, Gräfin von Württemberg und in zweiter Ehe Erzherzogin von Österreich, ein wesentlich kleineres reguliertes Chor- herrenstift, das in der Reformation (1536) |
wieder
eingezogen wurde. An diese „Ersatzstiftung“ erinnert ein Relief in der
Nordwestecke der Kirche.
Die Martinskirche ist ein sehr bedeutender romanischer Bau von durchaus eigener Prägung. Es besteht stilistische Verwandt- schaft zum Dom in Gurk. Eine Krypta mit einem darüber liegenden Hochchor wurde 1576/77 abgebrochen. |
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Westportal,
Romanischer
Türklopfer und Beschläge aus dem 12. Jahrhundert:
‘P.
Paulsen‘ bringt den Türklopfer und die Beschläge mit einer alten
Gerichtsstätte in Verbindung. Er nimmt an, dass die Beschläge
sacral-magische Bedeutung haben und zum Teil an vorchristliche Vorstellungen
anknüpfen. (Sindelfinger Jahrbuch, S.211 ff). Nach mittelalterlicher
Rechtsauffassung befand man sich schon beim Berühren des Türklopfers
gewisser- maßen in der Kirche, man genoss damit den Rechtsschutz,
der jedem Besucher der Stiftskirche St. Martin zukam.
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Südlich
der Sindelfinger Martinskirche steht eine Plastik des Bildhauers Fritz
Nuss: Zwei Männer begegnen sich. Der eine streckt seine geöffnete
linke Hand bittend aus. Der andere zerteilt seinen Umhang mit einem Schwert.
Es handelt sich um eine Darstellung der berühmten Mantelteilung des
Heiligen Martin, die1983/84 im Zusammenhang mit dem Jubiläum der (1083
geweihten) Martinskirche geschaffen wurde.
Martinus wurde um 316 in Ungarn geboren. Er war zunächst römischer Offizier. Um 334 wurde er getauft. Zuletzt war Martinus Bischof von Tours. Er starb am 11. Nov. 397. Die Mantelteilung ereignete sich in einer Winternacht am Stadttor von Amiens, kurz vor der Taufe Martins. Die Legende berichtet, Christus sei ihm in der folgenden Nacht im Traum erschienen, und habe das Geschehene im Sinne von Matth. 25,40 gedeutet: "Martinus hat mit diesem Mantel mich selbst bekleidet". |
Das Ölbild von ca.1440 aus Oberschwaben im Diözesanmuseum in Rottenburg ist ein Beispiel dafür, wie die Mantelteilung im ganzen Mittelalter dargestellt wurde. Martin ist zu Pferd (völlig normal für einen römischen Offizier!), der Bettler kniet – eine Geste des Bittens um Hilfe. Das Spruchband gibt die Deutung durch Jesus selbst: "Martinus hat mit diesem Gewand mich selbst bekleidet, obwohl er bisher [erst] Katechumene (Taufbewerber) ist". Die Plastik von Fritz Nuss
stellt die Szene in wesentlichen Punkten anders dar:
[GBt] |
| Ort der Martinskirche:
Sindelfingen, Stiftsstraße 4
Gottesdienst: Sonntags 10.00 Uhr. Zutändig für Besichtigungen: Pfarramt Martinskirche Nord, Tel. 07031 / 8 19 56 18 (Sekretariat: / 8 19 56 19) Lit.: Kulturamt der Stadt Sifi (Herausg.), Der Heilige Martin von Tours und seine Kirche in Sindelfingen 1083 – 1983. Sindelfingen 1983. |