Das
Patrozinium der evang. Kirche in Magstadt ist umstritten: Maria, Johannes
der Täufer und Georg werden als Patrone genannt. Da die Kirche dem
Zisterzienserkloster Bebenhausen inkorporiert (eingegliedert) war, war
Maria in jedem Fall Mitpatronin. Seit 1403 gab es eine Frühmeßpfründe
zu Ehren Johannes des Täufers und des Heiligen Georg. Auf einer Urkunde
von 1465 des damaligen Magstädter Pfarrers ist der Heilige Georg abgebildet.
Daher betrachtet das Heimatbuch von 1997 die Kirche als ehemalige Georgskirche.
Die Kirche in Magstadt wird
1273 erstmals erwähnt. 1395 wurde sie dem Kloster Bebenhausen
einverleibt.
Einst war die Kirche Mittelpunkt
einer mit dreifachem Mauerwall und Graben gesicherten Wehranlage. Innerhalb
der Mauern waren außer der Kirche der Fruchtkasten und der Friedhof.
Noch heute sind Teile der Wehr– und Zwingmauer gut erhalten.
Anstelle einer älteren
romanischen Kirche wurde Ende des 15. und Anfang des 16. Jahrhunderts die
heutige spätgotische Chorseitenturmanlage erbaut. Die Jahreszahl
1511 über dem Westportal bezeichnet das Jahr der Fertigstellung. Ein
romanisches Bogenfeld (Tympanon) vom Vorgängerbau ist erhalten und
befindet sich heute im Chor der Kirche.
Das Schiff, ein spätgotischer
Rechtecksaal, dem außen Strebepfeiler vorgeblendet sind, öffnet
sich in einem hohen Spitzbogen zum 5/8-Chor, der fünf gotische Fenster
und ein feines Netzrippengewölbe mit stark hervortretenden Rippen
aufweist. In den Schlußsteinen sind dargestellt – von Ost nach West
– ein Engel mit dem württembergischen Herzogswappen, die Madonna mit
dem Kind, die Heiligen Drei Könige (einzeln), welche sich der Madonna
anbetend zuwenden, und Johannes der Täufer mit Lamm und Buch. An der
Wand rechts (Südwand) befindet sich eine einfache Sediliennische.
Erhalten hat sich ferner ein schlichtes Wandtabernakel.
Die Sakristei, die ebenfalls
ein Netzrippengewölbe deckt, ist südlich an den Chor angebaut.
Als Baumeister der Sakristei vermutet man den Steinmetzen Hans Wunderer
von Pfaffenhofen, der im Bauernkrieg umkam.
Ein sehr beachtliches Stück
der Ausstattung ist der spätgotische achteckige Taufstein.
Er zeigt einen Engel mit dem württembergischen Wappen (Hauptrelief)
und die Sieben Sakramente der katholischen Tradition: Taufe, Beichte (Bußsakrament),
Kommunion, Firmung, Eheschließung, Priesterweihe, letzte Ölung
(Krankensalbung).
Ähnliche Taufsteine findet
man in der Marienkirche in Reutlingen, in der Oberkirche in Bamberg, und
an anderen Orten.
Die gotische Kanzel
hat einen frühbarocken Schalldeckel mit der Figur des Auferstandenen.
1960/61 wurde die Kirche im
Innern gründlich erneuert; der Chor erhielt neue farbige Glasfenster.
Erwähnt sei noch ein „Heiligenkasten“
im Chor, nämlich eine 2 m lange, mit Eisenbändern beschlagene
Truhe der Zeit um 1500, die der Kirchenpflege als Tresor diente.
Hinweis. Eines der schönsten
Kunstwerke in Magstadt ist eine spätgotische Pieta der Zeit um 1524.
Sie wird dem Bildschnitzer Matthäus Weinmann aus Weil der Stadt zugeschrieben.
Die knapp 50 cm hohe, gefasste (d.h. bemalte) Holzplastik steht in einer
Nische in der katholischen Kirche „Zur Heiligen Familie“.
[GBt]