|
In
Böblingen lenkt an der Kreuzung Berliner Straße und Maurener
Weg ein 35 Meter hoher Kirchturm den Blick auf die 1963 geweihte Kirche
St. Mariae Verkündigung. Dieser Titel erneuert den einer alten
Böblinger Friedhofskapelle.
Insbesondere Werke des Ravensburger Bildhauers Josef Henger (*1931) und Arbeiten des Ulmer Malers Professor Wilhelm Geyer (1900-1968) prägen das Innere des Kirchenraumes. Erbauer, Architekt und Künstler wollten mit der Gestaltung des Kirchengebäudes ein zentrales Christusbekenntnis der Urkiche sichtbar werden lassen: Groß ist das Mysterium unserer Gottesverehrung: ER (Christus) ist geoffenbart im Fleische, als der HEILIGE dargetan im Geiste, geschaut von den Engeln, verkündet den Heiden, geglaubt in den fernsten Welten, erhöht in Herrlichkeit! ( 1Timotheus 3,16) Zwei Werke der beiden Künstler sollen an dieser Stelle vorgestellt werden: |
|
Die Altarwand |
![]() |
|
Wilhelm
Geyer gestaltete an nur sechs Orten Kirchenwände mittels sogenannter
Ziegelriemen. Die für die Altarwand in der Marienkirche verwendeten
Ziegel (22 cm x 4 cm) wurden aus verschiedenen Brandstärken von hell
bis schwarz gebrannt, besandet, ocker und rottönig ausgesucht.
Eine solche Ziegelvermauerung kann nicht einem vorgefertigten Entwurfskarton folgen, sondern nur unmittelbar auf der Wand frei entstehen - von unten nach oben, Reihe für Reihe. Lediglich die Kontrolle des Maßstabes wird durch ein Zahlenwerk auf Papier erleichtert. - Die Altarwand in der Marienkirche entstand in einer kalten Jahreszeit. Der angelieferte Sand für den Grundputz (ein Sand-Kalk-Gemisch) war gefroren. Während der Arbeit an der Wand erwärmte sich der kalte Grundputz und verdünnte sich. |
Die
in den Putz eingedrückten Ziegel nahmen bewegte, wellige Linien an
- nicht zum Nachteil des entstehenden Kunstwerkes. Der verwobene Charakter
der Wand begünstigt auf diese Weise das Geheimnisvolle.
Gemauert wurde die Altarwand von den Söhnen Wilhelm Geyers (Christus in der Mandorla umgeben von zwei Cherubinen und den vier „lebenden Wesen“ Offb4,6). Mit stark architekturgebundenem
Material wurde hier auf einfache Weise ein elementarer Inhalt formuliert.
Die Altarwand bleibt ganzheitlich als architektonisches Element im Bauwerk
eingebunden. Gleichwohl erwächst aus der Tiefe der Wand die Aussage:
Christus
geglaubt im Kosmos, in der ganzen Weltenschöpfung, in den fernsten
Welten.
|
|
Die Mariensäule am Portal der Kirche Die
von Josef Henger geschaffene Mariensäule trägt nicht nur das
Vordach über dem Kirchenportal. Im Wechselspiel von Licht und Schatten
zeigt Maria, die Mutter Jesu, jedem, der die Kirche betritt oder verläßt,
und allen, die auch nur den Kirchplatz überqueren, ihren Sohn, den
Erlöser der Welt.
Josef Henger begreift sich als religiösen Künstler, der in seinen Werken auch „ein Stück Seelsorge“ sieht. Ein Blickfang sollen seine Arbeiten sein. Die Menschen bräuchten religiöse Bilder. Aus Hören und im Sehen komme der Glaube. Im Johannesevangelium sagt Jesus zu Philippus: "Wer mich sieht, wer mich gesehen hat, hat den Vater gesehen" (Joh 14,9). Der Künstler hat diese Heilsbotschaft aufgenommen, sie bildnerisch umgesetzt und gibt sie in seinem Werk an den Betrachter weiter. Nos cum prole pia benedicat
virgo Maria -
[KGD]
|
![]() |
| Anschrift / Ort der Kirche:
Berliner Str. 14, 71034 Böblingen.
Besichtigung: Die Kirche ist tagsüber in der Regel geöffnet. Einen virtuellen Gang durch das Gotteshaus bietet die Homepage St. Maria |