Archiv Gedanken zum Sonntag


Gedanken zum Sonntag, 29. August 2010


 
 
 
Pfarrer Traugott Messner,
Schönaich



Sind Sie gut vernetzt?
Eines schönen Morgens glitt vom hohen Baum am festen Faden die Spinne herab. Unten im Gebüsch baute sie ihr Netz, das sie im Laufe des Tages immer großartiger entwickelte und mit dem sie reiche Beute fing. Als es Abend geworden war, lief sie ihr Netz noch einmal ab, um es auszubessern. Da entdeckte sie auch wieder den Faden nach oben, an dem sie heruntergestiegen war. Sie hatte ihn in ihrer betriebsamen Geschäftigkeit ganz vergessen. Da sie schlecht gelaunt war und auch nicht mehr wusste, wozu er diene, hielt sie ihn für überflüssig und biss ihn kurzer Hand ab. Sofort fiel das Netz mit ihr in die Tiefe, wickelte sich um sie wie ein nasser Lappen und erstickte sie.

Eine dramatische Geschichte mit tödlichem Ausgang. Wenn wir sie lesen, denken wir sofort: Wie kann man nur so dumm sein. Wie kann die Spinne nur vergessen, dass der Faden nach oben, der wichtigste Faden am ganzen Netz ist, von dem sie und ihr Netz völlig abhängig sind? Schlecht vernetzt!

Und doch: Sind wir nicht manchmal genau so wie diese Spinne, dass wir genau das zerstören, wovon wir abhängig sind, den Faden nach oben in unserem Netz? Sind wir nicht auf dem besten Weg unsere Lebensgrundlage, die wunderbare Schöpfung Gottes zu zerstören, obwohl wir wissen, dass wir ohne sie nicht leben können?
Oder schauen wir auf unser persönliches Leben: Wir wissen, dass wir uns das Leben selbst nicht geben können, sondern dass wir unser Leben Gott, unserem Schöpfer, verdanken und dass er es ist, der es uns erhält und jeden Tag neu schenkt. Wir wissen eigentlich, dass er der Faden nach oben ist, aber denken wir manchmal nicht genau so wie die Spinne? Der Faden ist überflüssig und wir machen ihn weg. Wir sind dann nicht mehr mit dem vernetzt, der unser Lebensnetz hält.

Ich glaube, dass wir oft wie diese Spinne sind, nur, dass nicht sofort das Netz unseres Lebens über uns zusammenfällt und uns gleich erstickt. Wir spüren vielleicht schon, dass unser eigenes Netz des Lebens uns bedrückt und uns auch manchmal die Kraft zum Leben nimmt und uns nicht mehr frei sein lässt, weil dieser Faden nach oben fehlt, der unser Netz hält.

Auch wenn das Netz über uns zusammenfällt, Gott will uns unser Leben lang von diesem Netz, das uns bedrückt, befreien. Der Faden von ihm aus ist da, er wird immer wieder neu gesponnen, wir brauchen uns nur an ihm festzuhalten, ihn wieder ergreifen, so hilft er uns, das Netz unseres Lebens wieder aufzubauen. Es kommt darauf an, wie beim Netz der Spinne, dass der Faden nach oben da ist und wir mit Gott gut vernetzt sind in unserem Leben. Dann wird auch das Netz unseres Lebens uns nicht zerstören, sondern uns helfen, unserm Leben Sinn und Inhalt zu geben. Hauptsache wir sind gut vernetzt – mit Gott.