Petra Ländner
Gerlinde Sautter, Jugendreferentin Böblingen
Karen Schepke, Pfarrerin, Johanneskirche Sindelfingen
Markus Schoch, Pfarrer, Markuszentrum Sindelfingen
Friederike Strauß, Pfarrerin, Christuskirche Böblingen
Moritz Twele, Pfarrer, Christuskirche Böblingen
„Keinen Bock mehr“
und dennoch reich beschenkt
Ein Bericht von Pfarrer Moritz Twele
Unter dieser plakativen – wenn auch zunächst missverständlichen Überschrift lassen sich die vielleicht eindrücklichsten 1 ½ Tage unserer Reise nach Burkina Faso im Rahmen der Partnerschaft unseres Kirchenbezirks während der zurückliegenden Faschingsferien zusammenfassen. Nach zweieinhalbstündiger Fahrt mit zwei Geländewagen durch die afrikanische Savanne erreichten wir das Dorf Sandogo, in dem unser Kirchenbezirk den Bau einer neuen Kirche finanziert. Hier erleben wir Burkina Faso, wie man sich Afrika manchmal in der Phantasie ausmalt: Weit verstreut liegende Gehöfte mit zahllosen strohgeflochtenen Kornspeichern und runden Lehmhütten – Frauen, die auf herkömmliche Weise die Spreu vom Weizen trennen und mit großen Steinen, das Korn zu Mehl mahlen – überall freiherumlaufende Schweine, Kühe und Schafe – Kinder, die fröhlich lachend auf uns zugelaufen kommen, um uns zu begrüßen. Wunderschöne Bilder, die die Einfachheit und Armut, in der viele der Dorfbewohner leben kaum erahnen lassen.
Verteilt auf vier Gastfamilien verbringt unsere kleine Reisegruppe den Abend. Meine Frau und ich sind beim Chef de Village – eine Mischung aus Bürgermeister und Dorfältesten untergebracht. Sein Großvater war es, der den Ort Sandogo einst gründete. Im Festtagsornament werden wir feierlich empfangen zwei Plastikstühle sind wie kleine Throne für uns bereitgestellt. Dort sitzen wir im Licht der tiefstehenden Sonne, die den Hof und die Savanne in warme Farben taucht.
Viel unterhalten können wir uns nicht – die französischen Sprachkenntnisse sind schnell ausgeschöpft. Dafür aber gibt es um so mehr zu sehen – und zwar auf beiden Seiten. Wohl an die 50 bis 70 vornehmlich Männer und Kinder sind es, die zusammengekommen sind, um uns fremd anmutende Gäste aus einer ihnen unbekannten fernen Welt zu bestaunen. Noch viel mehr Dorfbewohner kommen dazu, als wir am nächsten Morgen mit den anderen aus unserer Reisegruppe zum Frühstück auf dem Hof unserer Gastfamilie zusammenkommen. Uns zu Ehren hält der Enkel des Dorfältesten eine feierliche Ansprache. Man merkt ihm an, dass er so etwas noch nie getan hat, doch seine Französisch-Kenntnisse haben die Wahl auf ihn fallen lassen. Danach stehen traditionelle Tänze auf dem Programm. Zunächst sind es die Männer, die im bastgeflochtenen Tanzgewand zum Rhythmus der Trommelcombo für uns tanzen. Danach bilden die Frauen singend und klatschend einen Kreis, in deren Mitte sich die Tänzerinnen abwechseln.
In Burkina Faso ist es üblich, dass den Gästen Abschiedsgeschenke überreicht werden. Und eh wir uns versehen, sind wir stolze Besitzer eines stattlichen Schafbocks, den uns das Familienoberhaupt zum Abschied feierlich übergibt. Undenkbar ein solches Geschenk nicht anzunehmen. Bei unserer nächsten Station beim Pfarrer von Sandogo vermachen wir ihm unseren Schafbock mit der Bitte, beim nächsten Gemeindefest alle Dorfbewohner an diesem wertvollen Geschenk teilhaben zu lassen.
Und so haben wir am Ende unseres Besuches in der Savanne „keinen Bock mehr“ und kehren doch zutiefst beschenkt zurück in die Hauptstadt Ouagadougou – eine Stadt, die nach unseren Maßstäben wenig städtisches an sich hat, und die uns doch plötzlich wie eine laute rastlose Millionenmetropole erscheint.